Leseratten tauschen in "Bücherzellen"

Traum aller Leseratten: Gelesenes Buch zur Bücherbox bringen, anderes mitnehmen, ganz unbürokratisch zu jeder Tages- und Nachtzeit. Grafik Reindl
+
Traum aller Leseratten: Gelesenes Buch zur Bücherbox bringen, anderes mitnehmen, ganz unbürokratisch zu jeder Tages- und Nachtzeit. Grafik Reindl

Bücher wegwerfen - das können echte Leseratten ganz schlecht. Also türmen sie sich irgendwo, vegetieren in Kartons vor sich hin.

Bücher kaufen - das können wieder andere ganz schlecht. Weil die Mittel fehlen. Öffentliche Bücherschränke bringen beide zusammen.

Wasserburg - "Da sind mir die Grünen mit ihrem Antrag zuvor gekommen", lachte Bürgermeister Michael Kölbl, als er deren Antrag auf die Einrichtung öffentlicher Bücherschränke im Ausschuss vorstellte.

Ein öffentlicher Bücherschrank, auch Bücherbox oder Straßenbücherei genannt, wird zunächst erst einmal mit gespendeten Büchern gefüllt, die sich jeder Leser nehmen kann. Entweder stellt er das Buch nach dem Lesen zurück oder er stellt ein anderes hinein - muss er aber nicht. Das Ganze funktioniert kostenlos und ohne jegliche Formalitäten und ist als Ergänzung zu den örtlichen Buchhandlungen und der Bibliothek gedacht. Als Standorte schlugen die Grünen die beiden Bahnhöfe und die Konradkirche vor. Markus Hoeft (Die Grünen) verwies auf Erfahrungen anderer Kommunen der verschiedensten Größen, die mit öffentlichen Bücherschränken oder Bücherboxen nur gute Erfahrungen gemacht hätten. Inklusive der Erfahrung, dass Vandalismus so gut wie nie vorkommt.

Was der Bürgermeister bestätigen konnte. Er habe sich - bei einer seiner mehrtägigen Radltouren im Freundeskreis - sogar mal lange in ein Café gesetzt, einen Bücherschrank beobachtet und nur Positives gesehen, so Kölbl. Da kam ihm der Antrag der Grünen gerade recht, denn Bücherboxen für Wasserburg wollte er auch, so Kölbl schmunzelnd.

Wobei die Bücherschränke "Bücherzellen" werden sollen. Denn angedacht ist der Kauf von ausgemusterten Telefonzellen. Diese werden im Wasserburger rot angestrichen und an den angedachten Standorten aufgestellt. Also am Bahnhofsvorplatz in der Altstadt, am Reitmehringer Bahnhofsplatz und an der St.Bruder-Konrad-Kirche im Burgerfeld.

"Bücherschrankpaten"

werden gesucht

Wer sich um die Bücherboxen kümmert? "Bücherschrankpaten", nach Möglichkeit. Die erste Patin für die Altstadt fand sich schon in der Sitzung, der zweite noch am gleichen Abend, auch für die Altstadt. Weitere Paten, die in regelmäßigen Abständen - unentgeltlich - mal nach dem Rechten schauen, gegebenenfalls ein wenig für Ordnung sorgen, werden noch gesucht. Wer Lust hat, meldet sich im Rathaus bei Thomas Rothmaier, Telefon 105-13.

Wann es los geht? Wenn die Telefonzellen gekauft, angestrichen, mit Regalbrettern versehen und mit Büchern gefüllt sind.

Kommentare