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Präsenzunterricht nicht gefährden

Luftreiniger: Wasserburger Gymnasium hätte sie gerne – doch so einfach ist es nicht

Ein Baustein von vielen für mehr Schutz: Luftreinigungsgeräte für die Schulklassen.
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Ein Baustein von vielen für mehr Schutz: Luftreinigungsgeräte für die Schulklassen.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Luftreiniger in alle Klassenzimmer? Viele Schulen im Wasserburger Land setzen auf die Geräte im Kampf gegen die Pandemie. Doch es gibt viele Hürden. Und die Zeit drängt.

Wasserburg/Obing – Fünf von sechs Klassenzimmern in Bayern haben fast eineinhalb Jahre nach Ausbruch der Pandemie noch immer keinen Luftreiniger. Diese Nachricht aus dem Kultusministerium ließ vor wenigen Tagen aufhorchen. Muss jetzt schnell nachgerüstet werden, damit zum neuen Schuljahr im Herbst der Präsenzunterricht nicht wieder gefährdet ist?

Konrad Doser, Kämmerer der Stadt Wasserburg, bestätigt auf Anfrage, dass sich auch Wasserburg bisher mit der Anschaffung von Luftreinigungsgeräten zurückgehalten hat. „Wir waren skeptisch“, sagt er. Sind die Geräte auch wirksam? Können sie eingesetzt werden, ohne mit ihrem Betriebslärm den Unterricht zu stören? Bekommen nicht die Kinder und Jugendlichen, die nah am Gerät sitzen, den Luftsog ab und damit die volle Viruslast? Fragen über Fragen, die noch nicht geklärt waren, so Doser.

Umweltbundesamt warnt vor zu hohen Erwartungen

Das Umweltbundesamt (UBA) habe sogar davor gewarnt, zu viel von den Geräten zu erwarten. „Ob die Minderungen ausreichen, eine Infektionsgefahr in dicht belegten Klassenräumen abzuwenden, ist nach jetzigem Wissensstand unsicher. Da die Geräte weder CO2 noch Wasserdampf aus der Raumluft entfernen, empfiehlt das UBA weiter auch in der kalten Jahreszeit die Fensterlüftung als prioritäre Maßnahme“, schreibt das Ministerium nach wie vor auf seiner Homepage.

Da das Querlüften in den beiden Grundschulen und an der Mittelschule möglich ist, verzichtete die Stadt als Sachaufwandträgerin – auch aufgrund der Empfehlung des Umweltbundesamts – so wie viele Kommunen vorerst auf Anschaffungen der Geräte. „Jetzt scheint sich die öffentliche Meinung jedoch zu ändern“, stellt Doser fest. Auch die Wissenschaft sei in puncto Wirksamkeit anscheinend ein Stück weiter, so Doser. Nun stelle sich deshalb die Frage, ob die Stadt sich doch noch für Anschaffungen entscheide.

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Die Zeit drängt, denn das Schuljahr ist fast um. Oberstes Ziel im Herbst: keine Gefährdung mehr für den Präsenzunterricht. Denn in den Klassen sitzen viele Kinder unter zwölf Jahren, die noch nicht geimpft sein werden.

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Doser ist zwar der Überzeugung, am besten seien fest installierte Lüftungsanlagen in den Schulen. Eine solche hat die Mittelschule bei ihrer Sanierung bekommen. Doch Lüftungsanlagen können auf die Schnelle nicht eingebaut werden. Deshalb wäre die mobilen Geräte vorerst die erste Wahl. Eine Nachrüstung könnte kommen – und auch Sinn machen. „Die Zeit hat für uns gearbeitet. Mittlerweile sind Erfahrungen mit den Geräten vorhanden“, so Doser.

LGW stellte bisher zwei Anträge – stets ohne Erfolg

Bereits Ende des vergangenen Jahres hat das Luitpold-Gymnasium Wasserburg (LGW) zum ersten Mal auf die Anschaffung von Luftreinigungsgeräten gedrängt – in einem Antrag von Elternbeirat und Schulleitung an den Sachaufwandsträger, den Landkreis Rosenheim, berichtet Schulleiterin Verena Grillhösl.

Damals waren die Fördermöglichkeiten noch begrenzt – staatliche Zuschüsse für Luftreiniger gab es nur, wenn ein Raum nicht durchs Fenster gelüftet werden konnte. Als das Kultusministerium diese Förderbedingung gestrichen hatte, wurde das Gymnasium wieder vorstellig beim Landratsamt. Und bekam erneut eine Absage.

23 Schulen im Landkreis auszustatten

Die Begründung war laut Pressestelle des Landratsamtes, dass die zweite „halbherzige“ Förderrunde lediglich eine 50-prozentige staatliche Bezuschussung vorsehe. Aus Gründen der Gleichberechtigung könne das Landratsamt nicht nur das Wasserburger Gymnasium ausstatten, sondern müsse alle 23 Schulen einbeziehen, verweist die Behörde auf die finanziellen Auswirkungen für den Kreishaushalt.

Es gebe gegenwärtig keine fundierten wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass der Einsatz von Luftreinigungsanlage das im Rahmen-Hygieneplan für Schulen vorgeschriebenen Lüften ersetzen könnten, hieß es im Schreiben an den Elternbeirat im Februar.

Ziel: Viele kleine Bausteine für die Sicherheit

Dem LGW-Elternbeiratsvorsitzenden Markus Schwalb ist die Verärgerung über das Nein noch immer anzumerken. Auch eine Online-Konferenz mit dem Landratsamt habe keine Wende gebracht – ebenso wenig ein Schreiben an das Kultusministerium.

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Die Argumentation, die Geräte würden keine hundertprozentige Sicherheit bieten, zählen für die Eltern nicht, sagt Schwalb. Es gehe darum, mit möglichst vielen kleinen Bausteinen – Aha-Regeln, testen, CO2-Warnmelder, Luftreinigungsgeräte – die Sicherheit zu erhöhen. Die Elternschaft wäre auch bereit gewesen, auf Selbstbaumodelle des Max-Planck-Instituts (Mainzer Modell) zurückzugreifen, um die Aerosollast zu reduzieren. Doch auch dies sei vom Landratsamt aus Haftungs- und Brandschutzgründen abgelehnt worden.

Das alles hat uns sehr getroffen“, sagt Schwalb. „Wir sind in Wasserburg nicht sonderlich glücklich mit der Haltung unseres Sachaufwandsträgers“. Jetzt komme auf einmal politischer Schwung in die Thematik. Der Ministerpräsident selber mache Druck. „Doch was nützt es, wenn die Regierung der Luftreinigungsgeräte will, der Landkreis es aber ablehnt, sie zu zahlen?“.

Dringende Bitte an den Landkreis

Der Elternbeirat am LGW werde alles tun, damit im Herbst trotz Delta-Virusvariante der Präsenzunterricht stattfinden könne. Schulleiterin Grillhösl ergänzt: „Ich bitte dringend unseren Sachaufwandsträger, so schnell wie möglich die Luftreinigungsgeräte zur Verfügung zu stellen.“ Ein Antrag für 52 Räume des Gymnasiums Wasserburg liege vor. „Wir müssen uns beeilen“, sagt Grillhösl.

Nicht bis zum Start des kommenden Schuljahrs

Auf Nachfrage der Wasserburger Zeitung teilt der Pressesprecher des Landratsamtes, Michael Fischer, mit, der Landkreis werde zunächst die Rahmenbedingungen abwarten, die vom Kultusministerium formuliert werden müssten. „Wir erwarten sie spätestens im Laufe der kommenden Woche. Grundsätzlich ist hier zu beachten, dass der Landkreis bei einem möglichen Ankauf solcher Geräte das Vergaberecht beachten muss. Aufgrund der Auftragssumme wäre eine europaweite Ausschreibung notwendig. Es ist daher völlig ausgeschlossen, dass Luftreinigungsanlagen zu Beginn des kommenden Schuljahres zur Verfügung stehen.“

Das Modell Obing: 111 Geräte angeschafft

Luftreiniger anschaffen – ja oder nein? Die Gemeinde Obing hat die Entscheidung bereits in diesem Frühjahr gefällt. Thomas Duxner, Rektor der Grund- und Mittelschule Obing, spricht von guten Erfahrungen mit den Geräten. Vor der Anschaffung habe die Schule sie umfangreich getestet. Im Fokus: die Lautstärke im Betrieb.

Schließlich sei nach mehreren Probedurchläufen von drei bis vier Modellen die Entscheidung gefallen. In jedem Klassenzimmer ständen etwa drei Geräte – außerdem im Lehrerzimmer und im Werkraum. Sie würden sich automatisch an- und abstellen und seien in puncto Betriebsgeräuschen „sehr erträglich“, so Duxner.

Eltern sammelten sogar Spenden

Er legt jedoch Wert auf die Feststellung, dass es sich bei den Geräten um eine Ergänzung der Corona-Schutzmaßnahmen handelt. Ob die Geräte grundsätzlich eine Maskenbefreiung zur Folge haben könnten, das könne und dürfe nicht die Schule entscheiden, „diese Frage müssen die Experten aus dem Kultusministerium und der Wissenschaft beantworten“.

Grundsätzlich findet der Rektor: „Wir können nicht genug tun, um diese Pandemie zu bekämpfen. Wir wollen in Obing alles unternehmen, was technisch möglich ist.“ Die Gemeinde Obing investierte nach eigenen Angaben 29.000 Euro für 111 Geräte (drei bis vier je Raum) und erhielt eine Förderung von gut 50 Prozent. Der rührige Elternbeirat sammelte 13.000 Euro Spenden, die für die Wartung eingesetzt werden. Denn es gibt Folgekosten: Die Filter müssen jährlich ausgetauscht werden.

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