Marihuana für Teenies in Babensham

Justizia sprach ein Urteil über einen Dealer, der in der Asylunterkunft in Babensham Drogen an Minderjährige verkaufte. Das Schöffengericht Rosenheim verhängte eine Haftstrafe von 28 Monaten. dpa

Babensham. /.

Rosenheim– Von 2018 bis 2019 besorgten sich 14-, 15- und 16-jährige Buben in der Asylantenunterkunft in Babensham regelmäßig Marihuana. Im November 2019 machte die Drogenfahndung diesem Treiben ein Ende.

Vor dem Schöffengericht beim Amtsgericht Rosenheim hatte sich ein 27-jähriger Nigerianer zu verantworten, der von Januar bis November 2019 in der Asylantenunterkunft in Babensham bei Wasserburg einen schwungvollen Handel mit Marihuana betrieben hatte. Dabei waren seine Kunden fast ausnahmslos Kinder und Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren.

Diese hatte er zwar nicht zum Drogenkonsum verführt, sondern von einem Drogenhändler vor ihm in der Unterkunft „übernommen“. Der war verschwunden und – so vermutet die Polizei – nach Frankreich untergetaucht. Seine Identität konnte nicht ermittelt werden.

Nachdem ein 15-jähriger Schüler von der Wasserburger Polizei angehalten worden war und er Marihuana mit sich führte, flogen diese Umtriebe auf. In der Summe beschuldigte die Staatsanwaltschaft den Nigerianer 150-mal Drogen an Minderjährige verkauft zu haben.

Der Angeklagte lebt seit 2018 mit seiner Ehefrau und zwei Kindern in Deutschland. Asylanträge für ihn und seine Familie sind abgelehnt worden. Derzeit befinden sie sich im Status der Duldung.

Geständnis mindert Haftstrafe

In einem Rechtsgespräch fand man eine Verständigung nach welcher, sofern der Angeklagte umfassend geständig sei, eine Haftstrafe von zwei bis zweieinhalb Jahren zugesichert wurde. Dieser stimmten alle Prozessbeteiligten zu und das geforderte Geständnis wurde auch abgelegt.

Allerdings zeigte der Nigerianer sich einerseits zugeknöpft, andererseits fantasievoll als er nach seinem Lieferanten befragt wurde. Ein „untersetzter Senegalese mit starken Oberschenkeln“ aus München Harras namens „Bull“ habe ihm die Drogen nach Babensham geliefert. Dessen Telefonnummer sei leider mit einem Handy verloren gegangen.

Die Staatsanwältin erklärte in ihrem Schlussvortrag, dass mit diesem Geständnis dem Gericht zwar eine längere Beweisaufnahme erspart geblieben sei, andererseits der Angeklagte ohnehin zweifelsfrei überführt worden wäre. Gemäß der Verständigung beantragte sie, eine Haftstrafe von 30 Monaten zu verhängen.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Josef Plenk, wollte die Strafe am unteren Rand des Verständigungsvorschlages sehen. Er beantragte eine Strafe von 24 Monaten, die wegen der langen Untersuchungshaft und der Tatsache, dass sein Mandant ohne jede Vorstrafe sei, durchaus auch zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Weil in diesem Falle die von der Verteidigung beantragten zwei Jahre eine absolute Untergrenze bei diesem Verbrechenstatbestand darstelle, sei dieses Strafmaß keinesfalls hinreichend, erklärte der Vorsitzende Richter Wolfgang Fiedler. Auch er sehe, dass durch das Geständnis des Angeklagten den Minderjährigen die Aussage vor Gericht erspart geblieben wäre. Andrerseits, so der Richter, wäre aber möglicherweise gerade dies zur Abschreckung der beteiligten Jugendlichen hilfreich gewesen.

Das Schöffengericht verhängte eine Haftstrafe von 28 Monaten, wobei bei dieser Strafhöhe eine Aussetzung zur Bewährung ohnehin nicht mehr möglich ist.

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