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Kampf gegen neue Infektionskrankheit

Lebensgefährliches Borna-Virus: Maitenbether wollen helfen – doch diese Sorgen bleiben bestehen

Wenn eine Katze eine Maus anschleppt, empfiehlt das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit als Schutz vor einer Infektion mit dem Borna-Virus: Tier entsorgen nur mit Handschuhen und Maske.
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Wenn eine Katze eine Maus anschleppt, empfiehlt das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit als Schutz vor einer Infektion mit dem Borna-Virus: Tier entsorgen nur mit Handschuhen und Maske.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Sie geben ihr Blut, damit die Wissenschaft im Kampf gegen das lebensgefährliche Borna-Virus vorankommt: Am Sonntag, 24. Juli, und Montag, 25. Juli, werden die Maitenbether ihren Beitrag leisten. Die Bürger wollen helfen, sind aber in großer Sorge, zeigte eine sehr gut besuchte Infoveranstaltung. Das rät das Landesamt für Gesundheit.

Maitenbeth – Das Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hatte am Dienstagabend, 19. Juli, zu einer nichtöffentlichen Informationsveranstaltung eingeladen, nur Maitenbether über 18 durften teilnehmen. Maitenbeth.ist aufgrund von zwei Fällen in drei Jahren als Standort für eine Studie zu den Übertragungswegen der seltenen, aber meist tödlichen verlaufenen Infektion ausgewählt worden.

330 Bürger informierten sich

330 Maitenbether kamen in die Mehrzweckhalle – „angesichts der Hitze eine sehr gute Resonanz“, unterstreicht Bürgermeister Thomas Stark das Interesse in der Bevölkerung. In der Tat ist dies eine hohe Beteiligung für ein Dorf mit 2000 Einwohnern.

Auffällig: Zwei Fälle in drei Jahren

Die Stimmung während der zweieinhalbstündigen Veranstaltung bringt Stark so auf den Punkt: „Es ging sachlich-konstruktiv zu“. Trotzdem seien in den Wortbeiträgen und Fragen die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger deutlich herauszuhören gewesen. Die zentrale Frage, die sich die Einwohner stellen? Warum gilt Maitenbeth als Dorf mit gehäuftem Auftreten der seltenen Infektion?

Wie berichtet, sind der Landkreis Mühldorf ebenso wie weite Teile Südostbayerns laut Robert-Koch-Institut Endemiegebiete für das seltene und lebensgefährliche Borna-Virus. Drei Fälle sind im Landkreis aufgetreten, zwei davon in Maitenbeth. Zwei Personen sind im Landkreis bereits am Virus verstorben, eine weitere ist aktuell schwer erkrankt.

Blutabnahme am 24. und 25. Juli

Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und das Universitätsklinikum Regensburg hätten bei der Infoveranstaltung deutlich gemacht: „Bei zwei Fällen in Maitenbeth kann wirklich nicht von einer Häufung gesprochen werden oder davon, dass wir ein Hotspot wären“, so Stark. Dieser Ausdruck sei im Zusammenhang mit Maitenbeth unpassend und schüre Ängste, findet der Rathauschef.

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Trotzdem sieht das LGL eine Auffälligkeit. Denn die Erkrankung sei sehr selten, bisher seien erst etwas mehr als 40 Fälle beim Menschen nachgewiesen worden. Angesichts von zwei Infektionen in Maitenbeth – im Zeitraum seit Ende 2019 – wird hier deshalb eine Studie durchgeführt, die mehr über das klinische Spektrum von Borna-Virus-Infektionen herausfinden möchte. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und das Universitätsklinikum Regensburg hoffen auf die Mithilfe der erwachsenen Bevölkerung. Am Sonntag, 24. Juli, von 14 bis 19 Uhr, und Montag, 25. Juli, von 8 bis 19 Uhr werden die Maitenbether in der Mehrzweckhalle um eine Blutprobe und einen Nasenabstrich gebeten. Außerdem sollen sie einen Fragebogen ausfüllen.

Bürgermeister Stark ist zuversichtlich, dass die Beteiligung ausreichend groß sein wird. Die gut besuchte Infoveranstaltung habe sicherlich viele Bürgerinen und Bürger motiviert. Auch Stark selber wird Blut für die Forschung abgeben, kündigt er an.

Bürgermeister lobt Auftritt der Experten

Die Vorträge der Referenten des LGL und des Universitätsklinikums Regensburg haben ihn überzeugt. „Das waren fachlich fundierte Aussagen, die viel zu Versachlichung beigetragen haben“, findet Stark. „Sehr gut“ hätten die Experten die Hintergründe der Infektionserkrankung erklärt. Ausführlich hätten die Vertreter der Studie die Notwendigkeit der Erforschung dargestellt, die noch ganz am Anfang stehe.

Als Wirt gilt die Feldspitzmaus

Bei den Fragen aus der Bevölkerung stand laut Stark vor allem die Prävention im Fokus. Viele hätten sich nach Möglichkeiten erkundigt, sich vor dem Virus zu schützen. Als Wirt gilt die Feldspitzmaus, weit verbreitet in ländlichen Regionen wie Maitenbeth.

Die wichtigste Botschaft in diesem Zusammenhang fasst der Bürgermeister so zusammen: Tote Mäuse, oft von Katzen vor die Tür gelegt, nur mit Handschuh oder Plastikbeutel anfassen, vorher eventuell mit Wasser besprühen, damit es nicht zu Aufwirbelungen von Staub kommt. Gegen diesen schützen sich die Menschen am besten mit der Corona-Maske, so Stark.

Muster für Infektionsanfälligkeit nicht erkennbar

Auch die Vermutung, die Infektion betreffe vor allem Kinder und Jugendliche, hätten die Experten ausgeräumt. Das jüngste Opfer in Deutschland sei sechs Jahre alt, das älteste Ende 70, sei mitgeteilt worden. Männer und Frauen seien gleichermaßen betroffen. Ein Muster der Infektionsanfälligkeit sei nicht erkennbar.

Das verantwortliche Borna Disease Virus (BoDV-1), das eine lebensgefährliche Gehirnentzündung auslösen kann, wurde als Erreger laut LGL erst 2018 beim Menschen erkannt. Bereits seit mehr als 250 Jahren sei die Infektionskrankheit jedoch bei Säugetieren nachgewiesen.

Zentrale Frage: Wie kommt es zum Kontakt mit dem Virus?

Die Studie soll mit Unterstützung der Maitenbether Blutdaten klären, ob es auch positive Befunde bei Menschen ohne oder mit milden Krankheitszeichen gibt und unter welchen Umständen es zu einem Kontakt mit dem Virus kommen kann. Was die Maitenbether ebenfalls sehr interessierte: Kann das persönliche Ergebnis der Blutabgabe und des Nasenabstrichs abgefragt werden? Dazu gab es von den Experten ein klares Nein, denn die Studie ist anonymisiert. „Ergebnisse können nicht auf Teilnehmerinnen und Teilnehmer zurückgeführt werden. Dies liegt im Wesentlichen darin begründet, dass bei einem positiven Befund ohne Krankheitszeichen keine konkreten Empfehlungen zum Vorgehen oder zum Verhalten ausgesprochen werden können.“ Umso wichtiger ist jetzt, dass die Forschung vorankommt. Maitenbeth wird einen Beitrag dazu leisten.

Das rät das Landesamt für Gesundheit

Die Infoveranstaltung in Maitenbeth war nichtöffentlich, nur die Maitenbether waren geladen. So bewertet das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) auf Anfrage der Wasserburger Zeitung den Verlauf und gibt Tipps zur Vorbeugung.

Wie war die Stimmung unter den Gästen? Ist es gelungen, für die Teilnahme zu werben?

Die Stimmung war insgesamt ruhig und sachlich. Es zeigte sich auch an den Fragen, dass sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits im Vorfeld mit dem Thema Bornavirus befasst hatten und dass auch das Interesse an der BOSPEK-Studie sehr groß war.

Wie verläuft die Blutabnahme am 24. und 25. Juli?

Zu den angesetzten Terminen sind alle volljährigen Bürgerinnen und Bürger von Maitenbeth eingeladen, an der Studie teilzunehmen, insofern sie nicht unter Blutarmut (Anämie) leiden. Jedem Bürger wird eine Blutprobe abgenommen. Hierfür steht qualifiziertes medizinisches Personal zur Verfügung. Im Anschluss werden die Blutproben im Labor auf Antworten des Immunsystems gegen BoDV-1 (Antikörper, gegebenenfalls T-Zellen; positiv/negativ) untersucht und in Zusammenschau mit den Daten aus dem ausgefüllten Fragebogen ausgewertet.

Welche Erkenntnisse erhofft sich das LGL von der Studie?

Die Forschung zum Thema BoDV-1 beim Menschen steht noch am Anfang. So ist beispielsweise noch nicht bekannt, wie BoDV-1 vom Reservoirwirt, der Feldspitzmaus, auf den Menschen übertragen wird. Auch weiß man noch nicht genau, ob es neben den bekannten, zumeist tödlich verlaufenden, Enzephalitiden auch noch andere, unter Umständen mildere oder asymptomatische Verlaufsformen einer BoDV-1-Infektion gibt. Das Ziel der Studie ist, mehr über das seltene Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) zu erfahren, insbesondere in Bezug auf das klinische Spektrum von Infektionen mit BoDV-1 beim Menschen und mögliche Übertragungswege von BoDV-1.

Bis wann ist mit Ergebnissen zu rechnen?

Erste Ergebnisse liegen voraussichtlich im Herbst 2022 vor. Auf der LGL-Internetseite (BOSPEK-Studie (bayern.de)) werden weitere Informationen zu finden sein. Darüber hinaus werden die Ergebnisse bei einer weiteren Informationsveranstaltung in Maitenbeth vorgestellt.

Auf wie viele Teilnehmer hoffen Sie, damit die Daten verwertbar sind?

Minimalziel ist es, 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die BOSPEK-Studie zu gewinnen, angestrebt wird jedoch eine Teilnehmerzahl von bis zu 1000. Je mehr Personen an der Studie teilnehmen, desto größer die Aussagekraft der Studienergebnisse.

Gibt es Empfehlungen des LGL für verunsicherte Bürgerinnen und Bürger? Was können sie präventiv tun, um eine Ansteckung zu verhindern?

Das LGL stellt auf einer eigenen Internetseite (Gesundheit: Infektionskrankheiten A-Z: Erkrankung durch das Borna-Virus (bayern.de)) Informationen zur Erkrankung durch das Borna-Virus zur Verfügung und beantwortet in einem gesonderten Abschnitt häufige Fragen, darunter auch zu Vorsichtsmaßnahme:

Nach aktuellem Kenntnisstand kommen Übertragungen von BoDV-1 auf den Menschen nur sehr selten vor (bundesweit einstellige Anzahl von Fällen pro Jahr), das Infektionsrisiko ist entsprechend gering. Das Risiko einer Infektion kann nur durch eine Vermeidung des Kontakts mit Spitzmäusen und deren Ausscheidungen reduziert werden. Lebende oder tote Spitzmäuse sollten nicht mit bloßen Händen berührt werden. Sollten Spitzmäuse im häuslichen oder Arbeitsumfeld identifiziert werden, gilt es, ihre Nahrungsquelle herauszufinden und sie ihnen zu entziehen. Spitzmäuse akzeptieren zum Beispiel im Außenbereich angebotenes Hunde- oder Katzenfutter. Auch Komposthaufen oder andere Abfälle können durch das reiche Nahrungsangebot an Insekten für Spitzmäuse interessant sein. Spitzmäuse sollten auch nicht als Haustiere gehalten werden.

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