GEGEN CORONA-BLUES

Künstler-Duo aus Wasserburg nutzt Zwangspause und veröffentlicht Buch „Das Haus der Uhren“

Alles dreht sich um Zeit und Ordnung in dem neuen Buch „Das Haus der Uhren“ von Ilona Picha-Höberth. Die märchenhaften Illustrationen (unser Bild) stammen von ihrem Mann Gerhard Höberth.
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Alles dreht sich um Zeit und Ordnung in dem neuen Buch „Das Haus der Uhren“ von Ilona Picha-Höberth. Die märchenhaften Illustrationen (unser Bild) stammen von ihrem Mann Gerhard Höberth.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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Die Corona-Zwangspause ist der Grund, warum Geschichtenerzählerin und Autorin Ilona Picha-Höberth aus Wasserburg plötzlich Zeit hat, ein Märchenbuch herauszugeben. „Das Haus der Uhren“ ist eine zauberhafte Geschichte über den Wert der Zeit. Für die richtige Stimmung sorgen die Illustrationen von Gerhard Höberth.

Wasserburg – Eine Geschichte, die sich um den Wert der Zeit dreht, darum, dass alles seine Ordnung hat und es jedem gut geht, die hat Ilona Picha-Höberth mit „Das Haus der Uhren“ schon vor zwei Jahren geschrieben. Dann lag sie in der Schublade. Ausgerechnet Corona ist der Grund, warum jetzt daraus ein Märchenbuch mit zauberhaft atmosphärischen Illustrationen wird. Weil Picha-Höberth ausgebremst ist. Die Zeit der Zwangspause wird genutzt.

Im Haus von Kriselda Kronos hat alles seinen Platz – so auch die Mäuse, die nachts den Küchenboden nach Essbarem absuchen.

Corona bringt das Zeitgefühl aus dem Tritt

Das Buch kommt genau richtig. Jetzt haben viele Menschen das Gefühl, dass die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus ihr Zeitgefühl aus dem Takt gebracht hat. Gefühlt seit Jahren verharrt die Gesellschaft in einer Starre, der innere Taktgeber ist aus dem Tritt geraten. Alles wartet, dass das Leben wieder „normal“ wird. Während des Wartens vergeht die Zeit langsamer. So fühlt es sich zumindest an.

Sind ein gutes Team: Ilona Picha-Höberth und ihr Mann Gerhard Höberth. „Bei uns prallen Ideen und Temperamente aufeinander“, lacht die Autorin.

Die „zähe Zeit“ vergessen

Taucht man in ein Buch ein, erliegt seinem Bann, ist Zeit plötzlich keine Kategorie mehr. Das ist das Schöne an einem Lese-Erlebnis – dass man mittendrin ist. Immersion (immersio, Latein für eintauchen, Anm. d. Red.) nennt die Psychologie dieses Phänomen.

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„Das Haus der Uhren“ hat gute Chancen, die „zähe Zeit“ für den Moment vergessen zu machen. Amelie, das Waisenkind, wächst bei der älteren Dame Kriselda Kronos auf und lebt mit ihr in einem Haus, in dem es sehr viele Uhren gibt, die täglich aufgezogen werden müssen. Die gutmütige Köchin Berta Blumenthal führt in der Küche das Regiment und Karl Krowalski ist der Hausmeister.

Die fertige Geschichte muss man loslassen

„Der ehemalige Obdachlose arbeitet als Kalfaktor in dem großen Haus. Kriselda Kronos gab ihm dem Job und brachte damit Struktur in sein Leben“, erklärt Ilona Picha-Höberth und sagt, worum es in ihrer Geschichte geht: Dass jeder seinen Platz hat. Und alles läuft, wie es soll: Die Zeit in den Uhren, das Leben der Figuren. Sogar die Mäuse dürfen sich nachts in der Küche gefahrlos ihre Happen suchen. „Im Haus der Uhren geht es jedem gut, jedem wird sein Dasein zugestanden“, so die Autorin.

Unterschiedliche Temperament

Wenn sie eine Geschichte schreibe, habe sie dazu natürlich ein eigenes Kopfkino, so Picha-Höberth. „Aber in dem Moment, wo sie fertig ist, muss ich sie loslassen. Der Leser hat dann seine eigenen Bilder im Kopf.“ Hier übernimmt dann Ehemann Gerhard. Er haucht den Figuren und den Räumen, die der Fantasie seiner Frau entspringen, Leben ein und zeichnet sie für das Hardcover-Buch, das geeignet ist für Groß und Klein. „Es ist ein Märchen, nicht nur für Erwachsene“, schmunzelt Gerhard Höberth.

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Wenn er zu entwerfen beginnt, prallen Vorstellungen und Fantasien der beiden Kreativen aufeinander. Bisweilen führt das zu Diskussionen, denn jeder ist in seiner Gedankenwelt. Unterschiedliche Temperamente, die sich am Ende doch einig werden. Sie sind seit 30 Jahren ein Paar und seit 20 verheiratet. Mit den Jahren haben sich herausgestellt, das Kontrastieren, „das geht sehr gut zusammen“.

3D-Projektionen für „Wasserburg leuchtet“

Der studierte Philosoph ist in der Region unter anderem als Videokünstler angesehen. So kennt wohl jeder in der Stadt seine beeindruckenden 3D-Projektionen von „Wasserburg leuchtet“. Seinen Experimenten am Computer seit den frühen 1990er Jahren ging eine Zeit als „konventioneller Künstler“ voraus, etwa mit Grafiken, Ölmalerei oder der Temperatechnik. Geld verdiene er derzeit mit Illustrationen und einem Beratervertrag für ein Philosophiebuch.

Man lernt, finanziell auf Sicht zu fahren

Für das gemeinsame Projekt mit seiner Frau fertigt er seine Zeichnungen – am Tablet. Gerade hat er die letzten digitalen „Pinselstriche“ an der Szenerie in der nächtlichen Küche im „Haus der Uhren“ gezogen. Die Mäuse tun sich gütlich an dem, was tagsüber auf den Boden gefallen ist. Ein vorwitziger Nager wagt sich näher an den Betrachter des Bildes heran und scheint Blickkontakt zu suchen.

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Gut zwei Monate werden die Illustrationen noch in Anspruch nehmen, das Lektorieren vermutlich noch einmal die gleiche Zeit.

Eigener Verlag

Das Wasserburger Künstler-Duo bringt das Werk in seinem eigenen Verlag Creastro heraus. Gegründet wurde der „Autoren-Verlag“, „weil wir Bücher so verlegen wollen, wie es der Autor möchte, nicht der Verlag. Gerne geben wir unser Know-how her, wenn gewünscht. Aber Schreiben ist eine Seelensache – und die muss man noch erkennen können, wenn der Lektor dran war“, so Picha-Höberth.

Durch Corona ist die Autorin und Geschichtenerzählerin „komplett ausgebremst“. Staatliche Unterstützung habe sie kaum beantragt. „Etwa bei den Novemberhilfen sind die Antragshürden viel zu hoch. Zwischendurch bekamen wir mal drei Monate lang Soforthilfe aus der Künstlersozialkasse“, so die Wasserburgerin, die auch für Vorträge im Bereich der Erwachsenenbildung gebucht wird.

Nüchtern sagte sie, die Bildungsstätten werden wohl noch einige Zeit brauchen, sich zu ordnen, bis sie wieder fremde Dozenten engagieren. Auch ihr Bücherverkauf, der oft an Lesungen oder Führungen gekoppelt sei, laufe seit dem Lockdown leider nur noch schleppend.

Zuversicht als Grundhaltung

Dennoch ist das Ehepaar ruhig und zuversichtlich – eine Grundhaltung der beiden. „Als Künstler hat man ja gelernt, mit Ups und Downs klar zu kommen“, sagt sie. Ihr Mann ergänzt, „man trainiert sich selbst darauf, finanziell immer auf Sicht zu fahren“. Der Rückzug ins Private aufgrund der Corona-Maßnahmen sei keine Herausforderung.

STADTFÜHRUNGEN MIT ILONA PICHA-HÖBERTH:

Ilona Picha-Höberth ist als Stadtführerin das bekanntere Gesicht des Wasserburger Künstler-Duos der Höberths. Nicht langatmige Erläuterungen zum Rathaus oder anderen historischen Bauten der Altstadt stehen im Vordergrund, wenn sie gemeinsam mit der Stadtentdeckerin Irene Kristen-Deliano die Teilnehmer einlädt, „Wasserburg mit anderen Augen“ zu sehen. Es gibt Mystisches, Gruseliges und Fabelhaftes zu erfahren. „Wasserburg mit anderen Augen sehen – Geschichte webt sich in Geschichten“ so heißt das Buch, das die beiden Frauen im vergangenen Herbst herausgebracht haben – die Illustrationen stammen aus der Feder von Gerhard Höberth.

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