Letzte Ratssitzung vor dem Abriss

Nach 46 Jahren hat das Schnaitseer Rathaus ausgedient, der Gemeinderat tagte dort jetzt zum letzten Mal - und vergab den Auftrag für den Abriss.

Schnaitsee - "Wir haben heute eine historische Sitzung. Zum letzten Mal berät heute der Gemeinderat über die Geschicke der Gemeinde hier in diesem Haus", eröffnete Bürgermeister Vitus Pichler die denkwürdige Sitzung im zum Abbruch freigegebenen Rathaus. Dazu passte auch, dass der Rat die Abbrucharbeiten für das Rathaus, den Neuwirt und das Liebharthaus für 93000 Euro an die Firma Schöberl in Reichertsheim vergab.

Seit 1951 gehört das Haus der Gemeinde. Früher beherbergte es auch die Sparkasse und dann bis etwa 1960 das Kaufhaus Pfisterhammer. Die bekannte Geschichte des Hauses geht, laut Schnaitseer Heimatbuch, bis ins Jahr 1516 zurück. Also durchaus nachzuvollziehen, dass Pichler die Sitzung als historischen Augenblick bezeichnete.

Einen beeindruckenden Vortrag über seine Lichtideen für die neue Schnaitseer Ortsmitte hielt Peter Billes im Rat. "Licht ist Gestaltung. Licht erhöht die Attraktivität." Billes beleuchtete in Worten die Ortsmitte. "Sie hat einen ländlichen Charakter, ist aber auch historisch geprägt. Mit den beiden Kirchen und dem Rathaus, den Gaststätten, den kleinen Geschäften und dem Maibaum ist es ein echtes Zentrum des Dorfes. Durch das rechte Licht kann die hohe Wertigkeit herausgestellt werden." Billes wies auf seine Vorgaben hin, die er in Bezug auf Straßen- und Platzbeleuchtungen einhalten muss. Er unterteilte die Lichtarten in ein "Licht zum Sehen" für Verkehr, Sicherheit und Orientierung, in ein "Licht zum Ansehen" etwa für Fassaden und ein "Licht zum Hinsehen" etwa für den Kirchturm oder den Maibaum als Signalwirkung. In einer Computeranimation stellte er die neue Ortsmitte nach seinen Plänen vor. "Durch die Torsituationen, die im Norden durch zwei Gebäude und im Süden durch zwei Bäume entsteht, kann bei entsprechender Beleuchtung die Ortsmitte richtig gefühlt werden." Die Bilder überzeugten das Gremium. Besonders aber auch der Umstand, dass alle neuen Leuchtmittel zusammen nicht einmal denselben Stromverbrauch erreichen, wie jetzt eine der Lampen, die den Kirchturm anstrahlen. Die Gesamtkosten bezifferte Billes auf 43000 Euro. Einstimmig und rundweg begeistert wurde seiner Lichtplanung zugestimmt.

Günter Edlmann möchte unbedingt immer das Gesamtkonzept für das Rathaus mit seinen Kosten vor Augen haben, um dann erst über verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten abzustimmen. Geschäftsleiter Thomas Perreiter versprach alle Informationen und Unterlagen sofort nach Erhalt den Räten vorab zukommen zu lassen.

Pichler gab bekannt, dass im Hinblick auf die Verschwenkung im Kreuzungsbereich Wabach-Mantelsham nächste Woche ein weiterer Gesprächstermin stattfindet. Er wurde von mehreren Ratsmitgliedern aufgefordert, die Verschwenkung mit Nachdruck zu verfolgen.

In puncto Geothermie soll der Rat zusammen mit den Betreibern das Werk in Kirchweidach besichtigen. Anschließend wird die Future-Water-Energy den Sachstand zum Standort Schnaitsee bekannt geben. Nächste Woche findet auch ein Termin im Kreisbauamt in Sachen "Betreutes Wohnen" mit dem Investor statt. In Sachen schadhafter Turnhallenwand wird am nächsten Donnerstag bei einem Ortstermin ein klärendes Gespräch stattfinden. Für die Bauarbeiten am Dorfplatz werden der Gerüstbau, die Erdarbeiten und die Baumeisterarbeiten einzeln ausgeschrieben. Dazu wird per Inserat eine Markterkundung in den Landkreisen Traunstein, Rosenheim, Mühldorf und Altötting durchgeführt.

Mit Freude berichtete der Bürgermeister von der Auszeichnung "Gentechnikfreie Gemeinde". Dafür wurde von Staatsminister Dr. Markus Söder die entsprechende Urkunde überreicht.

Den Zweiten Bürgermeister Franz Rieperdinger interessierte der Wasserstand der Brunnen nach der Trockenheit. Pichler sagte, dass sich solche Zeiten erst etwa ein halbes Jahr später bemerkbar machen. "Jetzt sind die Differenzen unerheblich."

Anton Lamprecht wollte wissen, wie es mit der historisch wertvollen Steinplatte, die am Kirchenportal gehoben wurde, weiter geht. Hierzu meinte Ortsheimatpfleger Reinhold Schuhbeck, dass diese im Glockenhaus der Kirche seinen Standort finden könnte. Derzeit ist sie im alten Bauhof eingelagert.

ju

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