Verständlich sprechen mit Corona-Schutzmaske: Logopädin aus Edling gibt Tipps

Das freundliche Lächeln des Mitarbeiters müssen sich die Kunden momentan denken, denn hinter der Maske ist es derzeit nicht zu erkennen. dpa
+
Das freundliche Lächeln des Mitarbeiters müssen sich die Kunden momentan denken, denn hinter der Maske ist es derzeit nicht zu erkennen. dpa
  • vonPetra Maier
    schließen

Edling – Seit Montag gilt in ganz Bayern in Geschäften und in öffentlichen Verkehrsmitteln die Maskenpflicht. Die Mund-Nase-Masken sind oft bunt und lustig anzusehen, bereiten aber manchem Träger vor allem beim Sprechen Schwierigkeiten. Die staatlich geprüfte Logopädin Christa Traunsteiner aus Edling verrät Tipps und Tricks im Umgang mit den Masken.

Worin liegt der Unterschied, ob ich mit Maske spreche oder ohne?

Christa Traunsteiner Es fehlt beim Sprechen mit Mundschutz ein Großteil der Mimik. Viele zusätzliche Informationen, die durch die Mimik nonverbal übermittelt werden, gehen dadurch verloren. Außerdem wirkt der Mundschutz dämpfend, das heißt, man wird nicht mehr so gut verstanden, klingt undeutlich. Zusätzlich hört man sich selbst atmen und die eigene Stimme klingt anders, was gewöhnungsbedürftig ist.

Logopädin Christa Traunsteiner spricht über die Kommunikation mit Mundschutz.

Wie kann ich deutlich artikulieren?

Traunsteiner: Es gibt gute Übungen vorab, um deutlicher zu sprechen, zum Beispiel Grimassen vor dem Spiegel schneiden, mit einem Korken zwischen den Zähnen sprechen. Zudem braucht es mehr Konzentration und Achtsamkeit beim Sprechen. Sinnvoll ist es, langsamer und auch etwas lauter zu sprechen. Vor allem ist jetzt der Blickkontakt wichtig.

Lesen Sie auch: Der Corona-Ticker – Aktuelle Entwicklungen zu Covid-19 in der Region, Bayern und der Welt

Mancher Maskenträger hat das Gefühl, dass er schneller ermüdet, wenn er die Maske trägt, kann das sein?

Traunsteiner: Ja natürlich, mit der Maske spricht man immer gegen einen Widerstand, eine ungewohnte Barriere. Das bewusste und lautere Sprechen strengt an, man konzentriert sich mehr und das macht müde. Vor allem bei älteren Menschen setzt die Ermüdung aufgrund der Sprechanstrengung schneller ein. Manche Menschen haben auch das Gefühl, schlecht Luft zu bekommen.

Muss man anders atmen, wenn man eine Maske trägt?

Traunsteiner: Sinnvoll für ein entspanntes Sprechen ist generell die Bauchatmung. Im meist stressigen Alltag atmen jedoch viele Menschen flach. Ich empfehle Entspannungstechniken wie etwa autogenes Training, Muskelentspannung nach Jacobson, Meditation, oder einfach Spaziergänge im Wald. Für die Schnelle hat sich in der Praxis diese Übung bewährt: Lange ausatmen, bis man das Gefühl hat, es ist keine Luft mehr in der Lunge. Darauf erfolgt automatisch ein tiefes Einatmen. Diese Übung täglich einige Male (natürlich ohne Maske) bring viel. In der Situation mit der Maske empfiehlt sich ein bewusst längeres Einatmen, automatisch spricht man lauter und deutlicher.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Wie erklärt man Kindern den Umgang mit der Maske. Und haben Kinder spezielle Probleme beim Tragen der Maske?

Traunsteiner: Die Maskenpflicht beginnt ja für Kinder ab sechs Jahren. Sechsjährige und ältere Kinder verstehen in der Regel, worum es geht, die Eltern erklären ihnen die aktuelle Situation um das Virus. Meiner Erfahrung nach meistern die Kinder die Einschränkungen sehr gut, vor allem auch die Hygienemaßnahmen. Hier möchte ich den Kindern ein großes Lob aussprechen! Ich empfehle für Kinder Baumwollmasken oder Schals, die sind atmungsaktiver und gut zu reinigen. Außerdem sollten Kinder die Masken so kurz wie möglich tragen, was im Rahmen der derzeitigen Ausgangsbeschränkung relativ leicht zu handhaben ist.

Was ist mit Schwerhörigen oder Gehörlosen, die ja oft von den Lippen ihres Gesprächspartners ablesen?

Traunsteiner: Für Gehörlose, Schwerhörige, generell schlechter Hörende oder sprachlich eingeschränkte Menschen bringt die Mundschutzpflicht große Schwierigkeiten mit sich, da das Mundbild beim Sprechen komplett fehlt. Hier bitte ich darum, Verständnis und Geduld allen Menschen entgegenzubringen. Durch das Tragen des Mundschutzes ist die Kommunikation erschwert, Missverständnisse können leicht durch die eingeschränkte Mimik entstehen. Dies betrifft uns alle, niemand weiß, welche Beeinträchtigungen der Mensch gegenüber hat.

Haben Sie noch weitere Tipps für den Umgang mit der Maske?

Traunsteiner: Mit dem Tragen der Masken gilt es trotzdem, die Abstände und Hygieneregeln einzuhalten. Auch die Masken müssen regelmäßig gewechselt oder gewaschen werden.

Die Mundschutzpflicht fordert von uns allen gesteigerte Aufmerksamkeit, Geduld, Achtsamkeit und Rücksichtnahme im Umgang miteinander. Mahatma Gandhi hat gesagt: „Die Zukunft hängt davon ab, was wir heute tun.“

Mehr zum Thema

Kommentare