Landschaftspflegeverband umstritten

Bürgermeistersprecher Dr. Karl Dürner (links) und LPV-Geschäftsführer Josef Rüegg warben in Haag fürdie Gründung eines Landschaftspflegverbandes. Foto sb
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Bürgermeistersprecher Dr. Karl Dürner (links) und LPV-Geschäftsführer Josef Rüegg warben in Haag fürdie Gründung eines Landschaftspflegverbandes. Foto sb

Landrat Georg Huber startet einen neuen Versuch, einen Landschaftspflegeverband im Landkreis Mühldorf zu gründen. Im Jahr 2013 hatten sich 20 Gemeinden gegen die Gründung dieses Verbandes ausgesprochen.

Auf der Bürgermeisterversammlung in Haag war das Thema weiter umstritten.

Mühldorf/Haag - Vor zwei Jahren haben sich 20 Gemeinden gegen und neun für die Gründung eines Landschaftspflegeverbandes im Landkreis ausgesprochen. Landrat Georg Huber hat einen neuen Versuch gestartet, einen solchen Verband zu gründen. Unterstützt wird dabei von Bürgermeistersprecher Dr. Karl Dürner, der sich im Bürgersaal des Marktes Haag für die Gründung dieses Verbandes aussprach.

"Die Biodiversität kann keine Gemeinde allein bewerkstellen. Dies gilt auch für die Pflege der Ausgleichsflächen", sagte Dr. Dürner. Die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt gelten als wichtige Grundlagen für das menschliche Wohlergehen. In der Zerstörung und Zerstückelung von Lebensräumen wird die weitaus größte Gefahr für die biologische Vielfalt auf der Erde gesehen".

Größerer Aufwand erfordert Verband

"Die fachgerechte Aufwertung von Ausgleichs- und Ersatzflächen sowie deren kontinuierliche Pflege sowohl für die Gemeinden als auch für den Landkreis wird immer aufwendiger. Aus diesem Grund starte ich nochmals die Initiative, zusammen mit den Gemeinden einen Landschaftspflegeverband zu gründen", erklärte der Bürgermeistersprecher.

Josef Rüegg, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes in Ebersberg, stellte die Aufgaben und Leistungen seines Verbandes im Nachbarlandkreis vor. Landschaftspflegeverbände (LPV) sind Vereine, die sowohl öffentlich-rechtliche Körperschaften als auch anderen Organisationen und Personen offen stehen. Aufgabe eines LPV ist es, die Landschaftspflege in der Region zu koordinieren.

"Der Verband soll Maßnahmen planen und organisieren, um ökologisch wertvolle Flächen zu erhalten, zu pflegen oder neu anzulegen", stellte Rüegg heraus.

In das Aufgabenfeld fällt weiter die extensive Landnutzungsform wie Streuobstanbau, Hüteschafhaltung sowie die Vermarktung gebietstypischer Produkte. Übertragen werden soll dem Landschaftspflegeverband auch die Konzeptionierung und Betreuung der Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen.

Die landschaftspflegerischen Maßnahmen sollen vom Verband mit allein Beteiligten abgestimmt und staatliche und kommunale Zuschüsse beantragt und abgerechnet werden.

Ein Hauptaugenmerk des gewünschten neuen Verbandes ist aber auch die Aufgabe, ökologisch wertvolle Flächen einschließlich der Pufferzonen sowie Flächen für die Schaffung von Biotopverbundsystemen zu sichern.

"Im Normalfall setzt sich die Vorstandschaft paritätisch aus Vertretern der Kommunen, der Landwirtschaft und des Naturschutzes zusammen", sagte der Geschäftsführer.

LPV finanzieren sich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und öffentlichen Fördermitteln. Üblicherweise zahlen Einzelmitglieder einen Pauschalbeitrag, Kommunen einen Beitrag pro Einwohner oder Fläche. Beim LPV Ebersberg sind dies 26 Cent pro Einwohner. Der Landkreis Ebersberg beteiligt sich ebenfalls mit 42 Cent pro Einwohner.

Die Arbeiten, so der Geschäftsführer, erfolgen nicht durch Mitarbeiter des LPV, sondern durch beauftragte Organisationen wie den Maschinenring. "Durch einen LPV ist es möglich, verstärkt staatliche Förderprogramme in Anspruch zu nehmen und so Gelder in den Landkreis zu bringen, die Firmen vor Ort und vor allem Landwirten in Form von Aufträgen zugute kommen", erklärte Rüegg.

Erfahrungen aus anderen Landkreisen zeigen nach Landrat Huber, dass LPV eine große Akzeptanz erfahren, da sie nicht als "Behörde" auftreten und somit von den Grundstückseigentümern eher als gleichgestellte Verhandlungspartner gesehen werden.

Eine Mehrheit bleibt skeptisch

Die Mehrheit der Bürgermeister im Landkreis Mühldorf steht einem Landschaftspflegeverband weiter skeptisch gegenüber. "Ich kann nur dafür werben. Wenn es nicht geht, dann geht es eben nicht", sagte Dr. Dürner.

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