Kritik am System

Elisabeth Scharfenberg (Dritte von rechts) mit Geschäftsführer Heiner Kelbel (links), Petra Oberndorfer (Zweite von links) und Vertretern der "Grünen" im Geriatriegarten. Foto Bauer
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Elisabeth Scharfenberg (Dritte von rechts) mit Geschäftsführer Heiner Kelbel (links), Petra Oberndorfer (Zweite von links) und Vertretern der "Grünen" im Geriatriegarten. Foto Bauer

Ihren Frust über die Unterfinanzierung der Geriatrie luden die Verantwortlichen der Haager Klinik bei Elisabeth Scharfenberg, Bundestagsabgeordnete der Grünen im Gesundheitsausschuss, ab. Sie informierte sich bei einem Besuch in Haag.

Haag - Das Zentrum für Altersmedizin an der Haager Klinik hat bekanntlich Probleme: "Wenn wir nicht aus anderen Bereichen Überschüsse erwirtschaften, steht es um die Geriatrie schlecht", so die Bilanz des Geschäftsführers der Kreiskliniken, Heiner Kelbel. Er verwies auf die gute Auslastung von 95 Prozent: "Mehr Effizienz ist nicht drin." Die Patienten würden aber von den Krankenkassen gesteuert: "Wenn Burghausen um zwei Euro günstiger ist, kommen alle dorthin", zeigte er sich überzeugt.

Nur 30 Millionen gebe das Land Bayern für die Geriatrie aus. Von 1996 bis 2008 sei der Pflegesatz gleich geblieben. Es liege am Gesetzgeber und an den Kassen, dass nicht kostendeckend gearbeitet werden könne. Der Bedarf für geriatrische Angebote steige jedoch, so Kelbel.

Die Rehabilitationspatienten in Haag kämen aus dem Landkreis, die Patienten für die anderen Bereiche auch von anderswo. Die Kliniken Mühldorf und Haag verbuchten steigende Fallzahlen. Die Kassen wollten aber bestimmte Leistungen nicht zahlen: "Das ist uner großes Problem."

Höchstes Ziel sei das Vermeiden von Pflegebedürftigkeit, betonte Elisabeth Scharfenberg, zuständig für Pflege- und Altenpolitik. Sie erinnerte jedoch auch daran, dass im europäischen Vergleich Deutschlands Gesundheitssystem bestens abschneide und die höchste Rate beim Arzt-Patienten-Kontakt habe.

Pflegedienstleiterin Petra Oberndorfer sprach die reduzierte Verweildauer im Akutkrankenhaus an. Danach könnten die älteren Patienten jedoch nicht immer heimgeschickt werden. So mache das eine Zwischenstation im Pflegeheim nötig. Doch jeder Wechsel werde für alte Menschen zur Herausforderung.

Die hohen Ausgaben verursache die Apparatemedizin mit Doppeluntersuchungen, war sie überzeugt. Leistungen per Knopfdruck seien leicht zu dokumentieren, nicht aber der fachgerechte Umgang mit dem Patienten. Die Punkterechnerei und Nachprüfung um schriftliche Dokumentationen solle man sich sparen und mehr Zeit für den Patienten einplanen.

Kreisrätin Kathrin Henke erinnerte an den Kampf um die Haager Geriatrie. Jetzt müsse man finanziell umschichten. Das wirke sich schlecht für Gesellschaft, Patienten und Landkreis aus. Das System der Kassen wirtschafte oft am Bürger vorbei: "Da könnte ich auf die Barrikaden steigen." Von "unheimlich viel Geld" in der Verwaltung, das nicht beim Patienten ankomme, sprach Fraktionskollege Peter Uldahl.

Das Fazit der Abgeordneten: Sie wolle in den zuständigen Gremien ein Bewusstsein für diese Problematik schaffen und die Bedeutung von geriatrischer Rehabilitation unterstreichen. xy

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