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Ergebnisse der Studien in Mühldorf vorgestellt

Borna-Virus in Maitenbeth: Es gibt gute und schlechte Nachrichten

Landrat Max Heimerl bei der Pressekonferenz zum Borna-Virus.
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Landrat Max Heimerl bei der Pressekonferenz zum Borna-Virus.
  • Anja Leitner
    VonAnja Leitner
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  • Sophia Huber
    Sophia Huber
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Nicht nur die Maitenbether waren gespannt: Die Forschungsinstitute haben am 29. November die Ergebnisse der Borna-Virus-Studien vorgelegt. Es gibt gute und schlechte Nachrichten. So sehen sie aus.

Maitenbeth/Mühldorf - Die Ergebnisse der Borna-Virus-Studien sind da. An drei verschiedenen Forschungen haben das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) gearbeitet: an der BOSPEK-Studie und der Studie zur Spitzmauspopulation. Außerdem wurden Umweltproben im Gemeindegebiet Maitenbeth entnommen. Nun haben Dr. Merle Böhmer, stellvertretende Leiterin der Infektionsepidemiologie am LGL, Dr. Dennis Rubbenstroth, Leiter des Nationalen Referenzlabors für Borna-Virusinfektionen der Tiere am FLI, und Viola Haring, Veterinärin und Wissenschaftlerin am FLI, in einer Pressekonferenz im Landratsamt Mühldorf die ersten Ergebnisse vorgelegt.

Ergebnisse der BOSPEK-Studie

Die Labor-Untersuchungen der BOSPEK-Studie haben ergeben, dass alle im Juli bei 679 Maitenbethern entnommenen Blut- und Rachenproben negativ auf das Borna-Virus (BoDV-1) getestet wurden, so Böhmer. Keiner der Teilnehmer wies einen direkten Nachweis mit BoDV-1 auf oder trug Antikörper des Virus in sich, erklärte die Epidemiologin. Die Anzahl der Teilnehmer entspreche 41 Prozent der erwachsenen Gemeindebürger.

Dr. Merle Böhmer, stellvertretende Leiterin der Infektionsepidemiologie am LGL

Weiter wurden die Angaben des epidemiologischen Fragebogens ausgewertet, den die Bürger im Rahmen der BOSPEK-Studie ausgefüllt hatten. Hier wurden unter anderem Gesichtspunkte wie Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen und der Aufenthalt in der Natur abgefragt. Auch ob Spitzmäuse im Wohnumfeld vorkommen würden und ob die Probanden direkten Kontakt zu den Tieren gehabt hatten, wurde ermittelt. Hier gaben 38 Prozent der Bürger an, dass sie Spitzmäuse im Wohnumfeld hätten, 20 Prozent der Teilnehmer bestätigten einen direkten Kontakt zu den Nagern. Außerdem wurden im Juli im Gemeindegebiet Maitenbeth 336 Zecken auf das Borna-Virus und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) untersucht. Auch hier fiel das Ergebnis negativ aus, weswegen das Institut eine Übertragung des Borna-Virus durch Zecken für „eher unwahrscheinlich“ hält, erklärte Böhmer bei der Pressekonferenz.

Studie zur Spitzmauspopulation

Viola Haring stellte die Studie zur Spitzmauspopulation vor. Dabei standen folgende Fragestellungen im Fokus: Wie hoch ist der Anteil BoDV-1-positiver Nager? Welche Spitzmausarten gibt es in Maitenbeth? Wo genau sind die Spitzmäuse lokalisiert? Gibt es „Hotspots“ für BoDV-1 in Maitenbeth? Wo sind diese „Hotspots“ gegebenenfalls verortet?

Die Forschung ergab bei 157 untersuchten Tieren (darunter 16 Feld-, eine Garten-, 24 Sumpf-, eine Wasser-, 97 Wald- und 18 Zwergspitzmäuse), „wertvolle Informationen über die Zusammensetzung der Spitzmauspopulation“, so Haring. Von den 16 Feldspitzmäusen seien sechs Tiere positiv auf das Borna-Virus getestet worden. Von den anderen Arten der Spitzmäuse keine, so die Veterinärin.

Viola Haring, Veterinärin und Wissenschaftlerin am FLI.

Dr. Dennis Rubbenstroth stellte die Resultate der genetischen Untersuchungen am BoDV-1 vor. Die FLI-Studie beschäftige sich mit den Unterarten des Virus. Ähnlich wie bei Covid-19 gebe es auch beim Borna-Virus verschiedene Varianten. In Maitenbeth seien zwei unterschiedliche Arten gefunden worden, erläuterte Rubbenstroth. Aus den Ergebnissen lasse sich schließen, dass die beiden verstorbenen Maitenbether sich vermutlich im Gemeindegebiet, aber bei unterschiedlichen Spitzmauspopulationen, infiziert hätten. Daraus schlussfolgerte das Institut, dass es keine Hinweise auf einen „Hotspot“ in Maitenbeth gebe.

Die Grafik zeigt die Untersuchungsergebnisse der BOSPEK-Studie.

Umweltproben

Dr. Böhmer legte Forschungsergebnisse der Umweltproben (Boden) vor. Bei diesen Tests gebe es keine Nachweise auf das Borna-Virus, wobei es „die Suche nach der Nadel im Heuhaufen“ sei, erklärte die Epidemiologin.

Abschließend fasste Böhmer die Resultate der drei Studien zusammen: Das Borna-Virus sei - wie erwartet - in der Feldspitzmauspopulation nachgewiesen worden. Sechs von 16 Feldspitzmäusen wurden positiv auf die Krankheit getestet. Das LGL habe zwei verschiedene Virusvarianten in Maitenbeth entdeckt. Außerdem sei das Borna-Virus weiterhin in der Gemeinde präsent. Es gebe aber vermutlich nicht nur „den einen Hotspot“, wo Infektionen stattfänden, verdeutlichte die Expertin. Circa 40 Prozent der Teilnehmer der BOSPEK-Studie hätten angegeben, dass Spitzmäuse im Wohnumfeld zu finden wären.

Dr. Dennis Rubbenstroth, Leiter des Nationalen Referenzlabors für Borna-Virusinfektionen der Tiere am FLI

Auf Nachfrage des OVB, ob es vergleichbare Daten zur Sichtung von Spitzmäusen gebe, erklärte Böhmer, dass die Studien des LGL und FLI, die in Maitenbeth stattgefunden hätten, bislang einzigartig seien. Die Expertin verdeutlichte weiter, dass keine BoDV-1-spezifischen Antikörper gefunden worden seien, weder in den Blutproben noch im Nasenabstrich der Bürger. Es gebe auch keinen Hinweis darauf, dass die Probanden bislang das Virus gehabt hätten. Es sei „nach wie vor eine seltene Erkrankung“, sagte sie. Maitenbeth sei prädestiniert für weitere Forschungen. Diese seien für die nächsten zwei Jahre geplant, meinten die Experten bei der Pressekonferenz.

Bislang ungeklärt sei der Übertragungsweg, sowohl bei den Nagern untereinander, als auch auf den Menschen, erklärte Böhmer. Hier müssten weitere Forschungen betrieben werden. Rubbenstroth erklärte auf Anfrage des OVB, dass es sehr schwierig sei, herauszufinden, „wie genau das Virus übertragen wird“. Das liege unter anderem auch an der langen Inkubationszeit der Krankheit. „Es sind mehrere Wochen, vielleicht Monate, bis Symptome bei den Infizierten auftreten. Die betroffenen Personen können sich an den Kontakt, beispielsweise mit einer Spitzmaus, schon gar nicht mehr erinnern“, so der Leiter des Nationalen Referenzlabors für Bornavirus-Erkrankungen am FLI. Darüber hinaus könnten die Betroffenen nicht mehr befragt werden.

Weitere Forschungen seien zudem zu Behandlungsmöglichkeiten und Impfungen gegen BoDV-1 nötig. „Es gibt aktuell keine zugelassene Therapie“, erklärte Böhmer. Lediglich „experimentelle Methoden“ würden derzeit bei den Patienten angewendet werden. Diese Behandlungen müssten noch verstärkt von der Forschung betreut werden.

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