Zu Besuch an der Ladentheke

Russische Lebensmittel: Ludmilla und Wladimir Gutjahr betreiben Spezialitätenladen in Wasserburg

Ludmilla Gutjahr ist stolz auf den russischen Laden, den sie gemeinsam mit Ehemann Wladimir führt.
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Ludmilla Gutjahr ist stolz auf den russischen Laden, den sie gemeinsam mit Ehemann Wladimir führt.
  • Winfried Weithofer
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Wasserburg ist multikulturell – auch beim Einkaufen. Es gibt mehrere Läden mit internationalen Lebensmitteln. Auch russische Spezialitäten werden verkauft. Das freut nicht nur die Spätaussiedler. Ein Besuch an der Ladentheke von Ludmilla und Wladimir Gutjahr.

Wasserburg – Wenn der Deutsche an die russische Küche denkt, dann fällt ihm vielleicht Borschtsch ein, der Eintopf-Klassiker; oder Soljanka, die süß-säuerliche Suppe, die auch in der DDR-Gastronomie gern serviert wurde. Dabei bietet die russische Küche eine Vielzahl an Spezialitäten. Die Lebensmittel dafür gibt es seit 2007 in erstaunlicher Fülle in einem kleinen Laden in der Wasserburger Pfarrer-Neumair-Straße.

Kaufleute stammen aus Sibirien

In kyrillischen Buchstaben steht „April“, über dem Eingang, darunter, auf Deutsch, „Russische Spezialitäten“. Der Name April geht auf den Geschäftsgründer zurück.

Seit 2010 führt Ludmilla Gutjahr (59) den kleinen Supermarkt mit ihrem Mann Wladimir (57). Die beiden, früher in Nowosibirsk (Sibirien) zu Hause, sind 1996 nach Deutschland ausgereist, sie haben die deutsche Staatsangehörigkeit.

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Wladimir Gutjahr stammt aus einer Aussiedlerfamilie, Ludmilla ist Russin. Ihren russischen Pass hat sie noch, „aber den hab‘ ich nicht mehr verlängert“, sagt sie mit einem Lächeln.

Sogar russisches Shampoo gibt es im Wasserburger Laden

In den Wohnblöcken an der Pfarrer-Neumair-Straße lebt eine Reihe von Osteuropäern, allein 13 Familien seien Aussiedler aus Russland, sagt die Ladenbesitzerin. In ganz Wasserburg sind nach ihrer Schätzung rund 1000 Aussiedler zu Hause. Auf Anfrage teilte die Stadtverwaltung mit, dass im Melderegister frühere Staatsangehörige nicht erfasst würden. Insofern sei es nicht feststellbar, wie viele Wasserburger als Aussiedler aus früheren Sowjetrepubliken stammen. Doch weil es in Wasserburg zeitweise ein Übergangswohnheim gegeben habe, hätten sicherlich vergleichsweise viele ehemalige Spätaussiedler hier in den späten 1990er-Jahren und nach der Jahrtausendwende ihren Lebensmittelpunkt begründet.

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Bereitwillig zeigt Ludmilla Gutjahr dem Besucher, was es bei ihr aus russischer Produktion alles zu kaufen gibt. Sie deutet auf Fischkonserven, auf diverse Fleisch- und Wurstsorten, auf Marmeladengläser, auf Gewürze wie getrockneter Knoblauch und Kurkuma, auf Pralinen und Kekse. Und natürlich führt sie auch russischen Wodka und Sekt.

Wer russisches Shampoo braucht, wird im „April“ ebenfalls fündig. Aus Usbekistan kommt getrocknetes Mischobst und Paprikapulver, aus Kasachstan ist die Schokolade her, aus Georgien der Wein. Wladimir Gutjahr grillt regelmäßig samstags Schaschlik auf der Straße, egal wie kalt es ist.

Die Eier kommen aus Rechtmehring

Frischware beziehen die Gutjahrs aus Deutschland, Karpfen zum Beispiel wird aus Brühl im Schwarzwald angeliefert, die Eier kommen aus Rechtmehring.

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Was wird besonders gern gekauft? „Alles“, antwortet die 59-Jährige. Die Kundschaft komme nicht nur aus Wasserburg, sondern auch von weiter her – aus Ebersberg, Bad Endorf, Prien, sogar aus München. „Die Kunden schätzen die andere Qualität, den anderen Geschmack“, sagt Ludmilla Gutjahr stolz. Nicht selten habe sie 100 Kunden pro Tag. Zum langjährigen Stamm gehört auch Alexander Belger (70). Der Russlanddeutsche kauft seit vielen Jahren bei ihr ein. Heute hat er Käse und Speck in der Tüte. „Immer gut“, sagt er.

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