Mahnmal gegen Völkermord: Nach Sanierung ist Garser Gedenkstein wieder frei zugänglich

Überreste von Fundamenten: Eine Info-Tafel verweist auf die grausame Geschichte des KZ-Außenlagers. Münch
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Überreste von Fundamenten: Eine Info-Tafel verweist auf die grausame Geschichte des KZ-Außenlagers. Münch
  • vonBruno Münch
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Um die Erinnerung an die jüngere deutsche Geschichte wach zu halten, wurde das Mahnmal, das an das KZ-Außenlager Mittergars erinnert, vom Bauhof Gars von umgebenden Buschwerk befreit und wieder besser zugänglich gemacht.

Gars – Gedenkstätten und Mahnmale gegen Krieg, Vertreibung und Völkermord halten die Erinnerung an die Greueltaten der menschenverachtenden nationalsozialistischen Gewaltherrschaft sowie das politische und moralische Versagen der Deutschenim vergangenen Jahrhundert beständig wach – so auch in unserer Region.

An der Kreisstraße Jettenbach in Richtung Gars Bahnhof steht in der Nähe der Abzweigung zur Waldrandsiedlung eine Stele, die an das Außenlager Mittergars des KZ Dachau erinnert. Von dort erreicht man die mittlerweile von Wald überwucherten Überreste des Lagers. Mitarbeiter des Bauhofs der Gemeinde Gars haben jetzt den umgebenden Bereich der Stele von Buschwerk befreit und besser zugänglich gemacht.

Mahnmal mit symbolträchtiger Geschichte

Das heutige Mahnmal hat eine symbolträchtige Geschichte: Der Stein aus Nagelfluh war Teil eines Brunnens, der in der Nazizeit auf dem Marktplatz Gars als „Brunnen der Bewegung“ stand und auf dem die Inschrift „Alles für das Vaterland“ zu lesen war. Nach dem Krieg wurde der Brunnen entfernt. Die Nagelfluh-Säule ruhte 60 Jahre lang ohne weitere Beachtung im Bauhof der Gemeinde.

2007 verwirklichte Bürgermeister Georg Otter schließlich seine Idee, das Relikt zu einem Gedenkstein für die KZ-Außenstelle Mittergars umarbeiten zu lassen. Der Bildhauer Ernst Lechner aus Ampfing passte den Stein seiner neuen Verwendung an. Dazu wurde er auf den Kopf gestellt, um eine Botschaft zu verkörpern: Fortan sollte er nicht mehr Symbol des Bösen wie früher sein, sondern für das Gute, für Erinnerung und Umkehr stehen.

Platz für eine Bronzeplastik

Und er bietet Platz für eine Bronzeplastik des Ampfinger Bildhauers Karl B. Holzner: Eine Frau mit Kind, das sich in ihren Armen windet und Widerstand leistet. Es ist eine Häftlingsfrau auf dem Weg in die Gaskammer. Während die Mutter wie gelähmt erscheint, sträubt sich das Kind energisch gegen das Kommende. Damit wird der Stein mit NS-Vergangenheit zum Zeugnis einer geschichtlichen Wahrheit und bringt Fakten wieder ins Lot.

Die Erinnerung an das Lager, damals nur wenige hundert Meter von Mittergars entfernt, ist bei wenigen älteren Bewohnern noch lebendig. Die Bevölkerung half den Häftlingen, so gut sie konnte. Heimlich steckte man ihnen, so wird erzählt, bei ihren Märschen zu den Arbeitseinsätzen Lebensmittel zu. Ein Gefangener wurde bis zur Aufhebung des Lagers noch drei Wochen lang in einem Heuboden versteckt – unter Lebensgefahr für die ganze Familie.

Gedenkfeier auf dem Lagergelände

Die Baracken des KZ-Außenlagers Mittergars, das neben Thalham und Zangberg als Unterkommando der KZ-Lagergruppe Mühldorf galt, lagen etwa 100 Meter hinter dem heutigen Gedenkstein an der Straße nach Grafengars, jenseits der Bahnlinie Mühldorf–Rosenheim im Ortsteil Krücklham. Fundamentreste sind auf dem Gelände des Lagers, das sich der Wald in den letzten 75 Jahren wieder zurückgeholt hat, heute noch aufzufinden.

Am Samstag, 17. Oktober, lädt der Verein „Für das Erinnern–KZ-Gedenkstätte Mühldorfer Hart“ zu einer Gedenkfeier am Mahnmal ein. Näheres wird noch bekannt gegeben. Mitveranstalter sind die Bürgermeister von Jettenbach und Gars, Maria Maier (JWG) und Robert Otter (unabhängig) sowie Dekan P. Ulrich Bednara.

Der Gedenkstein für die KZ-Außenstelle Mittergars an der Kreisstraße Jettenbach-Gars-Bahnof.
Die Bronzeplastik des Ampfinger Bildhauers Karl B. Holzner.
„Ihr seid die Zeit seid ihr gut sind die Zeiten gut“ – Augustinus (354-430).

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