Zum letzten Mal im Wasserburger Ratsstuhl: Ewiger Co-Pilot Otto Zwiefelhofer tritt ab

Auch so kennen ihn die Wasserburger:Otto Zwiefelhofer am Rednerpult, an dem er 24 Jahre lang ebenfalls stets eine gute Figur gemacht hat. Archiv
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Auch so kennen ihn die Wasserburger:Otto Zwiefelhofer am Rednerpult, an dem er 24 Jahre lang ebenfalls stets eine gute Figur gemacht hat. Archiv
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Vier Perioden lang hat er für die CSU im Wasserburger Kommunalparlament gesessen – immer in Doppelfunktion: als Stadtrat und Zweiter oder Dritter Bürgermeister. Nun nimmt Otto Zwiefelhofer (75) Abschied in der letzten Sitzung des alten Stadtrates. „Es waren 24 schöne Jahre“, sagt er.

Wasserburg – Besonnen, ausgleichend, ruhig: So kennen ihn die Wasserburger. Sie schätzen Zwiefelhofer als ebenso bürgernahen wie geselligen und fachkundigen Vertreter von zwei Rathauschefs: von Dr. Martin Geiger (Bürgermeister von 1972 bis 2002) und Michael Kölbl, wiedergewählt für eine vierte Amtsperiode.

Start als Stimmenkönig

„Ich bin ein überzeugter CSU-ler mit einer roten Ader“, sagt Zwiefelhofer von sich, doch Parteipolitik stand nie im Fokus seiner Arbeit. Sie begann vor über 30 Jahren in Gars. Nach dem Umzug nach Wasserburg überredete ihn Parteifreund Hans Köck, für den Stadtrat zu kandidieren. Zwiefelhofer zögerte, denn als Personalratsvorsitzender bei der Sparkasse war er beruflich intensiv eingespannt, als Vater von drei Kindern auch privat gefordert. Doch er ließ sich überreden – und erlebte eine große Überraschung: Er schaffte es auf Anhieb in den Stadtrat – als Stimmenkönig. „Das war eine Hauruck-Aktion damals“, erinnert er sich schmunzelnd. Der Stadtrat wählte ihn sofort zum Zweiten Bürgermeister – „auch da habe ich geschluckt“, sagt Zwiefelhofer.

Mit großer Gelassenheit

Doch mit der für ihn typischen Gelassenheit ging er das neue Amt an. Den damaligen Bürgermeister Geiger kannte er aus der Nachbarschaft. „Das war ein großer Mann, sehr belesen, ein Vorbild, ein weitsichtiger Bürgermeister.“ In dessen Anfangszeit fielen wichtige Entscheidungen für die Stadt, die sie bis heute prägen, berichtet Zwiefelhofer: Kanalisation und Kläranlage wurden gebaut, die Umgehung entstand, der Hochwasserschutz begann, die Altstadt wurde zum Sanierungsgebiet erklärt.

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1996 war außerdem noch die Enttäuschung über die Auflösung des Landkreises Wasserburg deutlich zu spüren, die Gebietsreform saß vielen Kommunalpolitiker noch in den Knochen und schmerzte. Wasserburg versuchte, die Zentralität der Stadt zu stärken – unter anderem durch Einrichtungen wie das Familienbad Badria und durch die Förderung Wasserburgs als Bildungsstadt. Stark in der Politik war der Wasserburger Block, der sich vor allem aus ausgetretenen CSU-lern zusammensetzte, erinnert sich Zwiefelhofer. Als Zweiter Bürgermeister musste er Geiger jedoch eher selten vertreten: Lange Urlaube kannte das damalige Stadtoberhaupt nicht. Geiger pflegte noch einen eher hierarchischen Führungsstil.

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2002 folgte dann SPD-Mann Michael Kölbl – „ein Teamplayer“, wie Zwiefelhofer betont. Die Zusammenarbeit nach seinen Angaben: offen, kameradschaftlich. „Der Michael und ich verstehen uns auch menschlich sehr gut“, sagt sein langjähriger Stellvertreter. Der kollegiale Geist der vergangenen drei Wahlperioden hat Zwiefelhofer sehr gefallen. Er schätzt Kölbl als Volljuristen, der als Staatsanwalt und Richter beide Seiten des höheren Justizdienstes kennengelernt habe. „Das ist kein abgehobener Machtmensch.“

Im Auf und Ab der Kommunalpolitik

Als zweiter und die letzten zwölf Jahre als Dritter Bürgermeister hat Zwiefelhofer das Auf und Ab der Wasserburger Kommunalpolitik miterlebt und mitgestaltet. Die schwierigste Phase: die Zeit der Steuereinbrüche, als der Rotstift regieren musste. Bis heute macht Zwiefelhofer außerdem ein Problem zu schaffen, das nicht zu lösen ist: die mangelnden Flächen in der vom Inn umzingelten Stadt. „Das ist nun mal so, wir können keine Entwicklungsareale herbeizaubern.“

Markantes Jahr 2005, als das Jahrhunderthochwasser kam

Als schwierig empfand er auch die Zeit des Jahrhunderthochwassers 2005. „War das ein markantes Jahr“, seufzt er. Turbulent ging es zu, als um den Bau der Umgehung und der Rampe gestritten wurde, erinnert er sich weiter zurück.

Heute wird auch noch manchmal gestritten, doch Zwiefelhofer lobt auch die „gute Kameradschaft“ in der Fraktion und im gesamten Stadtrat sowie die Zusammenarbeit mit der Verwaltung. „Wir haben ein gutes neues Team“, findet er angesichts der Tatsache, dass die CSU mit Bürgermeisterkandidatin Heike Maas eine engagierte Frau und mit Christoph Klobeck einen Wirtschaftsvertreter neu im Stadtrat sitzen hat.

Zurückhaltend mit Ratschläge, nur so viel: „mit den Bürgern sprechen“

Wer neuer Zweiter oder Dritter Bürgermeister werden könnte, darüber will der scheidende Stellvertreter nicht spekulieren. Auch mit Ratschläge an Nachfolger oder Nachfolgerin will er nicht aufwarten. Nur so viel: „Stets die Dinge sachlich angehen, sich immer gut informieren, mit den Bürgern sprechen“. Stellvertreter des Rathauschefs sollten außerdem eine gewisse Leutseligkeit mitbringen, gerne auf Feste und Verein gehen, „mittendrin sein“, findet Zwiefelhofer.

Dort, wo das kommunale Leben pulsiert, wird auch er noch präsent sein. Er singt schließlich im Kirchenchor, ist aktiv im Alpenverein, wo er früher auch die ganz hohen Berge erklommen hat, und wirkt mit bei den Kellerfreunden.. Heute Abend wird er sich nur von der aktiven Kommunalpolitik verabschieden – in der Gewissheit, „dass es Wasserburg trotz Corona-Krise gut geht und wir Deutschen seit 75 Jahren im Schlaraffenland leben“.

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