Ehemaliger Militärattaché zu Gast am Luitpold-Gymnasium

Lehrstunde über Demokratie

Die instabile Situation im nahen Osten verdeutlichte Militärattaché a.D. Dieter Kuhn den Oberstufenschülern des Gymnasiums. Foto re
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Die instabile Situation im nahen Osten verdeutlichte Militärattaché a.D. Dieter Kuhn den Oberstufenschülern des Gymnasiums. Foto re

Wasserburg - "Gerechtigkeit, Gleichheit, Anständigkeit, Einheit, Wohltätigkeit sind für viele Muslime die wesentlichen Aspekte einer demokratischen Gesellschaft und nicht unbedingt die Einrichtung von staatlichen Institutionen nach westlichem Vorbild", erläuterte Dieter Kuhn seinem aufmerksamen Publikum. Der ehemalige langjährige deutsche Militärattaché in Syrien und Ägypten war auf Einladung von Schulleiter Peter Rink zu Gast im Luitpold-Gymnasium und hielt vor knapp 200 Schülerinnen und Schülern der Oberstufe einen mit vielen Bildern und Statistiken veranschaulichten Vortrag zur Problematik des Nahost-Konflikts.

Dabei beleuchtete er insbesondere die sogenannte Arabellion mit dem Schwerpunkt Ägypten, da er in Kairo nicht nur lange Zeit beruflich tätig war, sondern auch von seinem zehnten bis 18. Lebensjahr in Alexandrien gelebt hatte, bevor er nach Deutschland zurückkehrte und eine abwechslungsreiche Laufbahn bei der Bundeswehr begann.

Der früher unter anderem in Regensburg tätige Oberst a.D. warnte nachdrücklich vor den potenziellen globalen Auswirkungen dieser komplexen Ereignisse, da die sich innerhalb kürzester Zeit mehrfach diametral veränderten Machtverhältnisse die fragilen Sicherheitsstrukturen in einer hoch sensiblen Region massiv erschüttern könnten. "Falls es nicht gelingt, die Destabilisierung dieser Länder aufzuhalten, steht Europa vor einem gewaltigen Immigrationsproblem", so seine Befürchtung. Er verwies des Weiteren auf die besondere demografische Entwicklung in vielen arabischen Ländern, weil eine stark wachsende Bevölkerung mit einem sehr hohen Anteil an jungen Männern bei wirtschaftlichen Krisen und der damit verbundenen hohen Arbeitslosigkeit tendenziell anfällig für radikale und aggressive Parolen ist.

In diesem Zusammenhang forderte Kuhn eine verantwortungsvolle und dennoch sehr sensible und zurückhaltende Politik des Westens, da dessen wirtschaftliche und politische Kooperationsangebote in vielen arabischen Ländern oft misstrauisch beurteilt werden. Hinzu kommt eine in den Augen vieler Muslime zu einseitige Unterstützung und zu positive Bewertung Israels, weil die von vielen westlichen Beobachtern vorgenommene Klassifizierung dieses Staates als "einzige wirkliche Demokratie im Nahen Osten" selbst bei gemäßigten arabischen Gruppierungen Verärgerung hervorrufe und zusätzlich anti-westliche Ressentiments bediene.

"In der arabischen Welt ist ein mächtiges Begehren in den Völkern nach Mitbestimmung bzw. Beteiligung entstanden", so der Militärattaché a.D. am Ende seiner Ausführungen, "und der schwere Weg zur Demokratie muss beschritten werden, aber es werden eben nicht zwingend Demokratien westlichen Stils sein. Wir müssen lernen, diese engen Gedankenstrukturen zu überwinden." re

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