Aus für Kreuzwirt in Albaching - Und wieder stirbt ein Wirtshaus

Der Kreuzwirt in Albaching: Die Tage des Traditionswirtshauses sind wohl gezählt. Wenn Gemeinderat und Landratsamt grünes Licht geben, soll das Gebäude abgerissen werden. An der Stelle soll ein Mehrfamilienwohnhaus entstehen.
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Der Kreuzwirt in Albaching: Die Tage des Traditionswirtshauses sind wohl gezählt. Wenn Gemeinderat und Landratsamt grünes Licht geben, soll das Gebäude abgerissen werden. An der Stelle soll ein Mehrfamilienwohnhaus entstehen.
  • vonIrmi Günster
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Das Aus für den Kreuzwirt ist so gut wie besiegelt: Die Privat-Brauerei Gut Forsting e.G. will die Traditionswirtsgaststätte an der Kreuzstraße in Albaching abreißen. Mit der Planung der Brauerei für ein neues Gebäude kann sich der Gemeinderat allerdings nicht anfreunden.

Albaching – Das Traditionswirtshaus Kreuzwirt in Albaching soll abgerissen werden: Die Eigentümerin, die Privat-Brauerei Gut Forsting e.G., will an der Stelle ein Mehrfamilienhaus mit zwölf Wohneinheiten, einer Tiefgarage und sieben Stellplätzen bauen. Der entsprechende Antrag lag dem Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung vor.

Bürgermeister Rudolf Schreyer (GWA) erklärte zunächst, dass es für diesen Bereich keinen Bebauungsplan gebe.

Zahl der geplanten Stellplätze sorgt für Bedenken

Als grundsätzlich positiv beurteilte Jessica Vital-Robarge (GWA) das Vorhaben, da hier eine größere Zahl von Wohnungen entstehen würde, die der Ort gut gebrauchen könnte. Auch über den angedachten Spielplatz freute sich die Rätin. „Das Thema mit den Stellplätzen wird aber ein Problem“, befürchtete sie. Auch wenn die geplante Anzahl rechtlich einwandfrei und theoretisch möglich wäre, so werde es mit dem Parken in diesem Bereich „einen Riesenärger“ geben, prophezeite sie. Es sei bereits jetzt „offensichtlich, dass das nicht gut gehen wird.“ Daher riet sie dringend, nochmals mit dem Bauwerber zu sprechen.

Plan so nicht befürworten

Bürgermeister Schreyer vermutete, dass die Brauerei wohl bei der Planung von der Rechtssituation ausgehe und diese die Details, wie in dem Antrag beschrieben, zulasse.

Marlene Langmeier (GWA) stufte die Anzahl der Wohneinheiten als problematisch ein, es seien zu viele auf einem Platz. Man müsse damit rechnen, dass rund 30 Leute ziemlich zeitgleich dort einziehen; dabei gelte es auch, die Situation für die Nachbarn zu berücksichtigen. Wie ihre Ratskollegin hatte auch sie ihre Bedenken wegen der Zahl der Stellplätze. Sie regte an, über eine Stellplatzsatzung nachzudenken. „So wie der Plan jetzt vorliegt, kann ich ihn nicht befürworten“, stand für sie fest.

Der Bürgermeister stimmte ihr zu, „aber wir sollten wissen, was wir fordern“. Bezüglich der Stellplatzsatzung wollte er sich noch nicht festlegen. Außerdem könnte es für einzelne Bereiche problematisch werden, wenn die Satzung dann für das gesamte Gemeindegebiet gelte.

Eine solche „gäbe der Gemeinde Sicherheit“, war Marlene Langmeier indes überzeugt.

Grundsätzlich könne man über dieses Thema schon reden, erwiderte Jessica Vital-Robarge auf diesen Vorschlag, aber für das aktuelle Bauvorhaben würde sie in jedem Fall zuerst das Gespräch mit der Brauerei suchen. Wenn es eine Satzung geben soll, dann müsse der Rat auf jeden Fall „gut abwägen“, inwiefern andere Gemeindebereiche ebenfalls davon betroffen seien.

Helmut Walpertinger (GWA) war die geplante Tiefgaragenauffahrt zu steil. Wenn dies nicht praktikabel sei, werde schnell woanders geparkt, befürchtete er.

Für Bernhard Mayer (GWA) war es „logisch“, dass die Brauerei versuche, „das Maximale herauszuholen“. Aber die Gemeinde sollte seiner Meinung nach das „entzerren“. Ansonsten sehe auch er Probleme auf Albaching zukommen.

Aktuell eine Pizzeria beim Kreuzerwirt

Ratskollege Andreas Heinz (GWA) fand es „schade, dass die alte Wirtschaft, die aktuell eine Pizzeria beherbergt, verloren geht“ und befürchtete ebenfalls, wie auch die Mehrheit im Ratsgremium, dass die umliegenden Straßen zugeparkt werden könnten. Daher sollte die Gemeinde zwei Stellplätze pro Wohneinheit fordern.

Gemeinderat sieht für mehrere Details noch Änderungsbedarf

Dafür, „unbedingt das Gespräch zu suchen“, sprach sich auch Brigitte Voglsammer (GWA) aus. Sie meinte, es seien „beengte Verhältnisse“ zu befürchten, daher müsse „unser oberstes Ziel die Entzerrung sein“.

Einen anderen Ansatz verfolgte Zweiter Bürgermeister Sebastian Friesinger (GWA): Bisher habe man sich in Albaching „immens“ für die Dorferneuerung und eine „dörfliche Struktur“ eingesetzt. Daher wolle er nun prüfen lassen, ob die Aufstellung eines Bebauungsplans für das gesamte Areal vom Kreisverkehr beim „Kreuzwirt“ bis zum Sportplatz möglich wäre. Dann nämlich habe dort „die Gemeinde das Sagen“, stellte er fest.

Fazit: In mehreren Details der Bauplanung befürchtete die Mehrheit des Gremiums Probleme und sieht noch Klärungs- und Änderungsbedarf. Deshalb soll die Gemeinde nochmals das Gespräch mit dem Bauwerber suchen. Dabei soll es vor allem um die Anzahl der geplanten Wohnungen und der Stellplätze gehen.

Das Gremium war sich einig und vertagte den Tagesordnungspunkt.

Das sagt der Eigentümer des Gebäudes

Ein Gespräch mit Georg Lettl, Vorstandsmitglied der Privat-Brauerei Gut Forsting e.G.:

Ist der Kreuzwirt schon geschlossen?

Georg Lettl: Nein, das Wirtshaus wird derzeit als Pizzeria betrieben. Wir warten auf jeden Fall mit der Schließung, bis wir eine Baugenehmigung haben. Das liegt in der Hand der Gemeinde, beziehungsweise des Landratsamtes.

Aber der Pächter ist informiert?

Lettl: Er war der Erste, den wir über unsere Pläne informiert haben.

Was ist der Grund für das Aus?

Lettl: Das Gebäude ist in keinem guten baulichen Zustand, für einen langfristigen Betrieb müssten wir ziemlich viel investieren. Dann müssten wir die Pacht erhöhen, aber das gibt die Gastronomie mittlerweile leider nicht mehr her.

Es stirbt also wieder eine Wirtshaus in einem bayerischen Ort…

Lettl: …ja, leider, zudem eins von einer Brauerei. Das ist traurig, aber ich kann das Weltgeschehen nicht umdrehen…

Wie sieht die Situation aus für die anderen Gasthöfe der Brauerei?

Lettl: Wir betreiben derzeit vier Gaststätten. Eine ist an einen Motorradclub als Vereinsheim verpachtet. Unser Brauereigasthof in Forsting läuft sehr gut, er wurde durch die Corona-Krise natürlich auch gebeutelt; in Steinhöring betreiben wir ein Bierstüberl, auch das läuft.

Worin sehen Sie den Grund für das Wirtshaussterben in Bayern?

Lettl: In den letzten 30 Jahren hat sich die Wirtshauskultur völlig verändert. Früher waren die Stammtische ständig besetzt, die Leute haben abends ihr Bier getrunken und geratscht. Heute gehen die Leute noch ab und an zum Essen, aber den abendlichen Wirtshausbesuch gibt es so nicht mehr. Die Schwerpunkte liegen bei Taufen, Hochzeiten oder Bestattungen, dann geht’s zum Wirt.

Inwieweit spielen behördliche Auflagen eine Rolle?

Lettl: Das zeigt sich beim Kreuzwirt. Wir müssten viel Geld in die Hand nehmen – bis zu einer halben Million Euro, um die bauliche Substanz zu sanieren, aber auch Auflagen wie den Brandschutz zu erfüllen.

Interview: Ulrich Nathen-Berger

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