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„Es war ein sehr großer Konflikt“

Gedenkabend mit bedrückendem Ausgang: Isener Ehrenbürger entpuppt sich als NSDAP-Mitglied

Zeno Pfest.
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Zeno Pfest.

Vor 40 Jahren ist der Isener Ehrenbürger Zeno Pfest gestorben. Schriftsteller Leonhard M. Seidl hat aus diesem Anlass einen Gedenkabend organisiert. Dabei stieß er auf die NS-Vergangenheit des verstorbenen Rektors und Heimatforschers. Seidl stand damit vor einem Konflikt.

Von: Anne Huber

Isen – Vor 40 Jahren ist der Isener Ehrenbürger Zeno Pfest gestorben. Schriftsteller Leonhard M. Seidl hat aus diesem Anlass einen Gedenkabend organisiert, um an die Verdienste des Rektors und Heimatforschers zu erinnern.

Dass er dabei auch auf einen Teil der Biografie des Geehrten zu sprechen kam, die man nicht nur in Isen noch immer gern unter den Teppich kehrt, kam für die Zuhörer überraschend.

Denn Pfest, der mit dem Kulturpreis des Landkreises und dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, passionierter Turner, Sänger und Dirigent der Isener Liedertafel war, war nicht nur ab 1933 so genanntes einfaches Mitglied der NSDAP. Er war 1938 Propagandaamtsleiter in Mühldorf und im letzten Kriegsjahr NS-Führungsoffizier, deren Funktion es war, den Durchhaltewillen der Soldaten zu stärken.

Zeno Pfest wurde als minderbelastet eingestuft

Pfest, der ein Jahr in Ludwigsburg interniert war, wurde trotzdem lediglich als minderbelastet und als Mitläufer eingestuft und konnte ab 1948 wieder als Lehrer arbeiten, so Seidl.

Dass Pfest, nach dem eine Straße in Isen benannt ist, Nationalsozialist war? Dazu habe man nichts Konkretes gewusst, sagt Franz Wenhardt, der den Arbeitskreis Heimatpflege und Kultur leitet und das Heimatmuseum betreut. Pfest sei wohl im Krieg gewesen. Das wäre bekannt gewesen. Freilich gehöre es zu Pfests Biografie, auch die NS-Vergangenheit zu erwähnen, betont Wenhardt auf Anfrage.

Gerade zu diesem Teil von Pfests Leben möchte sich Rupert Fruth, der jahrelang Heimatforschung betrieben hat, nicht äußern. „Es gab viele, die pflichtgemäß in der Partei waren, aber nicht voll dahinter gestanden sind“, meint er auf Anfrage. Fruth erinnert sich an Pfest als „sehr strengen und sehr jähzornigen“ Lehrer“. Aber auch an die Hefte, die Pfest zu heimatkundlichen Themen für seine Schüler verfasst hat, um ihnen die lokale Geschichte gut verständlich nahe zu bringen.

Pfest sei es auch gewesen, der den jungen geschichtsinteressierten Fruth beim damaligen Bürgermeister Hans-Edmund Lechner als Nachfolger für die heimatkundliche Sammlung vergeschlagen habe. „Ich kannte ihn als Geschichtsmensch, der mir viel sagen konnte“, sei alles, was er über Pfest sagen könne. „Bei mir hat er die Grundlage gelegt“, ist der Heimatforscher, der es inzwischen zu einer beachtlichen eigenen Sammlung gebracht hat, seinem Mentor dankbar.

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Auch Seidl selbst, so beschreibt er es in seinem Text „Begegnung mit einem Ehrenbürger“, lernte Pfest 1982 als profunden Hobbyhistoriker und Heimatpfleger kennen. Doch als er sich während der Vorbereitung des Gedenkabends näher mit Pfest beschäftigt habe, „habe ich für mich gedacht, dass auch ein Mann, der so bewundert und gewürdigt und für seine Verdienste herausgehoben wird, seine Leichen im Keller hat“, so der Schriftsteller.

Deswegen habe er Georg Wiesmaier von der Dorfener Geschichtswerkstatt gebeten, im Staatsarchiv Pfests Vergangenheit zu recherchieren. Erst acht Tage vor der Veranstaltung habe ihm Wiesmaier die Unterlagen geschickt, die nicht nur Pfests Mitgliedschaft in der NSDAP dokumentierten, sondern darüber hinaus aufzeigten, dass Pfest NS-Verbindungsoffizier war und ein Jahr in Lagerhaft verbracht hatte.

Geschichte aufarbeiten

Sein erster Gedanke sei gewesen, die Veranstaltung abzusagen, erklärt der Schriftsteller. Schließlich habe er sich entschlossen, den Abend wie geplant abzuhalten, aber auf die NS-Vergangenheit des Ehrenbürgers hinzuweisen. „Es war ein sehr großer Konflikt, in dem ich mich da plötzlich befunden habe“, sagt er. Denn Seidl befürchtete nicht nur, als Nestbeschmutzer bezeichnet zu werden. Er rechnete auch mit Vorwürfen, dass er sich nur wichtig machen wolle, sagte Seidl.

Um so überraschter war er, dass er nur Lob für den Abend bekommen habe. „Offenbar ist es notwendig, dass es ein Außenstehender ist, der darauf hinweist“, meint er. Seidl sähe es gern, wenn sich ein Arbeitskreis bilden würde, der auch diesen Teil der Isener Geschichte „ehrlich und offen“ aufarbeitet. Beispiele anderer Kommunen für einen solchen Umgang mit dem Nationalsozialismus gebe es genug. Bürgermeisterin Irmgard Hibler habe er seinen Vorschlag am Ende des Gedenkabends unterbreitet.

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