Kultur im Pop-up-Biergarten: Wasserburg schafft Platz für den Sommer in der Stadt

So sieht ein Pop-up-Biergarten aus – ein Beispiel aus Rosenheim, wo Wirt Korbinian Vogl seinen Gingarten auf Zeit auf der Loretowiese eröffnet hat.
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So sieht ein Pop-up-Biergarten aus – ein Beispiel aus Rosenheim, wo Wirt Korbinian Vogl seinen Gingarten auf Zeit auf der Loretowiese eröffnet hat.

Jetzt gibt es doch noch ein Kultur-Notprogramm im Corona-Sommer 2020 in Wasserburg: Ein Pop-up-Biergarten mit Bühne soll Leben in die Altstadt bringen. Das steckt dahinter.

Von Heike Duczek

Wasserburg – Jetzt gibt es doch noch ein Kultur-Notprogramm im Corona-Sommer 2020 in Wasserburg: Ein Pop-up-Biergarten mit Bühne soll Leben in die Altstadt bringen. Der Wirtschaftsförderungsverband (WFV) hat ihn beantragt, die Eventprofis von SAS, bekannt als Betreiber der Wiesn-Alm auf dem Frühlingsfest, sind als Partner mit im Boot. Der Haupt- und Finanzausschuss gab einstimmig sein Okay.

Zur Erklärung für alle, denen der Begriff neu ist: Pop up heißt auf Deutsch, plötzlich auftauchen – und wieder verschwinden, nach dem Pandemie-Sommer. Aus dem Biergarten wird also keine Dauereinrichtung werden.

Ideales Grundstück am Schopperstattweg

Als Grundstück hat die Stadt dem Haupt- und Finanzausschuss das Gelände am Schopperstattweg vorgeschlagen – dort, wo das Feuerwehrhaus gebaut werden soll. Das dauert bekanntlich noch, 2020 wird nur geplant. Das Areal der Gärtnerei Hirneiß, noch nicht ganz in Besitz der Stadt, wird für diese Übergangsnutzung bereitgestellt. Ein idealer Platz, wie Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) findet: 4000 Quadratmeter leere, ebene Fläche, abgrenzbar, sodass keine unkontrollierten Menschenansammlungen entstehen können, idyllisch gelegen am Inn, mit Abendsonne, ausreichend Parkplätze an der Rampe und im Parkhaus in direkter Nähe. Als Pächter wird der WFV auftreten. Es sollen Konzerte und Theaterabende sowie Kleinkunstveranstaltungen stattfinden. Dazu ein Biergarten zum Sitzen, Trinken, Essen.

Besteht Gefahr der Konkurrenz für Wirte?

„Wird mit einem solchen Angebot nicht den Wirten in der Altstadt Konkurrenz gemacht?“, fragte SPD-Fraktionsvorsitzende Friederike Kayser-Büker. „Da sollten wir uns nichts vormachen“, deutete sie – trotz Begeisterung für das Konzept – eine Problematik an. CSU-Fraktionsvorsitzende Heike Maas findet, jetzt komme es auf ein geschicktes Marketing an. Der WFV und die Stadt müssten nach außen signalisieren: „Wir schaffen Platz für Gäste“ – in der ganzen Stadt. Der Pop-up-Biergarten sei in diesem Zusammenhang nur eins von vielen Angeboten, die Gaststätten und Kneipen müssten mit ins Boot geholt werden beim „Sommer in der Stadt“.

Bürgermeister Michael Kölbl zeigte sich überzeugt, der WFV als Hauptantragsteller habe die Gesamtstadt im Auge. Er vertrete schließlich auch die Interessen der Wirte und wisse deshalb mit Sicherheit, was er tue, wenn er einen Pop-up-Biergarten beantrage. Dieser soll Gäste anziehen – als weiterer Anker, in der Hoffnung, dass die Stadt als Ausgeh-Ort in Coronazeiten bekannt wird und Gäste wiederkommen – zum Einkaufen, Essen, Kneipenbesuch.

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Beim Gastronomieangebot im Pop-up-Biergarten empfahl Steffi König (Grünen) darauf zu achten, nicht den Speisekarten der Restaurants und Imbisslokale Konkurrenz zu machen. Ihr Vorschlag: Gegrilltes, das gebe es in Wasserburg noch nicht oft.

Vor allem regionale Künstler treten auf

„Total spannend“ findet sie das neue Angebot am Schopperstattweg. Vor allem regionale Künstler sollten dort eine Auftrittschance erhalten, was auch in den Beschluss aufgenommen wurde. Aber auch professionelle Bands als Highlight könnten kommen, hieß es. Kulturreferentin und Dritte Bürgermeisterin Edith Stürmlinger (Bürgerforum) zeigte sich ebenfalls begeistert. WFV und Stadt, die im Vorfeld viele Gespräche zur Abstimmung geführt hatten, haben nach ihrer Meinung „sehr schnell und flexibel“ auf das weiter bestehende Verbot von größeren Veranstaltungen reagiert. Stürmlinger findet, den Sommer über müsse die Kommune mit den Künstlern weiter im Gespräch bleiben. Vielleicht gehe noch mehr: Doch noch eine Bühne hinter der Frauenkirche, doch noch kleine Konzerte in den Altstadtgassen?

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Die Stadt will helfen, denn die Kulturszene ist neben der Gastronomie nach Überzeugung von Kölbl die mit am stärksten betroffene Berufssparte. Viele Kulturschaffende hätten null Aufträge – seit drei Monaten. Eine Chance gebe es nur durch Auftrittsmöglichkeiten im Freien – in abgrenzbaren Bereichen, in denen Abstandsregelungen und Hygieneauflagen eingehalten und kontrolliert werden könnten.

Badria-Festplatz: Hier fehlt das Ambiente

Eigentlich sollte der Biergarten auf Zeit mit Bühne auf dem Frühlingsfestplatz am Badria aufgebaut werden. Das Gelände ist jedoch zu weit von der Altstadt entfernt, würde die Besucher herauslocken aus dem Kern. Und es ist ungeeignet für die Schaffung eines Biergartenambientes. Deshalb nun der Wechsel zum neuen Standort für das Feuerwehrhaus.

Innerhalb von nur zwei Wochen hatte die Stadt gemeinsam mit dem WFV und SAS „mit heißer Nadel“, so Kölbl, den Rahmen gesteckt. Nun gelte es, schnell zuzustimmen, denn die Zeit dränge. Der Pop-up-Biergarten soll von Juli bis September öffnen. Und es gibt noch viel zu organisieren. Das Angebot hat übrigens nichts zu tun mit dem Biergarten hinter dem TSV-Heim, der eine feste Einrichtung werden soll. Die Betreiber haben ihr Projekt coronabedingt auf 2021 verschoben, berichtete der Bürgermeister.

„Frühlingsfest light“ ist vom Tisch

Der Pop-up-Biergarten unterliegt einer Reihe von Auflagen. Der Veranstalter muss ein Hygienekonzept ausarbeiten, Kayser-Büker forderte auch ein Sicherheitskonzept ein. Auch an den Lärmschutz wird gedacht, denn es gibt Nachbarn in der Nähe. Die Stadt stellt für die Herstellung des Platzes und der Infrastruktur einen Betrag von 15 000 Euro bereit. Dieser entspricht in etwa dem Gegenwert der Bauhofleistungen für die im Jahr 2020 ausfallenden Veranstaltungen.

Das „Frühlingsfest ligth“ in der Altstadt ist übrigens Geschichte. Das Interesse der Schausteller war zu gering. Trotzdem wird der Sommer in der Stadt bunt und lebendig, ist der Ausschuss überzeugt. Nur einen anderen Namen fordert Sepp Baumann (Freie Wähler Reitmehring/Wasserburg) für den Biergarten ein. „Gibt`s da nicht was Bayerisches?“, fragte er an. Mal sehen, was im Marketingkonzept stehen wird. „Summer in the city mit Pop-up-garden“ wohl eher nicht.

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