Langsam nimmt die Gastronomie in Haag wieder an Fahrt auf

Einen guten Start in die Biergartensaison verzeichnete Steffi Kunzlmann von „Fichter‘s Kulturladen“ in Ramsau (Gemeinde Reichertsheim), ehe das schlechte Wetter auch hier seine Spuren hinterließ.
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Einen guten Start in die Biergartensaison verzeichnete Steffi Kunzlmann von „Fichter‘s Kulturladen“ in Ramsau (Gemeinde Reichertsheim), ehe das schlechte Wetter auch hier seine Spuren hinterließ.

Die Gastronomie nimmt in der Marktgemeinde wieder Fahrt auf. Ein Lob gilt den verständnisvollen Gästen, so lautet der Tenor unter den Wirten. Unverständnis haben die Gastronomen für die angeordnete Schließung um 22 Uhr. Neben den Einbrüchen durch die Corona-Krise reißt das meist nasse Wetter zur Zeit ein Loch in die Kasse.

Von Ludwig Meindl

Haag – Die Gastronomie nimmt in der Marktgemeinde wieder Fahrt auf. Ein Lob gilt den verständnisvollen Gästen, so lautet der Tenor unter den Wirten. Unverständnis haben die Gastronomen für die angeordnete Schließung um 22 Uhr. Neben den Einbrüchen durch die Corona-Krise reißt das meist nasse Wetter zur Zeit ein Loch in die Kasse.

„Brille läuft an und man schwitzt“

„Bei mir geht’s aufwärts. Die Stimmung ist gut“, teilt Emilio Falcone von der italienischen „Casa Tropea“ an der Münchener Straße mit.

Die italienischen Pizzerien können sich seiner Meinung nach mit Bereitstellen der „beliebten Pizzen und Nudelgerichten“ von Haus aus gut über Wasser halten. Er sei von den langjährigen Gästen gut unterstützt worden, so Falcone.

Der Stammtisch müsse aber erst wieder anlaufen. Das Publikum zeige sich sehr verständnisvoll und befolge die Anweisungen. Anfangs sei er eher skeptisch gewesen: „Die ersten zehn Tage war mir mulmig. Was wird das werden?“ Der einzige „Unfall“ passierte Emilios Lebenspartnerin Caroline, als sie trinken wollte, ohne die bereits gewohnte Gesichtsmaske abzunehmen.

„Wird das Virus erst ab 22 Uhr aktiv?“

Die Maskenpflicht wirkt sich nach Fred Schweiger vom „Graf Ladislaus“ als Arbeitsbehinderung aus: „Die Brille läuft an, man schwitzt hinter dem Mund- und Nasenschutz.“ Erhöhten Aufwand fordern die Hygienevorschriften: Tisch desinfizieren vor her und nachher, Dokumentieren der Gäste in der Liste und Abstand einhalten.

„Manche wollen sich auch nicht in die Liste eintragen“, berichtet er.

„Schwarzgastronomie“ in privaten Kellern

Die Umsätze wie „vor Corona“ seien noch nicht erreicht. Überhaupt sei er bisher nur so gut über die Runden gekommen, weil der Verpächter Verständnis gezeigt habe, so Fred Schweiger. Ein Dorn im Auge ist ihm die „Schwarzgastronomie“ in Kellern oder Garagen von Privatpersonen, wo gegen eine kleine Spende gemeinsam konsumiert wird: „Das hat gravierend zugenommen.“

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Einen Lichtblick sieht er mit Livemusik am kommenden Samstag. Da spielt Paul Stowe irischen Folk auf. Kein Verständnis findet er für die noch geltende Regelung der Sperrstunde um 22 Uhr: „Fängt das Virus da erst das Arbeiten an?“

Nach wie vor unter dem Einbruch der Gäste leidet Katrin Frische vom „Weißbräu-Stüberl“: „Die Leute sind sehr verhalten und organisieren sich lieber privat.“ Dazu wirken sich die Wetterverhältnisse ungünstig vor allem auf den Biergarten aus. Komplikationen treten auf. So wollte eine Witwe den Leichentrunk für ihren verstorbenen Mann abhalten. Die Wirtin konnte auf Anhieb nicht zusagen, denn sie musste beim Landratsamt nachfragen, ob 40 Gäste auf einmal erlaubt sind: „Eine Trauerfeier verschiebt man sich so leicht wie einen Geburtstag.“

Die Abholangebote seien besser ausgefallen als die momentane Anlaufzeit für die Wiederaufnahme des Gaststättenbetriebes nach dem Lockdown, so Katrin Frische: „Wenn ich nicht so nette Gäste hätte, würde ich nicht weitermachen. Aber ich kämpfe für sie.“ Wichtig sei doch, dass sie jetzt wieder kommen und lachen: „Das ist dem Wirt die höchste Freude.“

Corona: Zeit für die Familie

Giuseppe Costanzo von „Il Caminetto“ an der Wasserburger Straße freut sich ebenso, die Gäste wieder persönlich begrüßen zu dürfen, und erteilt ihnen ein Kompliment: „Sie sind sehr behilflich, das Reglement umzusetzen.“

Skeptisch bleibt er gegen der Mehrwertsteuersenkung: „Viel Arbeit, wenig Effekt.“ Die Stimmung beim Personal sei etwas angespannt. Maskenpflicht und zusätzliche Hygienevorschriften einzuhalten, sei nicht so einfach: „Die haben Angst, Fehler zu machen.“ Aus all den Nachteilen der letzten Zeit erkennt Costanzo aber auch Vorteile. Die Gastronomen hätten in der Regel wenig Zeit für die Familie. Das habe sich in der Krise notgedrungen geändert: „Der war jetzt mehr Aufmerksamkeit eingeräumt.“

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