Neue Corona-Maßnahmen

Wasserburger Fitness-Studio-Chef fürchtet dass der Lockdown „Schlag gegen die Gesundheit“ wird

„Fit und Fun“-Betreiber Hans Enzinger und Reha-Übungsleiterin Ninette Gütter in einem Trainingsraum, der zur Zeit verwaist ist.
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„Fit und Fun“-Betreiber Hans Enzinger und Reha-Übungsleiterin Ninette Gütter in einem Trainingsraum, der zur Zeit verwaist ist.
  • Winfried Weithofer
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Und wieder sind die Lichter aus im „Fit und Fun“ in Wasserburg. Wie schon im Frühjahr ist der Fitnessbetrieb von Hans Enzinger, der auch eine Filiale in Dorfen hat, coronabedingt zu. Der Unternehmer ist von den Lockdowns mehrfach betroffen. Denn auch seine Discothek, das „Universum“ darf nicht aufsperren.

Wasserburg – In der vergangenen Woche hatte die Staatsregierung die Schließung aller Indoor-Sportstätten verfügt – Hintergrund war die Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs, der unter Verweis auf das Gleichheitsprinzip die Schließung von Fitnessstudios aufgehoben hatte. Die Reaktion der Politik folgte prompt in Form einer Verordnungsänderung.

Online-Kurse keine Lösung

„Momentan geht gar nichts“, sagt der 66-Jährige. „Wir hängen total im luftleeren Raum.“ Zu Enzingers Anlage gleich neben dem Badria gehören unter anderem Squash- und Badminton-Plätze, Gymnastik- und Krafträume, ein Wellnessbereich sowie ein Tennisplatz im Freien. Nicht einmal mehr ärztlich verordneten Reha-Sport will und darf Enzinger wegen der nach seiner Ansicht unklaren Rechtslage anbieten.

Online-Kurse sind keine Lösung

„Wir sind sehr vorsichtig, weil hohe Strafen drohen. Wir sind am Überlegen. Was ist, wenn was passiert?“ Die Durchführung sei nicht so einfach, die Patienten müssten bei den Übungen korrigiert und beispielsweise an der Schulter angefasst werden. Deshalb sieht er auch keinen Ausweg durch Online-Kurse. Zudem sind viele Kursteilnehmer im höheren Alter, gehören also zur Risikogruppe. Enzinger hat jetzt mit zahlreichen frustrierten Kunden zu tun.

„Viele Leute haben bei mir angerufen, einige sind bei mir vor der Tür gestanden, die wissen wollten, wie es weitergeht.“ So habe ihn zum Beispiel ein 70-Jähriger angefleht, zum Fitness-Training kommen zu dürfen, weil er es brauche. „Der Mann hat ein orthopädisches Problem, und nur bei uns gibt dafür die spezielle Beinpresse“, so Hans Enzinger.

Finanzielle Sorgen wachsen

Der „Fit und Fun“-Inhaber berichtet von zahlreichen anderen Besuchern, die auf seine Geräte angewiesen seien und selbstständig trainieren wollten, um die Muskeln oder Herz und Kreislauf zu stärken. Enzinger befürchtet nun, dass manche Patienten ohne das Training gesundheitlichen Schaden erleiden. „Schon nach einer Woche baut die Muskulatur dramatisch ab“, sagt der Unternehmer. Ein Schlag gegen die Gesundheit. Bei seiner Warnung sieht er sich durch Erkenntnisse der Wissenschaft bestätigt.

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In seinen Unterlagen befindet sich ein Schreiben des Gesundheitswissenschaftlers Professor Arne Morsch, der die Bedeutung von körperlicher Aktivität betont und dazu aufruft, den Mitgliedern von Fitnesseinrichtungen möglichst schnell eine Rückkehr zu ihrem normalen Gesundheitstraining zu ermöglichen.

Immer mehr Mitglieder kündigen

Enzinger beklagt zudem, dass Fitnessstudios im Gegensatz zur Gastronomie und Kultur von der Politik nicht beachtet würden. „Das geht doch gegen die Volksgesundheit.“ Zudem wachsen seine finanziellen Sorgen, weil Neuaufnahmen ausbleiben und immer mehr Mitglieder kündigen. Und von der Politik gebe es bis jetzt noch keine verlässliche Zusage für eine Unterstützung.

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Enzinger lässt freilich offen, ob, und wenn ja wie er gegen die Schließung seiner Anlage vorgehen will. Mit dem Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner (CSU) steht er – wie schon im Frühjahr – in Kontakt, doch der, so lässt Enzinger durchblicken, kann ihm gegenwärtig nicht helfen.

Enzinger mehrfach betroffen von Lockdowns

Unternehmer Hans Enzinger ist mehrfach betroffen von den Lockdowns. Erst vor gut einem Jahr hat er seine Wasserburger Discothek „Universum“ nach einer Brandschutzertüchtigung, die sich insgesamt vier Jahre hinzog, wieder als „Nachtarena“ eröffnet. Rund 200 000 Euro hatte er eigenen Angaben zufolge investiert (wir berichteten) und der Laden musste zehn Abnahmen durch die Behörden überstehen, um wieder aufsperren zu dürfen. Seit Mitte März ist es dunkel auf der Tanzfläche, Nachtclub-Betreiber haben Corona-Berufsverbot.

Dass nun auch Tennisplatz und Fitness-Studio erneut schließen mussten, bringt ihn in eine schwierige Lage. „Finanziell hoffe ich, dass das, was Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier bekannt gegeben haben, auch durch Gesetze und Verordnungen erfüllt wird. Und dass das Geld auch wirklich ankommt. Wir wollen unsere Mitglieder für die Schließung entschädigen. Nervlich ist das Ganze schwierig für mich, aber ich bin ein optimistischer Mensch. Die Hoffnung stirbt zum Schluss.“

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