Kulturell eine ganze Nummer größer

Eine Innbühne, so wie sie für das Wallensteinfestival (Bild) oder die Wasserburger Nächte aufgebaut war, wünscht sich der Kulturkreis, ein Zusammenschluss kulturell aktiver Vereine, Gruppen und Einzelpersonen, als Dauereinrichtung. Dazu, zusammen mit den Fußballern, ein größeres neues Vereinsheim an der Landwehrstraße. Geht nicht ohne die finanzielle Unterstützung der Stadt, sagen die Vereine. Foto re
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Eine Innbühne, so wie sie für das Wallensteinfestival (Bild) oder die Wasserburger Nächte aufgebaut war, wünscht sich der Kulturkreis, ein Zusammenschluss kulturell aktiver Vereine, Gruppen und Einzelpersonen, als Dauereinrichtung. Dazu, zusammen mit den Fußballern, ein größeres neues Vereinsheim an der Landwehrstraße. Geht nicht ohne die finanzielle Unterstützung der Stadt, sagen die Vereine. Foto re

Kino, Theater, Konzerte, Ausstellungen, Tanz, Lesungen, Open-Air-Veranstaltungen, Museen - Wasserburg hat 12500 Einwohner und ein Kulturangebot, das besser ist als in manch deutlich größerer Stadt. "Weil wir viele engagierte Bürger haben, die sich mit ihrer Stadt identifizieren und sich engagieren", wird Bürgermeister Michael Kölbl nicht müde zu betonen.

Und weil die Stadt jährlich über eine Million Euro für kulturelle Belange ausgibt.

Wasserburg - Wer den 250 Seiten starken Stadthaushalt durchblättert, findet unter den 52 Millionen Euro Einnahmen und Ausgaben, die der Stadtkämmerer dort zusammengetragen hat, immer wieder Ausgaben für kulturelle Zwecke. Weit überwiegend im Verwaltungshaushalt, der Auskunft über die laufenden Einnahmen und Ausgaben gibt. Es sind also keine einmaligen Posten, sondern ständig wiederkehrende, selbstverständlich zum städtischen Leben gehörende.

Allein das Museum in der Herrengasse, das Stadtarchiv in der Kellerstraße und die Bibliothek in der Salzburger Straße schlagen heuer mit rund 900000 Euro zu Buche. Allerdings sind da auch die Personalausgaben enthalten. Aber auch 50000 Euro Miete, die für das Archiv an die Heiliggeist-Spitalstiftung zu zahlen sind, 45000 Euro für die Sanierung der Arkaden am Museum und die Erneuerung der dortigen Überwachungsanlage sowie Reparaturen an dem aus dem 15. und 16. Jahrhundert stammenden Gebäude. Oder 30000 Euro für die Sanierung des Wintergartens, gern genutzte Leseecke der Bibliothek. Bei Urkunden und Dokumenten, die bis zu 700 Jahre alt sind, müssen im Stadtarchiv die klimatischen Bedingungen entsprechend sein. Deswegen wurde es vor einem guten Dutzend Jahren in den Schatten des Kellerberges gebaut, deswegen muss jetzt die Regelung der Klimatechnik erneuert werden - für 25000 Euro. 20000 Euro zahlt die Stadt jährlich Miete für Depoträume des Museums, die ihr nicht selber gehören.

Für die Aufgaben dürfte es mehr sein

Für die eigentlichen Aufgaben der drei Institutionen stehen nicht so viel Mittel zur Verfügung, wie es die Leiter vermutlich gerne hätten. Elke Fleischer kann 23000 Euro für Kauf und Unterhalt von Medien für die Bibliothek ausgeben. Sonja Fehler hat 15000 Euro für Restaurierungen und Konservierungen der Museumsbestände zur Verfügung. Und Matthias Haupt kann 20000 Euro für die Restaurierung des Archivgutes einsetzen. Weitere Ausgaben müssen über Spenden oder das Anzapfen passender Fördertöpfe finanziert werden.

"Dem Belacqua wird das Geld doch nachgeworfen" ist ein nicht nur in Kulturkreisen gerne gehörter Vorwurf. Im Stadthaushalt finden sich tatsächlich 103000 Euro für das Kulturforum. Für Reparaturen am Gebäude, für Versicherungen, Abschreibungen, Verwaltungskostenerstattungen und einiges mehr. Allerdings stehen diesen 103000 Euro Ausgaben auch 85000 Euro Einnahmen durch Mieten, Pachten und Umsatzsteuer gegenüber. Die Stadt zahlt also 18000 Euro mehr, als sie einnimmt. 18000 Euro bekommt aber auch der Arbeitskreis 68 von der Stadt, gar 25000 Euro (davon 5000 als Ausfallbürgschaft) der Kulturkreis für die "Wasserburger Nächte".

Erwachsenenbildung ist eigentlich eine Aufgabe des Landes und der Gemeinden. In Wasserburg, wie in ganz Deutschland, übernimmt dies weitgehend die Volkshochschule, ein Verein. Dafür gibt es Mittel von der Stadt. Zum einen zahlt Stadtkämmerer Konrad Doser für die Volkshochschule die Miete für das Bürgerhaus an die Heiliggeist-Spitalstiftung, derzeit 66000 Euro im Jahr. Zum anderen gibt es einen jährlichen Zuschuss von 36000 Euro.

103000 Euro sind im Haushalt für "Musikpflege" vorgesehen, darunter fallen die Rathauskonzerte, die Volksmusiktage, aber auch der Badriazzo und Mittel für die Stadtkapelle. So groß wie 2015 wird die Summe für die Sammlung "Wasserburg aus fünf Jahrhunderten" vermutlich so bald nicht wieder. Von den 64000 Euro sind allein 40000 Euro für die Renovierung der Räume vorgesehen. Wie berichtet zieht die Sammlung aus dem Rathaus ins ehemalige Imaginäre Museum um.

Zuschuss zu Sanierung der Achatzkirche

Im Vermögenshaushalt, der die Investitionen der Stadt umfasst, spielt die Kultur meist eine eher untergeordnete Rolle. Was sich in den nächsten Jahren mit dem Bau des Zentraldepots für das Museum Wasserburg ein wenig ändern wird. 2015 aber ist dort zunächst nur die Planung vorgesehen. 50000 Euro stehen bereit. 15000 Euro schießt die Stadt der Heiliggeist-Spitalstiftung zur Sanierung der Achatzkirche zu. Gerade 40000 Euro stehen für Anschaffungen des Stadtarchivs, der Bibliothek und des Museums zur Verfügung - sei es für Regale, Computer oder Exponate.

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