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Resümee der Theaterveranstaltung im Schlosshof

Letzter Vorhang für Karl Valentin in Haag: Wurde die Kultur aus dem Schlaf geweckt?

Der Haager Schlosshof hat als Freilichtspielort seine Anhänger gefunden – trotz des kühlen Wetters. „Der Grundstein für weitere Kultur ist gelegt“.
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Der Haager Schlosshof hat als Freilichtspielort seine Anhänger gefunden – trotz des kühlen Wetters. „Der Grundstein für weitere Kultur ist gelegt“.
  • VonLudwig Meindl
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Der letzte Vorhang für die „Kultur im Schlosshof 2021“ ist gefallen. Für die Akteure gab es viel Lob. Die Organisatoren garantierten ideale Rahmenbedingungen. Trotzdem blieben die Besucherzahlen überschaubar.

Haag – Vor allem am ersten Abend seien die Besucher „noch etwas zurückhaltend“ gewesen, resümiert Bürgermeisterin Sissi Schätz. Sie vermutet, weil es zu kühl war und auch „zu neu, dass im Schlosshof wieder was los ist“. Viele hätten ihr mitgeteilt, dass sie froh seien, „dass wieder Veranstaltungen sein dürfen“.

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Freilichtaufführungen bergen jedoch wegen der Witterung überhaupt ein Risiko. Organisatorin Christina Wandinger von der Gemeinde hatte bei den zwei Musik- und sechs Theaterveranstaltungen wetterbedingt verschieben müssen. Sie war froh, dass das Programm am vergangenen Wochenende bei Sonnenschein stattfand.

Schauspieler Hansi Anzenberger hatte als Karl Valentin-Darsteller Heimspiel: „Für mich war es wirklich ein schönes Gefühl, vor so vielen bekannten Gesichtern spielen zu dürfen.“ Den Leuten habe es sehr gut gefallen: „Auf jeden Fall wurde sehr viel gelacht.“ Der Bühnenprofi lobte das Konzept und das Flair des Schlossturms. Er ist überzeugt, Kultur im Schlosshof lohne sich für die Zukunft. Momentan seien die Leute noch durch „dauernd wechselnde Regeln der Regierung eher verwirrt“.

Theater und Musik bei Sonnenschein genießen

Auch die Zuschauer sparten nicht mit Lob. Albert Lipp war vom „Austropopp“ begeistert: „Du bist so richtig in die musikalische Reise entführt worden. Da gab es alte Sachen, die man lange schon nicht mehr gehört hat. Es ist traurig, dass so wenig Besucher da waren.“ Allein das Schlossturmambiente sei es wert, dass man hingehe.

Eva Rehbein lobte die Organisation: „Vom Kartenverkauf bis zum Einlass war alles professionell. Ich bin glücklich, dass der Schlosshof so perfekt bespielt wurde.“ Bei der „fantastischen Werbung“ sei allerdings unvorstellbar, „dass uns die Leute nicht die Türen einrennen“.

Haag aktiv fordert: Meht ortsansässige Akteure engagieren

Magdalena Sax, mit sieben Jahren die jüngste Zuschauerin, strahlte: „Am besten hat mir der ‚Firmling‘ gefallen, da hab ich so viel lachen müssen.“ Vergnügt gaben sich auch Roland Maurer und Stefan Seibert: „Es gibt keine bessere Sonntagnachmittagsbeschäftigung als Theater bei Sonnenschein und dann Biergarten.“ Horst Berchtold freute sich, „dass der Schlosshof für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird“. Ein vielfältiges Angebot für Jung und Alt bringe Leben in die Gemeinde, das bisher fehle.

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„Haag aktiv“-Chef Thomas Sax gefiel das Valentin-Theater. Der Grundstein für weitere Kultur sei gelegt. Die könnte aber auch mit ortsansässigen Akteuren besetzt werden. Der Trend sei derzeit allerdings, dass man für teures Geld Kultur von auswärts einkaufe, obwohl Haag selber Gutes zu bieten habe: „Warum nicht auch ein Konzert mit den Panzerknackern oder Stone Age? ‚Haag aktiv‘ würde das mit Werbung unterstützen.“

Haags frühere kulturelle Versuche

Die Kapellen Kierner und Reiter gaben im 20. Jahrhundert den Takt vor. Haager Tanzbands füllten Turnhalle und Café Keller. In den 50er Jahren hatten die Haager ihre Theatersäle, vor allem von „Kolping“ aufgeführt, voll. Die Älteren schwärmen noch vom „Jedermann“ auf der Schlossturmtreppe und dem „Holledauer Fidel“ in der Turnhalle am Marktberg. Später hatte Kulturchef Erwin Kohl das Theater wieder ins Leben gerufen und sich auch selbst auf die Bühne gewagt. Den mutigsten Ansatz machte Karl Ziegler mit seinem Vorschlag, Klassisches wie den „Zerbrochenen Krug“ von Kleist aufzuführen. Die Haager rümpften die Nase. Man inszenierte Bauerntheater und die Besucherzahlen blieben bescheiden.

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Wera Schlegel brachte als beherzte Regisseurin auch mehr Niveau und Bürgertheater auf die Bretter, konnte jedoch mit Aktionen wie „Ladys night“ nur wenige emanzipierte Fans erreichen. Im Rahmen blieben die Besucherzahlen auch unter professioneller Regie von Gabi Preuß. Die „Haager Bühne“ ließ nun schon seit Längerem nichts mehr von sich hören. Der Prinz für die im Dornröschenschlaf schlummernde Haager Kultur lässt wohl noch auf sich warten.

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