"Kraglinger Spange" wird angepackt

Immer wieder preschen Autos den begrünten Erdwall am Ende der Staatsstraße 2095 hinauf, da die Autofahrer einfach zu schnell für die anschließende Haarnadelkurve sind. Bremsspuren und tiefe Rillen in der Erde sprechen eine deutliche Sprache. Nun ist ein Ende in Sicht, das Projekt "Kraglinger Kreuzung" soll angepackt werden. Foto schlecker
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Immer wieder preschen Autos den begrünten Erdwall am Ende der Staatsstraße 2095 hinauf, da die Autofahrer einfach zu schnell für die anschließende Haarnadelkurve sind. Bremsspuren und tiefe Rillen in der Erde sprechen eine deutliche Sprache. Nun ist ein Ende in Sicht, das Projekt "Kraglinger Kreuzung" soll angepackt werden. Foto schlecker

Nicht nur etliche Schloßberger, auch so manchen Autofahrer wird diese Meldung freuen. Wie Baudirektor Christian Rehm vom Staatlichen Bauamt in Rosenheim den Stephanskirchener Gemeinderäten in der jüngsten Sitzung bestätigte, ist das Straßenbauprojekt "Kraglinger Spange" jetzt in die höchste Dringlichkeitsstufe gerutscht.

Damit ist ein Ende der 180-Grad-Kurve am Abschluss der Staatsstraße 2095 in Stephanskirchen in Sicht. Bürgermeister Rainer Auer und mit ihm die Mehrheit im Gemeinderat sind sich sicher: "Das bedeutet eine große Entlastung für die Schloßberger Bürger."

Stephanskirchen - Seit dem Jahr 2011 wird an einer Lösung dieser merkwürdigen Verkehrsführung herumgedoktert. Das Verkehrsprojekt "Kraglinger Spange" war nur in der Kategorie "1 Reserve", also nicht in der höchsten Priorität des Ausbauplans für Staatsstraßen in Bayern. Mehrfach hatten sich die Stephanskirchener für die höchste Dringlichkeitsstufe ausgesprochen, schließlich regte das Staatliche Bauamt in Rosenheim an, diese Baumaßnahme doch als kommunale Aufgabe im Rahmen einer sogenannten "Sonderbaulast" durchzuführen. Somit hätte es auch Zuschüsse vom Freistaat gegeben. Doch dagegen wehrten sich die Gemeinderäte vehement. Bürgermeister Auer: "Der Bau von Staatsstraßen ist nicht Aufgabe einer Kommune. Dahinter stehe ich bis heute." So wurde ausführlich im Stephanskirchener Kommunalparlament hin und her diskutiert und mit zwei Beschlüssen im Jahr 2012 das "Nein" mit großer Mehrheit zum Ausdruck gebracht.

Damit ruhte die Sache, bis der Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner (CSU) bei den zuständigen Stellen im Ministerium nachfragte, wie es denn eigentlich zu dieser eigenartigen Verkehrsführung kommen konnte. Schnell wurde klar, dass das kein "gottgegebener Zustand" sein müsse. Stöttner: "Im Tausch mit einem anderen Projekt, das nicht zustande kam, konnte ich die Kraglinger Spange durchsetzen." Das sei zwar kein Patentrezept für die Zukunft, sondern eine einmalige Angelegenheit, aber er freue sich, dass es geklappt hat: "Bayernweit gibt es nur noch ein einziges weiteres Beispiel für einen solchen Tausch. Nutznießer werden Autofahrer und Schloßberger sein."

Baudirektor Christian Rehm wird nun ein Konzept ausarbeiten und dieses dann im ersten Quartal 2016 in Stephanskirchen zur Beratung vorlegen. "Wir haben jetzt einen Planungsauftrag, der mehrere Punkte umfasst", erklärte er den OVB-Heimatzeitungen auf Anfrage. "Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie werden nun neben weiteren Parametern und Grundlagen folgende Werte ermittelt: Verkehrsströme und -zahlen, Varianten zur Trassenführung und die Gestaltung der zwei Knotenpunkte", so der Baudirektor. Dann werde es zu einem Abstimmungsprozess kommen. Der Rathauschef hofft auf eine Variante, die möglichst kurz ist, um wenig Fläche zu verbrauchen. Er setzt auf eine Anbindung der Staatsstraße 2095 zwischen Gehering und Entleiten an die Staatsstraße nach Wasserburg.

Rainer Auer sieht dieses Verkehrsprojekt als großen Schritt zur verkehrlichen Entlastung in Schloßberg, stellt allerdings sofort klar, dass damit nicht gewissermaßen durch die Hintertüre die umstrittene "dritte Innbrücke" salonfähig gemacht werden soll. "Wir sind und bleiben dagegen." Das sei auch in der Gemeinderatssitzung von einigen Räten so angesprochen worden.

Auch Baudirektor Rehm stellt klar, dass es in der vergangenen Sitzung durchaus einige Bedenken in dieser Richtung gegeben hätte, aber er betont, dass sein Amt weder vom Land noch vom Bund einen Planungsauftrag dafür habe. Die "dritte Innbrücke" sei nicht im Bedarfsplan der Bundesfernstraßen, sei nicht im Ausbauplan des Staatlichen Bauamtes und vor allem sei sie nicht in der aktuellen Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans aufgeführt.

Rehm will sein Augenmerk auf die aktuellen Verkehrsprojekte richten, die derzeit anstehen.

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