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Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ)

Laura (18) und Hannes (19) sind mit dem Wasserburger Sozialmobil unterwegs

Laura Drexl (links) und Hannes Friedrich absolvieren ein eher ungewöhnliches Freiwilliges Soziales Jahr, satt um Kinderkümmern sie sich um die Wasserburger Senioren. Sie sind beim Fahrdienst der Stadt angestellt.
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Laura Drexl (links) und Hannes Friedrich absolvieren ein eher ungewöhnliches Freiwilliges Soziales Jahr, statt um Kinder kümmern sie sich um die Wasserburger Senioren. Sie sind beim Fahrdienst der Stadt angestellt.
  • Winfried Weithofer
    VonWinfried Weithofer
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  • Sophia Huber
    Sophia Huber
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Die Begegnung mit Senioren steht für Laura und Hannes im Vordergrund bei ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr, das sie derzeit in Wasserburg leisten. Sie erfahren dabei Wertschätzung und Anerkennung, führen Diskussionen über Geschlechterrollen und helfen sogar in brenzligen Notsituationen.

Wasserburg – Die Zeit zwischen Abitur und Studium, mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) zu überbrücken, ist nichts Ungewöhnliches. Doch während die meisten ihre Zeit in Kindergarten und Grundschule verbringen, haben sich Hannes Friedrich (19) und Laura Drexl (18) für den Fahrdienst für Seniorinnen und Senioren der Stadt Wasserburg entschieden.

„Ich glaube nicht, dass ich in einem Kindergarten glücklich geworden wäre“, sagt Friedrich. Beim Fahrdienst ist er es. Er würde es jedem empfehlen, der die Möglichkeit dazu hat. Drexl stimmt ihm zu. „Man wird offener“, sagt sie, „und bekommt mehr Verständnis.“ Für die Menschen in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen, aber auch generell für ältere Personen.

Die Dankbarkeit motiviert

Sie begegnen vielen verschiedenen Menschen, erklären sie, die auch ganz unterschiedlich mit ihrer Situation umgehen. „Da gibt es Menschen, die sagen: Werd niemals so alt wie ich“, erklärt Friedrich, „und andere, die noch ständig unterwegs sind.“

Natürlich, auch die Generationen prallen mal aufeinander. „Ich hatte schon öfter Gespräche, wo ich anderer Meinung war, wie die Kunden“, erklärt Friedrich, vor allem in Corona-Zeiten könne man Politik einfach nicht komplett außen vor lassen. Nicht immer werden sie sich in den Diskussionen einig und das sei auch vollkommen in Ordnung. „Aber es schafft Verständnis“, sagt Friedrich, das auf jeden Fall.

Rasenmähen „keine Arbeit für Mädchen“

Auch die verschiedenen Auffassungen über Geschlechterrollen sorgen schon mal für Irritationen. Erst vor Kurzem seien sie bei jemanden zum Rasenmähen vorbeigekommen. „Das sollte ich dann nicht machen, weil das keine Arbeit für Mädchen ist“, sagt Drexl und lacht. „Ich meinte dann, ich schaffe das schon. Jetzt darf ich das auch ohne Diskussion.“

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Für Drexl ist besonders die Dankbarkeit, die sie erfährt schön und motiviert sie. „Wir bekommen auch mal Schokolade oder Kaffee“, sagt Drexl. Aber nicht nur das: „Viele sind auch einfach froh und so dankbar, dass sie mal mit jemanden reden können.“ Auch mit Jüngeren, setzt Friedrich hinzu, manchmal sogar gerade mit Jüngeren. „Viele der Kunden sind auch froh, dass wir etwas erzählen, was sie von ihren Freunden nicht hören würden.“

Besuch verhindert Schlimmeres

Aber es gibt auch negative Momente. Erst vor Kurzem war Friedrich unterwegs zu einer Frau, die er zu einem Termin fahren wollte. Vor Ort öffnete die Seniorin die Türe aber nicht. „Ich habe unterdrückte Rufe aus der Wohnung gehört“, erklärt Friedrich, der eine Sanitäterausbildung bei der Wasserwacht absolviert hat.

„Mir war dann sehr schnell klar, dass was nicht stimmt.“ Nachdem er den Hausmeister verständigt und gemeinsam mit ihm die Wohnung aufgeschlossen hatte, stellte sich heraus, dass die Seniorin zusammengebrochen war. Der Rettungsdienst wurde verständigt. Inzwischen gehe es der Frau wieder gut. „Aber das war natürlich kein schönes Erlebnis.“

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Trotzdem würden sich sowohl Drexl als auch Friedrich wieder für ein FSJ beim städtischen Fahrdienst entscheiden. Bis August sind die beiden noch im Dienst, danach werden sie ein Studium beginnen. Die Erfahrungen werden sie aber nicht vergessen.

Daten und Fakten zum Fahrdienst

„Pro Woche leisten wir gut 100 Fahrten bei einem maximalen Umkreis von 30 Kilometern“, berichtet Gerlinde Scheitzeneder vom Amt für Soziales auf Anfrage unserer Zeitung, die für den städtischen Fahrdienst verantwortlich ist. Vor allem müssen die Senioren zum Arzt oder zum Einkaufen gefahren werden.

Oft geht es auch zum Therapeuten, zur Krankengymnastik und zur Fußpflege. Wegen Corona ist das allerdings nicht immer möglich. Coronabedingt weggefallen sind zudem Ausflüge, doch Spaziergänge will man den Menschen weiter gern ermöglichen, damit sie ein wenig Kontakt haben. „Wir wollen ja nicht, dass sie zu Hause vereinsamen, wir wollen, dass sie ein aktives soziales Leben haben“, so Scheitzeneder.

Zwei Fahrzeuge stehen zur Verfügung

Zwei Fahrzeuge stehen den Fahrern Hannes Friedrich und Laura Drexl zu Verfügung, ein Ford Tourneo Courier und ein BMW-Mini. Ihr Vertrag läuft noch bis August, ihre Arbeitszeit ist in der Regel von acht bis 17 Uhr.

Zusätzlich bietet das Sozialamt Fahrten zum Rosenheimer Impfzentrum mit einem weiteren Fahrzeug an, für das Badria-Mitarbeiter engagiert wurden. Scheitzeneder freut sich über viel positives Feedback der Senioren. „Sie sind froh über die Möglichkeit, im Auto bequem von einem Ort zum anderen zu kommen. Und natürlich profitieren auch deren berufstätige Angehörige von dem Dienst.“ Wichtig sei, dass Oma und Opa mobil bleiben, dass sie in das alltägliche Leben integriert bleiben, fügt sie hinzu.

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Scheitzeneder nennt den von der Heiliggeist-Spitalstiftung finanzierten Service in Wasserburg „ziemlich einzigartig“, und bei einem Eigenanteil von vier Euro pro Stunde sei er „ausgesprochen günstig“.

Wobei die Fahrer bei Bedarf gerne auch mal mehr leisten als nur für den Transport zu sorgen. So hängen sie zum Beispiel Vorhänge auf. Manchmal, wie bei der älteren Dame, die in ihrer Wohnung zusammengebrochen ist, sei auch ein rascher Hilfseinsatz geboten. „Wir kümmern uns, damit die Leute entsprechend versorgt werden“, erklärt Scheitzeneder.

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