Ein Leben für den Lauf

Undenkbar ohne sie: Elfi Reischl beim "Lauf für ein Leben" . Fotos Hintermayr
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Undenkbar ohne sie: Elfi Reischl beim "Lauf für ein Leben" . Fotos Hintermayr

Sie gehört zum "Lauf für ein Leben" wie die Anden zu Ecuador. Elfi Reischl plant, koordiniert und engagiert sich seit über 18 Jahren für das Eiselfinger Benefizprojekt.

Doch Teamarbeit, Ehrgeiz und Verantwortung für andere zu übernehmen sind ihr nicht nur bei der Organisation des Laufs wichtig, sondern auch in ihrem Beruf als Förderlehrerin.

Eiselfing - Wer kennt ihn nicht? Fast jeder in Wasserburg und Umgebung hat schon einmal am Eiselfinger "Lauf für ein Leben" teilgenommen, einen Läufer gesponsert oder zumindest davon gehört. Das Konzept für das Benefizprojekt wurde schon über 300-mal von anderen Schulen übernommen. Seinen Ursprung hat der Lauf in der Idee eines Siebtklässlers und im Engagement der Verantwortlichen, darunter Elfi Reischl.

Die Geburtsstunde

des Laufs

1997 lauschten die Schüler der siebten Klassen den Erzählungen einer Eiselfinger Lehrerin, die schon diverse Male in Ecuador war und nun von der aussichtslosen Lage der Indios erzählte, die kein eigenes Land für Ackerbau und Viehzucht hatten. Danach wurden Ideen gesammelt, wie man den Indios helfen könnte.

Zunächst schlugen die Schüler vor, nach Ecuador zu laufen, um dort vor Ort zu helfen, doch ein Blick auf die Landkarte zeigte ihnen, dass der Weg dafür zu weit war. Daraufhin rief ein Schüler: "Dann laufe ich hier und ich frage meine Oma, ob sie mir Geld dafür gibt, sie sagt eh immer, ich soll mehr Sport machen". Und so war der Eiselfinger Lauf für ein Leben geboren.

Seither ist Elfi Reischl einer der Grundpfeiler bei der Organisation und Durchführung des Laufs. Sie koordiniert jedes Jahr die Aufgaben der Mitwirkenden. Das geht von der Anmeldung über die Anschaffung der Medaillen und der Verpflegung bis hin zur Anfertigung der Laufkarten. "Die Vorbereitungen dauern zirca ein Dreivierteljahr, in dem man alle Kräfte mobilisiert. Nach dem Lauf denkt man sich jedes Jahr, ich kann nicht mehr. Aber nach einem Vierteljahr sind die Anstrengungen vergessen und man fängt wieder von neuem an", erklärt Elfi Reischl. "Ich war davor schon beim Bund Naturschutz aktiv, aber durch den Lauf kann ich jetzt das Engagement für Naturschutz, die Entwicklungshilfe und meine Arbeit verbinden", erklärt sie.

Eine große Rolle im Leben der 62-Jährigen spielt neben dem Lauf auch ihr Beruf. Seit nunmehr über 30 Jahren ist sie mit viel Leidenschaft und Begeisterung Förderlehrerin. Auf den damals noch neuartigen Beruf hat sie ihr ehemaliger Grundschullehrer gebracht.

Geboren und aufgewachsen ist Elfi Reischl in Höslwang. Nach der Schule jobbte sie in einem "Tante-Emma-Laden", wo eines Tages ihr ehemaliger Lehrer mit den Worten "Elfriedchen, ich weiß jetzt, was du machst" auf sie zukam. Er erzählte ihr von einer Ausbildung in sechs Semestern.

Das war der Beginn ihrer Laufbahn als Förderlehrerin. Schon während ihrer Ausbildung musste sie erste Hürden nehmen. "Ich wurde im Münchner Bezirk Hasenbergl eingesetzt, da wurde ich gleich richtig rangenommen. Ich finde es wichtig, dass man immer wieder Hindernisse zu bewältigen hat, denn wenn man das nicht muss, dann ist der Beruf auch nicht das Richtige. Man muss feststellen, ob man bereit ist, das in eine Aufgabe zu investieren, was nötig ist, und das ist oft sehr viel". Nach dem Ende ihrer Ausbildung arbeitete sie an Schulen in Moosburg und München, bevor sie sich 1978 um eine Stelle an der Volksschule in Eiselfing bewarb.

Langeweile?

So viel zu tun

"Ich bin quasi der Dinosaurier hier an der Schule. Aber die letzten 30 Jahre kommen mir höchstens vor wie zehn. Es war einfach so viel los in der Zeit, so viele Projekte, Gespräche und Aktionen", erzählt Elfi Reischl lachend. An ihrem Beruf schätzt die Förderlehrerin vor allem die Abwechslung: "Das macht den Reiz des Berufes aus, dass man ihn so vielseitig gestalten kann. Es ist nicht eine Sekunde langweilig".

Nicht nur ihr Beruf, sondern auch das Engagement für den Lauf sorgen dafür, dass garantiert nie Langeweile bei der Lehrerin aufkommt. Neben dem Organisieren und Koordinieren hat sie noch eine weitere wichtige Aufgabe. "Eine Hauptarbeit, die ich machen muss, ist zu schauen, was sich in Ecuador tut. Ich lese alle Berichte von Leuten, die dort waren und ich gehe zu Vorträgen. Außerdem war ich selbst schon einmal vor Ort". Dennoch gebe es viele Menschen, die zweifeln, ob das Geld auch wirklich bei den Indios ankomme. "Ich kann nicht noch mehr zur Qualitätssicherung machen, das ist dann eine Einstellungsfrage der Menschen, die sich lieber nicht einbringen wollen. Da fällt mir immer das Zitat von Götz Werner ein: Wer etwas tun will, der findet Wege. Wer etwas nicht tun will, der findet Gründe - ich finde, das trifft es ziemlich gut". Rückenwind hingegen bekommt sie von Freunden und ihrer Familie. "Meine Familie unterstützt mich sehr. Zu Weihnachten gibt es auch häufig anstatt Geschenken Spenden".

Neben ihrer Familie, ihren Freunden und dem alljährlichen Erfolg des Laufs bestätigte sie auch ihre dreiwöchige Reise nach Ecuador im Jahr 2005 in ihrem Engagement. "Die Menschen dort müssen oft über zwei Stunden zu ihren von einem Kredit gekauften Feldern gehen. Und obwohl die Felder sehr klein sind, sind sie überglücklich, dass sie überhaupt ein Feld haben, das sie bewirtschaften können. Man merkt auch einen Unterschied zwischen den Dörfern, die einen Kredit aufgenommen haben und nun ihre eigenen Ideen verwirklichen können und denen, die diese Unterstützung nicht haben. Sie sind viel selbstbewusster und sparen eisern, damit sie den Kredit zurückzahlen können", so Elfi Reischl.

Wenn sie in zwei Jahren in Rente gehe, dann werde sie vermutlich bald wieder nach Ecuador reisen. "Das Problem ist nur, dass eine Reise dorthin sehr teuer ist, nicht allein wegen des Fluges, sondern wegen der ganzen Geschenke, die man mitnimmt. Letztes Mal hatte ich beispielsweise zehn Kilo Gummibären dabei".

Diese Hilfe - eine Herzenssache

Der nächste Lauf am 24. und 25. April ist eine Herzensangelegenheit für die Lehrerin. Denn zusätzlich zu der Hilfe für die Indios ist es ihr auch wichtig, dass ihre Schüler etwas dabei lernen.

"Der Lauf füllt mich aus, das kann man schon so sagen. Ich finde, dass er eine sinnstiftende Maßnahme ist, nicht nur für mich, sondern auch für die Schüler. Er gibt Weltsicht und man lernt Verantwortung für die zu übernehmen, die das selbst nicht können, weil ihnen das Know-How fehlt und weil man ihnen ihr Land weggenommen hat". Es ist ihr wichtig, dass die Schüler lernen, zusammenzuhelfen und das Gefühl kennenlernen, wenn man etwas Außergewöhnliches geschafft und mit seinem Einsatz die Welt ein bisschen verändert habe.

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