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Mädchen sollten Verteidigung können

Selbstverteidigung beginnt mit Selbstbehauptung! Sensei Adnan Akgün (6. Dan) erklärt, wie wichtig Auftreten und Körpersprache sind – auch im Berufsleben. re
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Selbstverteidigung beginnt mit Selbstbehauptung! Sensei Adnan Akgün (6. Dan) erklärt, wie wichtig Auftreten und Körpersprache sind – auch im Berufsleben. re

Waldkraiburg – Adnan Akgün, Inhaber von Asia Sports, hat beim Deutschen Karateverband erfolgreich die Prüfung zum 6.

Dan abgelegt. Somit ist er im Landkreis Mühldorf der erste Trainer mit diesem Meistergrad.

Als Dan-Träger (Schwarzgurtträger) strebt man im Laufe der verschiedenen Meistergrade zur Perfektion. Letzte Stufe ist der 10. Dan, ein Ehrentitel, der sehr selten vergeben wird. Der Weg, Do, bedeutet Charakterbildung und geistige Weiterentwicklung. Die Psychologie der Selbstverteidigung ist wesentlicher Bestandteil der Lebensphilosophie eines Sensei wie Akgün, der seit 42 Jahren Karate macht.

Die Psychologie der Selbstverteidigung vermitteln Sie Ihren Schülern in diversen Kursen. Worauf kommt es dabei an?

Selbstbehauptung ist das Wichtigste. Erst mal geht es nicht um physische Gegebenheiten, sondern darum, wie man auftritt. In einer brenzligen Situation muss man sich der eigenen Grenzen und Möglichkeiten bewusst sein. Selbstbewusster aufzutreten, das kann man trainieren. Durch Mimik und Gestik eine bestimmte Ausstrahlung einüben, um dem Gegner zu zeigen: Ich bin kein Opfer.

Gutes Stichwort. Denken Sie, dass sich Frauen manchmal durch ihre Körpersprache in eine Opferrolle begeben?

Ja, so ist es. Manchmal kommen Väter, melden ihre Töchter zu Kursen an, weil sie sich um deren Sicherheit sorgen. Diese Mädchen laufen oft total verträumt he rum, schauen in die Luft und nicht nach vorne. Und reagieren total verkehrt, wenn sie tatsächlich mal in eine Gefahrensituation kommen. Dadurch ist es so, dass dem Gegner/Täter damit signalisiert wird, „ich bin Beute“.

Was raten Sie solchen Vätern?

Jede Tochter sollte Selbstverteidigung lernen. Aber daneben auch das machen dürfen, was sie will, zum Beispiel Ballett. Die Erziehung der Mädchen spielt eine wichtige Rolle. Man sollte ihnen beibringen, selbstbestimmt aufzutreten. Ich bringe allen Schülern nahe, ruhig aufzutreten, übe in gestellten Stresssituationen mit ihnen.

Was raten Sie Ihren Schülern, wenn sie im Alltag in so eine Situation geraten?

Man sollte vorher schon drauf achten, nicht in so eine Situation zu geraten. Man muss das Schicksal ja nicht herausfordern. Geht nie allein durch den Wald oder eine dunkle Unterführung, nur weil ihr Zeit sparen und den Weg abkürzen wollt. Aber dennoch kann etwas passieren und dann muss man reagieren. Wenn ich durch eine dunkle Gasse muss, gehe ich aufrecht rein, straffe die Schultern, bin wachsam. Kommen mir beispielsweise ein paar Typen entgegen, schaue ich sie mir an, nehme kurz Blickkontakt auf.

Wirkt das nicht provozierend, wenn ich denen in die Augen schaue?

Man soll sie nicht aggressiv anstarren. Oft kann man in ihrem Blick erkennen, ob die gleich was vorhaben. Man spürt es.

Was kann ich noch tun? Ich denke etwa an einen Schlüssel oder so was.

Bevor ich da reingehe, schauen, was ich bei mir hab. Etwa einen größeren Schlüssel, den man fest in der Hand hält, die spitze lange Seite zwischen Zeige- und Mittelfinger rausschauen lässt und die Hand zur Faust ballt. Jedoch nicht sichtbar. Am besten verborgen in der Manteltasche bereit halten.

In der rechten Hand, damit ich richtig treffen kann, wenn es nötig sein sollte?

Wenn Sie Rechtshänder sind, nehmen Sie den Schlüssel in die linke, die schwächere Hand. Der Schlüssel stärkt die schwächere Hand. Die starke Hand brauchen Sie vielleicht noch.

Das ist ein guter Tipp. Beim Karate wird ja beidseitig trainiert.

Ja, beide Seiten des Körpers werden gleichermaßen gestärkt. Doch die Psyche ist das Ausschlaggebende. Allein körperliches Training reicht nicht. Wir trainieren hier Angriffssituationen und Provokationen in diversen anderen Kursen, um herauszufinden, ob der potenzielle Gegner sich ablenken lässt und man selbst ruhig bleibt. Als Sensei sage ich, nicht der Gegner macht dich kaputt, sondern die Nervosität, der Stress im Kopf.

Kampfsport hat also nicht nur den Effekt, dass man sich körperlich verteidigen kann. Man lernt so viel mehr...

So ist es. Was man hier lernt, kann man gut im Berufsleben brauchen, auf dem Weg in eine leitende Position, auch als Frau. Man lernt, sich zu behaupten, diszipliniert und selbstbewusst zu sein und auch mit Niederlagen umzugehen. Oder die Schwächen des Gegners zu erkennen. Also alles, was Manager brauchen können. Manche Väter sagen mir, dass ich ihre Kinder gewissermaßen erziehe (lacht). Mir geht es eher da rum, ihnen beizubringen, aufrecht zu gehen und sich nicht einschüchtern zu lassen. Daneben geht es natürlich auch um die kognitiven und motorischen Fähigkeiten und Respekt. Ich erinnere mich gut an ein kleines Mädchen, das sich eher versteckte, als es in meiner Schule anfing. Dieses „kleine Mäuschen“ von damals ist Jessica Vlai, heute im Nationalkader der Karateka.

Sie bringen also Knirpse auf einen guten Weg.

Bei den Kindern geht es nicht um Selbstverteidigung. Ja, wenn die mit einem Tritt richtig treffen, tut das weh. Aber sie könnten sich nicht gegen einen Angreifer selbst verteidigen. Es geht darum, sie auf den Weg, Do, zu bringen. Das ist ein philosophischer Ansatz. Sie lernen sich darauf vorzubereiten, wehrhaft zu sein, gelassen – und sich irgendwann verteidigen zu können. Das braucht Zeit.

Was, wenn ich nicht so viel Zeit und Geduld habe, mich wehrhaft zu machen?

Wir bieten auch Krav Maga an. Da lernt man schnell leichte aber effektive Techniken, um sich zu verteidigen. Und richtig zu reagieren, wenn man unter Stress steht. Oder wie man Gefahren erkennt und einschätzt. Oder wie Deeskalation funktioniert. Bedroht mich jemand mit dem Messer, heißt es Rückzug, die Situation beruhigen. Nicht in einen Kampf gehen. Ich bringe auch bei, wie man Alltagsgegenstände zur Verteidigung nutzen kann. Und biete Workouts an, die das Beste aus allen Kampfsportarten vereinen. Etwa Blocks aus dem Karate, die Hebelansätze aus den Ju-Jutsu oder beispielsweise Schlagtechniken aus dem Boxen.

Als Träger des 6. Dan sind Sie topfit. Wie alt sind Sie eigentlich?

Meine Schüler halten mich jung – ich bin 57. Die Jugendlichen geben mir einen Touch von sich mit. Und für mich ist es schön, zu sehen, wie sie sich entwickeln – und was später aus ihnen wird.

Ist Karate etwas für jedermann?

Unbedingt. Das kann man von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter machen. Auch für Menschen mit Behinderungen ist dieser Sport sehr gut geeignet. Das Verletzungsrisiko ist gering, der Gesundheitsfaktor steht im Vordergrund.

Sind Sie ein Typ, der sich selbst kasteit?

Das wär mir zu übertrieben und nicht mein Ding. Ich rauche nicht, trinke ab und zu a Glaserl Pils, aber hau mich nicht weg. Ich mache Sport, pflege meinen Körper. Man hat nur ein Leben, das muss man pflegen, genau wie seinen Körper. Und dazu muss man sich Zeit nehmen – sonst wird man es später bereuen.

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