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PETER KOHL – SPORTMODERATOR BEI SPORT1

Leistungssportler wird Sportjournalist

Peter Kohl – für ihn gibt es kein besseres Revier als rund um Gars mit seinen Hügeln, „die schönste Gegend für Rennfahrer“.  von Ahn
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Peter Kohl – für ihn gibt es kein besseres Revier als rund um Gars mit seinen Hügeln, „die schönste Gegend für Rennfahrer“. von Ahn

Seine Frau hat Peter Kohl beim Radio kennengelernt. Kohl arbeitete damals als Moderator beim Radio Aktiv in München, einem der ersten privaten Radiosender in Deutschland Mitte der 1980er. „Sie war eine unserer treuen Hörerinnen“, berichtet Kohl über seine Frau. „Sie hat irgendwann beim Radiosender angerufen, weil sie meine Stimme so interessant fand. Dann haben wir uns getroffen und sind nun seit fast 30 Jahren verheiratet.“

Gars– Seit 1992 lebt das Ehepaar in einer kleinen Enklave nahe Gars. Die ersten Jahre bewohnte das Ehepaar ein Zimmer im ersten Stock ihres 1820 erbauten Austragssacherls. Das Gebäude war nahezu zerfallen; die Kohls bauten es wieder auf, mithilfe eines Freundes, einem Maurermeister. „Wir haben Wände herausgerissen, Böden ausgegraben“, erzählt Kohl. „Elektroleitungen, Wasser- und Abwasserleitungen wurden komplett neu verlegt. Das war intensiver als ein Neubau.“ Und die Wände bergen auch jetzt noch Überraschungen: Wenn Kohl beispielsweise einen Nagel in die Wand schlage, stoße er manchmal auf einen Granitblock: „Teilweise haben wir Wände, die über einen Meter dick sind und sich nach oben verjüngen. Und jedes Fenster hat eine andere Größe.“ Doch nach Jahren des Umbaus genießt Kohl nun sein Haus und seine Umgebung – besonders die Ruhe, die Natur und die wenigen Nachbarn.

Bereits mit fünf Jahren hat Kohl den Wert von Landschaft und Natur schätzen gelernt. Damals ist der in Solingen Geborene ins Oberallgäu gezogen. In Oberstdorf hat er seine Schulzeit verbracht. „In Oberstdorf aufwachsen zu dürfen, war eine Gnade. Als ich dort hingezogen bin, war das eine Traumwelt für mich“, schwärmt der jetzt 55-Jährige. „Ich hatte eine glückliche Kindheit: Aus einer Mietshauswohnung in ein freistehendes Haus in eine Traumlandschaft. Was Oberstdorf geboten hat für jemanden, der extrem viel draußen war, sich in der Natur gerne bewegt. Perfekter geht es nicht.“ Und so ist der Nordrhein-Westfale skifahrend groß geworden. Damals gab es für die Einheimischen Jahreskarten für Skilifte und Bergbahnen. „Man ist aus der Schule gekommen, hat den Rucksack in die Ecke geschmissen und ist dann Ski gefahren bis zum Sonnenuntergang“, berichtet Kohl. Und auch das Schlittschuhlaufen faszinierte ihn. Im Winter gehörte dies zum Schulunterricht.

Im Rahmen des Programms zur Nachwuchsförderung „Jugend trainiert für Olympia“ hat Kohl bei einem Eislaufwettbewerb teilgenommen: „Da habe ich mich offensichtlich nicht ganz so verkehrt angestellt. In einem bayernweiten Entscheid in Inzell habe ich mich qualifiziert. Das hat mich so gepackt, dass ich bei dem Sport geblieben bin.“

Doch bevor Kohl nennenswerte Medaillen ergattern konnte, kam das Aus. Das rechte Knie hielt den Belastungen nicht mehr stand. „Trainiert wurde damals noch oft nach dem Motto „Viel ist gut“. Und so fanden hohe Trainingseinheiten statt, mit 14 und 15 Jahren teilweise bis zu drei Trainingseinheiten am Tag. Und es wurde viel mit Gewichten gearbeitet“, berichtet Kohl.

Das Aus kam für Kohl mit 18 Jahren als er gerade sein Sport-Abitur absolvierte: „Die Zeit des Abtrainierens war gleichzeitig meine Abiturprüfung. Das habe ich dann gerade so geschafft.“

Nun war der große Traum geplatzt. Kohl wollte ursprünglich Sport studieren, sein Trainerdiplom machen. Plante nach seiner eigenen Zeit als Leistungssportler, in der Jugendförderung als Trainer zu arbeiten. „Aber da ich nicht mehr Sport auf Leistungsniveau machen konnte, war das Sportstudium obsolet“, berichtet Kohl.

Doch der Pragmatiker trauerte nicht lange, sondern suchte andere Wege: Er studierte Germanistik, das ihm schnell zu theoretisch wurde. Nach zwei Semestern wechselte er zu neuer Geschichte, Politik und Kommunikationswissenschaften an der Ludwig-Maximilian-Universität München. Parallel dazu arbeitete er beim Fernsehen: als freier Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk. Zusammen mit einem Gebietskorrespondenten war er für das Allgäu und den Raum Bodensee tätig. Sie lieferten Filmbeiträge für die aktuelle Redaktion und für Heimat sendungen. Im Fokus der Berichterstattung stand nach wie vor der Sport.

Von der Arbeit als freier Mitarbeiter wechselte er als fester Mitarbeiter zum Radio Aktiv und dann zu TV Weiß-Blau, einem regionalen Fernsehsender in München. Aus diesem Stadtsender entstand das Sat1-Regionalprogramm Bayern und dann das gemeinsame Radioprogramm von Sat1 und RTL. Dort arbeitete er bis 1992 als Sportabteilungsleiter, übernahm die Organisation sowie Redaktion und Moderation. Als am 1. Januar 1993 Punkt Mitternacht das Deutsche SportFernsehen (DSF) auf Sendung ging, war Kohl mit dabei. Hans-Joachim Rauschenbach kommentierte eine Eislaufgala mit Kati Witt.

Die allererste selbst produzierte Sendung als Studiosendung durfte Kohl moderieren: Das DSF-Studio. Seit dem Jahr 2010 heißt der Sender Sport1, und auch heute noch arbeitet Kohl dort als Kommentator. Unter anderem kommentierte er live alle Deutschlandspiele der Handball-Weltmeisterschaft (WM) der Frauen, die Mitte Dezember endete. Im Durchschnitt 650 000 Zuschauer sahen das dritte Gruppenspiel Deutschland gegen Serbien am 6. Dezember 2017 vor dem Fernseher und lauschten Kohls Stimme. Es war das quotenstärkste Spiel dieser WM. Ab dem Viertelfinale kommentierte Kohl jedes Spiel. Motorsport, Eishockey und Fußball sind weitere Sportarten, die Kohl regelmäßig kommentiert.

Trotz dem Ende der frühen Profikarriere betrieb Kohl immer auch selbst Sport. Zunächst hatte er das Hängegleiterfliegen – bekannt auch als Drachenfliegen – für sich erkannt. Er kam durch Mike Horker, einen berühmten Drachenflieger Ende der 1970er/Anfang der 1980er, zu diesem Sport. Diesen gab er auf, als er frontal gegen eine Felswand prallte. Bergsteigen, Eisklettern und Schneeschuhtouren wurden andere Hobbys. Jetzt wandert er und fährt rund 5500 bis 7000 Kilometer im Jahr Rennrad.

„Ich mache Sport, um mich in der Natur zu bewegen und innere Ruhe zu finden.“ Peter Kohl

„Ich mache Sport, um mich in der Natur zu bewegen und innere Ruhe zu finden“, erzählt Peter Kohl. „Wir leben in der schönsten Gegend für Rennradfahrer. Alle Bauernhöfe sind mit Teerstraßen perfekt miteinander verbunden. Da ergibt sich eine Streckenvielfalt, die einmalig ist. Und es ist eine profilierte Landschaft. Man kann flach fahren, man kann sich permanent in den Hügeln bewegen. Für mich gibt es kein traumhaft besseres Revier als hier.“

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