In alten Bänden geblättert

Kuriose Reaktionen auf Strafzettel: Was vor 25 Jahren in der Wasserburger Zeitung stand

„Wenn ihr meinen Strafzettel nicht zurücknehmt, schmücke ich mein Haus beim nächsten Wasserburger Weinfest nicht mehr“, drohte vor 25 Jahren ein Parksünder aus der Altstadt.
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„Wenn ihr meinen Strafzettel nicht zurücknehmt, schmücke ich mein Haus beim nächsten Wasserburger Weinfest nicht mehr“, drohte vor 25 Jahren ein Parksünder aus der Altstadt.

„Wenn ihr meinen Strafzettel nicht zurück nehmt, schmücke ich beim nächsten Weinfest in der Altstadt mein haus nicht mehr“, drohte vor 25 Jahren ein Parksünder aus Wasserburg. Sachbearbeiter war damals Peter Reinthaler von der Stadtverwaltung. Was 1995 in der 47. Kalenderwoche sonst noch in der Zeitung stand, lesen Sie hier.

Von Laura Hofner

Wasserburg –Nur an wenig Standorten in Bayern werden Auszubildende im Kunststoffsektor ausgebildet – in Wasserburg können sich die Schüler nun wieder an den neuesten Geräten weiterbilden. Wenig lernfähig zeigen sich in der Altstadt die Falschparker, die sich mit allerhand Beschwerden an die Stadtverwaltung wenden. Dies und mehr war in der Wasserburger Zeitung von 25 Jahren zu lesen.

Wasserburg – 16 700 mal zückten letztes Jahr die Wasserburger Parküberwacherinnen und ihr männlicher Kollege ihre tragbaren Erfassungsgeräte und klemmten einen Bußgeldbescheid hinter den Scheibenwischer. Das bedeutet eine Steigerung von 4000 Strafzetteln gegenüber 1993. Die Widersprüche gegen Park-Bußgelder landen bei Sachbearbeiter Peter Reinthaler in der Stadtverwaltung – hier kommen die kuriosesten Begründungen vor. „Wir können nicht dauernd Ausnahmen machen, das wäre eine Ungleichbehandlung“, so Reinthaler. Viele Autofahrer wollten einfach nicht zur Kenntnis nehmen, dass die Parkregeln recht eindeutig sind. So gibt es immer wieder Ärger mit defekten Parkscheinautomaten oder Parkuhren. Dann, so schreibt die Straßenverkehrsordnung vor, vor, muss eine Parkscheibe ins Auto gelegt werden – so informieren auch die Aufkleber, die mittlerweile jeder Wasserburger Parkuhr zieren. Eine Verwarnung wird in der Regel zurückgezogen, wenn eine Bestätigung über einen Notfall vorliegt.

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So einen reklamierte beispielsweise die Besucherin einer Frauenarzt-Praxis für sich, deren Parkuhr abgelaufen war. „Ich spring doch nicht von diesem Stuhl…“, schilderte sie im Beschwerdeschreiben drastisch ihre Not. Ein anderer drohte ganz einfach, künftig beim Weinfest in der Altstadt sein Haus nicht mehr zu schmücken, wenn der Strafzettel nicht zurückgenommen werde.

Die Kunststoff-Formgeber der Berufsschule Wasserburg können jetzt wieder an Geräten ausgebildet werden, die dem neuesten technischen Standard entsprechen. Die Schule hat neue Maschinen im Wert von rund 145 000 Mark aufgestellt. Der Landkreis als Träger der Wasserburger Schule wäre finanziell mit der maschinellen Ausstattung der Kunststoffabteilung längst überfordert. Um die Schüler nach neuestem Stand unterrichten zu können, ist man auf Spenden aus den Ausbildungsbetrieben und von den Maschinenherstellern angewiesen. Rund 110 000 Mark sind die beiden neuen Spritzmaschinen wert, rund 35 000 Mark die Beschickungsautomaten – sie wurden von den Herstellerfirmen leihweise zur Verfügung gestellt. Rund 170 Schüler aus dem Kunststoffsektor in ganz Ober- und Niederbayern kommen nach Wasserburg zur Ausbildung. Insgesamt gibt es in Bayern nur drei Berufsschulen, die diesen Zweig eingerichtet haben.

Weitere Meldungen in der Woche vom 16. bis zum 22. November 1995:

Mannheim – Die SPD hat ihren seit 29 Monaten amtierenden Vorsitzenden Rudolf Scharping gestürzt und sucht mit dem in einer dramatischen Aktion zum neuen Parteichef gekürten saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine die politische Offensive. Aus Begeisterung über die Wahl traten zahlreiche Bürger spontan in die Partei ein.

Washington – Autofahrer in den USA dürfen bald Gas geben. Verhandlungsführer der beiden Kongressparteien haben sich auf ein Gesetzespaket geeinigt, das die bundesweite Geschwindigkeitsbegrenzung von höchstens 108 Stundenkilometern aufhebt. US-Bundesstaaten sollen künftig selbst entscheiden, wie schnell auf Autobahnen gefahren werden kann. Acht US-Bundesstaaten wollen nach Gesetzesbeschluss Geschwindigkeiten von bis zu 125 Stundenkilometern erlauben.

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Lausanne – Physiker in Lausanne haben einen Bildschirm entwickelt, der die Telekommunikationsbranche verändern könnte. Wie der Schweizerische Nationalfonds mitteilte, wurden die extrem flachen „Elektronenkanonen“ im Lausanner Institut für Experimentalphysik entwickelt. Weltweit suchen seit langem Computerhersteller nach Alternativen zu den bisher gebräuchlichen Bildröhren.

Rom – Die römische Kurie hat bekräftigt, dass das Verbot der Zulassung von Frauen zum Priesteramt unwiderruflich sei. Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, ließ eine Erläuterung zu einem päpstlichen Rundschreiben von 1994 verbreiten, das als das letzte Wort der Kirchenführung zu dem Problem gilt. Die Kirche habe nicht das Recht, Frauen die Priesterweihe zu erteilen, weil diese Haltung auf das Wort Gottes zurückgehe.

München – Bei der Jagd auf Gangster setzt der neue James Bond auf bayerische Wertarbeit. Statt wie seine Vorgänger Wagen britischer Nobelmarken zu benutzen, fährt 007 Pierce Brosnan mit Partnerin Isabella Scorupco in einem BMW Z3-Roadster über die Kinoleinwand.

Ein Blick ins Archiv. Das Bild vom Wasserburger Weinfest ist älter als 25 Jahre. Es stammt aus 1970.

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