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Interview zur Pfarrgemeinderatswahl

Zum vierten Mal Kandidatin: Warum Elisabeth von Köller aus Griesstätt ihre Kirche so am Herzen liegt

Mit diesem Motiv wirbt die Erzdiözese München und Freising für die Pfarrgemeinderatswahlen.
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Mit diesem Motiv wirbt die Erzdiözese München und Freising für die Pfarrgemeinderatswahlen.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Sonntag, 20. März, ist Pfarrgemeinderatswahl im Erzbistum. Es ist eine Wahl in schwierigen Zeiten – mitten in der Krise der katholischen Kirche. Elisabeth von Köller aus Griesstätt kandidiert trotzdem erneut. Die 56-Jährige erklärt im Interview, warum ihr das Ehrenamt so wichtig ist – gerade jetzt.

Griesstätt – Viele Pfarrgemeinden haben sich diesmal schwergetan, Kandidatinnen und Kandidaten für die Pfarrgemeinderatswahlen am Sonntag, 20. März, zu finden. Denn die katholische Kirche befindet sich in einer großen Krise. Der Missbrauchsskandal wirkt nach, der Ruf nach Reformen ist allgegenwärtig. In dieser schwierigen Zeit kandidiert Elisabeth von Köller aus Griesstätt zum 4. Mal. Ein Gespräch über neue Wege zu Gott, die Rolle der Frau und Kreativität in der Kirche..

Sie kandidieren bereits zum vierten Mal für den Pfarrgemeinderat (PGR) und beweisen damit einen langen Atem in diesem Ehrenamt. Warum liegt es Ihnen so am Herzen?

Elisabeth von Köller: Mir gefällt das Bild des Apostels Paulus aus seinem Brief an die – übrigens reichlich zerstrittene – Gemeinde in Korinth. Da vergleicht er die Kirche mit einem Leib. Das bedeutet erstens lebendiger Organismus und zweitens das Zusammenspiel aller Glieder, damit´s auch läuft. Interessant ist, dass Paulus gerade die Bedeutung der unwichtig erscheinenden Glieder besonders hervorhebt. Ich freue mich, so ein kleines, nicht im Rampenlicht stehendes Glied der Kirche sein und meinen bescheidenen Beitrag leisten zu dürfen, damit kirchliches Leben vor Ort „läuft“.

Elisabeth von Köller kandidiert zum vierten Mal.

Die Wahlen fallen laut Kardinal Reinhard Marx in „stürmische Wochen der Diskussionen, der Wut, des Zweifels, der Enttäuschungen“. Hat diese Krise die Kandidatenfindung erschwert?

Von Köller: Die Kandidatenfindung war schon bei den vergangenen Wahlen nicht einfach, auch da hat es Pfarrgemeinden gegeben, die nicht genug Leute für eine Kandidatur begeistern konnten. Wenn man bedenkt, dass der Kirchenbesuch seit vielen Jahren rückläufig ist, kann das nicht weiter verwundern. In Griesstätt machen die meisten PGR-Mitglieder weiter. Vier lassen sich nach teilweise jahrzehntelangem Dienst nicht mehr aufstellen, bleiben der Pfarrei allerdings eng verbunden. Besonders erfreulich ist, dass sich auch zwei junge Christen zur Wahl stellen.

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Das Motto der Pfarrgemeinderatswahlen heißt: „Christ sein, weit denken, mutig handeln“. Verstehen Sie das auch als Aufforderung, sich im Falle einer Wiederwahl aktiv einzubringen in die Reformdebatte mit schwierigen Themen wie der Rolle der Frau und der Sexualmoral?

Von Köller: Menschen, die ganz konkret Antworten auf die großen Fragen des Lebens suchen, die Hilfe zur Bewältigung schwieriger Situationen benötigen oder auch nur Beistand in der Mühsal des Alltags, denen helfen kirchliche Reformdebatten meiner Erfahrung nach nicht weiter. Ich weiß aus eigenem Erleben, wie wertvoll gerade in Krisenzeiten der Glaube an Gott, das Hören und Betrachten des Wort Gottes, also der Bibel, und das gemeinschaftliche Gebet sind. Diese existenzielle Erfahrung wünsche ich allen Menschen. In vielen Pfarrgemeinderäten – anders als in den meisten politischen Gemeinden – stellen Frauen übrigens eine deutliche Mehrheit. Ich sehe hier ein weites Einsatzfeld für weibliche Charismen wie Kreativität und Fantasie in der Neugestaltung der ganz konkreten Seelsorge, das heißt darin, neue Wege zu Gott zu eröffnen, für alle, die auf der Suche sind. Hierin sehe ich vor allem unsere Aufgabe als Pfarrgemeinde, eine schönere kann ich mir nicht vorstellen.

Welche Entscheidung oder Aktion im Pfarrgemeinderat hat Ihnen in den vergangenen Jahren am eindrucksvollsten aufgezeigt, dass das Gremium etwas bewegen kann?

Von Köller: Wie überall ist auch für die Kirche vor Ort Corona eine große Herausforderung. Es beeindruckt und freut mich zu sehen, wie alle zusammenarbeiten, Ideen entwickeln und Wege suchen, dass auch unter Einhaltung der Hygienevorschriften Gottesdienst gefeiert werden kann und möglichst niemand abgewiesen werden muss. Sei es nun die Sternsingeraktion oder die Kinderkrippenfeier, der gut besuchte Abend der Barmherzigkeit oder als kleiner Ersatz für die Seniorennachmittage ein „Gruß vom Nikolaus“ an der Haustüre … Wir haben in vielen PGR-Sitzungen gemeinsam um Lösungen gerungen, um nicht einfach alles streichen zu müssen. Wenn alt Bewährtes nicht geht, müssen neue Wege her. Das verlangt viel Einsatz, eröffnet aber auch unerwartete Möglichkeiten, darunter durchaus Wertvolles und Bereicherndes, was man auch nach Corona beibehalten kann.

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