METHANGAS WIRD BEHANDELT

Landkreis Mühldorf baut auf ehemaliger Müllhalde am Schachenwald eine Deponiegasfackel

Ein Blick auf die ehemalige Anlage, mit der das anfallende Deponiegas bisher behandelt wurde. Sie wird durch die neue Anlage, die jetzt gebaut wird, ersetzt.
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Ein Blick auf die ehemalige Anlage, mit der das anfallende Deponiegas bisher behandelt wurde. Sie wird durch die neue Anlage, die jetzt gebaut wird, ersetzt.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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Es „gärt“ noch im Untergrund der ehemaligen Müllkippe im Schachenwald bei Haag. Die Restgase sollen abgefackelt werden. Darum baut der Landkreis Mühldorf als Eigentümer des Areals eine „Deponiegasfackel für Schwachgas“. Man wird sie weder sehen noch riechen, wie das Landratsamt erklärt.

Haag – Gebaut wird die Anlage noch im Februar - sie ersetzt die bestehende. Im Haager Gemeinderat ging es um dieses Vorhaben des Landkreises zur „Errichtung und zum Betrieb einer Deponiegasfackel für Schwachgas an der ehemaligen Deponie Schachenwald“.

Abfackeln ist nachrangige Aktion

Tatsächlich wird das Abfackeln eher eine nachrangige Aktion sein.

Die Gemeinde wurde im September 2020 vom Landratsamt informiert und im Rahmen des immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens als Träger öffentlicher Belange beteiligt. In der aktuellen Ratssitzung wurde das Vorhaben zur Kenntnis genommen.

Deponie seit 1992 geschlossen

Die Deponie Haag-Schachenwald wurde von 1983 bis 1992 mit Hausmüll, hausmüllähnlichen Abfällen, Sperrmüll und Gewerbemüll verfüllt, erklärt die Pressestelle des Landratsamtes auf Nachfrage der Wasserburger Zeitung.

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Insgesamt wurde ein Abfallvolumen von 450.000 Kubikmeter in der Deponie abgelagert. Heute steht auf dem Areal ein Solarpark.

Im Untergrund gärt es noch

Der Abfall im Untergrund „gärt“ noch, das Deponiegas entsteht durch das Verrotten. Das Deponiegas besteht aus Methan, Kohlenstoffdioxid, Sauerstoff und Stickstoff.

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Deren Gasanteile variieren in Abhängigkeit des Deponiealters. „Wir sind gemäß der Deponieverordnung dafür zuständig, das anfallende Gas zu behandeln“, sagt die Sprecherin des Landkreises.

Sickerwasser geht in Kläranlage

Bisher wurde das Gas vor Ort über eine Verwertungsanlage, die nun in die Jahre gekommen ist, verarbeitet. Künftig wird es mit einem Kohlenwasserstoffkonverter vor Ort entsorgt.

Durch Regen bildet sich Sickerwasser in der ehemaligen Müllhalde. Dieses wurde bis Ende 2019 aus den Sickerschächten gesammelt und per LKW zur Entsorgung weggefahren. Seit 2020 wird es über eine Freispiegelleitung über die Kläranlage des Marktes Haag entsorgt.

Schwachgasphase beginnt

Die Behörde habe im Rahmen eines Klimaschutzteilkonzeptes für die Deponie Haag-Schachenwald eine sogenannte Potenzialstudie zur Minderung von Treibhausgasemissionen aus Siedlungsabfalldeponien erstellen lassen. Die Deponie befindet sich am Eintritt in die Schwachgasphase.

Das bedeutet, die Mengen an Gas, die austreten, werden weniger, die Anlagentechnik, die bisher genutzt wurde, um das Gas zu behandeln, ist veraltet.

Methan viel schädlicher als CO²

Laut Landratsamt wird wohl noch mehrere Jahrzehnte Schwachgas anfallen. Würde das einfach so in die Atmosphäre gelangen, hätte dies „erhebliche klimarelevante Auswirkungen“. Besonders Methan sei hier zu nennen, denn es sei um den Faktor 28 klimaschädlicher als Kohlenstoffdioxid.

Das technische Prozedere, das nun zum Einsatz kommen soll, ist eine sogenannte In-situ-Stabilisierung mit einem passiven Belüftungsverfahren (In situ bedeutet am unmittelbaren Ort, Anm. d. Red.). Ziel ist es, eine nachhaltige emissionsarme Deponie zu schaffen, von der keine klimarelevanten Methanemissionen mehr ausgehen, erklärt die Sprecherin des Landratsamtes.

Infolge der In-situ-Stabilisierung werden die Abbauprozesse in der Deponie beschleunigt. Das verkürzt die Deponienachsorge und die Emissionen gehen zurück. „Bis 2050 geht man von einer Emissionsminderung um 58 Prozent aus“, so das Landratsamt.

LANDRATSAMT MÜHLDORF ERKLÄRT DAS „ABFACKELN“:

Wieviel Gas tritt aus?

In den letzten fünf Jahren wurde folgende Gasmengen auf der Deponie Schachenwald behandelt: 2016: 234 892 Kubikmeter, 2017: 154 389 Kubikmeter, 2018: 142 377 Kubikmeter, 2019: 95 109 Kubikmeter, 2020: 79 538 Kubikmeter.

Wie funktioniert das Abfackeln? In welche Stoffe zersetzt sich das Gas? Ist das Verbrennen umweltschädlich?

Das anfallende Deponiegas wird durch thermische Oxidation behandelt. Es handelt sich dabei um eine kontrollierte rückstandlose Verbrennung, bei dem das Methan in Kohlenstoffdioxid umgewandelt wird. Die Treibhausgasemissionen werden dadurch erheblich reduziert. Eine ständige Verbrennung ist nicht vorgesehen, stattdessen wird nur bei Überdruck verbrannt, also insgesamt vielleicht zwei Stunden die Woche.

Warum wird das austretende Gas nicht anderweitig genutzt, etwa thermisch verwertet?

Durch den stetigen Rückgang der Gasmengen sowie der Gasqualität (Gaskonzentration nimmt ab) ist ein wirtschaftlicher Betrieb, z. B. eines Blockheizkraftwerks nicht möglich.

Wird man die Fackel sehen oder riechen? Oder ist das Ganze „eingehaust“?

Die neue Anlage wird in Containerbauform aufgestellt. Die neue Fackel besitzt zum Abgastransport einen Kamin mit zehn Meter Höhe und einer in sich geschlossenen Brennkammer. Eine Flamme ist dabei nicht sichtbar. Eventuell austretende Gerüche wird man nicht wahrnehmen können, da sie sich in der Luft schnell verflüchtigen und Wohnbebauung in der Nähe nicht vorhanden ist.

Was kostet den Landkreis die Installation dieser Fackel?

Rund 115.000 Euro (netto), 50 Prozent davon werden vom Bund gefördert.

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