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Interview mit Mühldorfs Landrat – Teil II

„Konglomerat an Krisen“: Wie es mit InnKlinikum Haag nach der Schließung weitergehen soll

Mühldorf s Landrat Max Heimerl zu Besuch bei der Wasserburger Zeitung.
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Mühldorfs Landrat Max Heimerl zu Besuch bei der Wasserburger Zeitung.
  • Anja Leitner
    VonAnja Leitner
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  • Heike Duczek
    Heike Duczek
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Wie geht es weiter mit dem übergangsweise geschlossenen InnKlinikum Haag? Das ist die zentrale Frage, die die Bürger im Haager Land umtreibt. Landrat Max Heimerl möchte die Zukunft sichern, doch es gibt Probleme, berichtet er im Interview.

Wasserburg – Mühldorfs Landrat zu Besuch bei der Wasserburger Zeitung: In Teil II unseres Interviews mit der Redaktion berichtet Max Heimerl, was der Landkreis für die Zukunft der Haager Klinik tun will und was ihm als ehemaliger Lehrer der Neubau des Gymnasiums Gars bedeutet.

Das InnKlinikum Haag ist geschlossen, die Mitarbeiter nach Mühldorf versetzt. Wie geht es jetzt weiter?

Max Heimerl : Aufgrund der gestiegenen Zahl an Covid-Patientinnen und Patienten sowie den zunehmenden Ausfällen in der Belegschaft wurde das Personal der Klinik Haag zum 24. Oktober in die Klinik Mühldorf transferiert und der Betrieb am Standort Haag vorübergehend eingestellt.

Die Entscheidung, so schwer sie allen Beteiligten gefallen ist, war leider aufgrund der Situation unumgänglich. Wir gehen davon aus, dass die Haager Mitarbeiter Ende Januar 2023 wie geplant wieder zurückkehren können. Das hängt natürlich unter anderem von den auslösenden Faktoren ab: der Corona-Situation und der personellen Lage in drei Monaten.

Viele Bürger und Mitarbeiter befürchten, dass der Standort nach den drei Monaten nicht wieder geöffnet wird. Was tut der Landkreis für den Erhalt des Klinikums?

Heimerl: Die Klinikleitung arbeitet im engen Austausch mit dem Klinikverwaltungsrat und mir intensiv daran, ein zukunftsfähiges Konzept für den Standort Haag auszuarbeiten. Wie diese Zukunft aussehen wird, ist auch abhängig von der Strukturreform durch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. Aber nicht nur am Standort Haag, sondern im gesamten InnKlinikum sind die Herausforderungen enorm. Einerseits sind Mitte des Jahres die Corona-Ausgleichszahlungen des Bundes weggefallen bei einer gleichzeitigen Explosion der Energiekosten sowie enormen Preissteigerungen bei Medizinprodukten.

Diese Schere klafft immer weiter auseinander. Neben der Strom- und Gaspreisbremse hat sich die Ministerpräsidentenkonferenz vor kurzem auf acht Milliarden Euro geeinigt, die in Form eines Härtefallfonds für die Kliniken und Pflegeeinrichtungen zur Verfügung stehen. Nun steht der Bund in der Pflicht, dass die Gelder auch schnellstmöglich bei den Krankenhäusern ankommen. Ein riesengroßes Problem gerade auf dem Land ist das fehlende Personal und zwar in allen medizinischen Bereichen von der Pflege bis zu den Ärzten. Gleichzeitig müssen Leitlinien und steigende Qualitätsstandards erfüllt werden. Dieses Konglomerat an Krisen und veränderten Rahmenbedingungen zwingt uns, das medizinische Konzept weiterzuentwickeln und das InnKlinikum mit allen Standorten zukunftsfähig aufzustellen.

Lesen Sie auch: Teil I des Interviews mit Landrat Max Heimerl: „Die besten Zeiten sind vorbei“: Was Landrat Max Heimerl mit dieser Aussage meint

Wie beurteilen Sie derzeit die Corona-Lage im Landkreis?

Heimerl: Nach einem schnellen Anstieg der Infektionszahlen Anfang Oktober gehen die Fallzahlen aktuell wieder zurück. Die Herbstwelle ist also vorerst abgeebbt. Prognosen für die Zukunft lassen sich schwer abschätzen. Fest steht, dass zum Ende des Jahres das Impfzentrum in der Oderstraße in Mühldorf schließt. Danach geht die Schutzimpfung in die Regelversorgung durch die niedergelassenen Haus- und Fachärzte und Betriebsärzte über.

Der Öffentliche Personennahverkehr ist ein großes Thema, besonders auf dem Land. Es gibt schon erste Verbesserungen in Haag. Wie geht es weiter mit dem Ausbau der Busverbindungen?

Heimerl: Uns ist es wichtig, dass sich der ÖPNV Schritt für Schritt verbessert. Grundsätzlich können Konzessionen mit den Busunternehmen erst geändert werden, wenn diese auslaufen. Hinzu kommt, dass einige Linien landkreisübergreifend fahren. Wir sind aber dran, dort wo es möglich ist, Verbesserungen zu erzielen. Beispielsweise fährt die Linie 7548 Haag-Mühldorf seit Anfang des Jahres an Wochentagen im Zwei-Stunden-Takt. Die Zahl der Fahrkartenverkäufe hat sich auf dieser Strecke kontinuierlich gesteigert. Die Linie 9409 Dorfen-Haag-Wasserburg geht ab 1. Januar 2023 mit einer deutlich verbesserten Taktung in Betrieb. Hier kooperieren wir mit dem Landkreis Rosenheim.

Welche Bedeutung hat das Gymnasium Gars im Hinblick auf die Schullandschaft im Landkreis Mühldorf, auch angesichts der Tatsache, dass im Neubau innovative pädagogische Konzepte wie Lernlandschaften verwirklicht werden sollen?

Heimerl: Gars spielt eine wichtige Rolle in der Bildungslandschaft des Landkreises Mühldorf. Wir setzen mit dem Neubau des Gymnasiums in vielerlei Hinsicht Standards. Da schlägt mein Pädagogenherz als ehemaliger Schulleiter. Einerseits durch die Art, wie dort gelehrt wird – eigenverantwortlich und werteorientiert mit passenden Lernkonzepten.

Andererseits spielt beim Bau auch der Klimaschutz eine große Rolle. Die Schule wird durch das Nahwärmenetz beheizt und bekommt eine Photovoltaikanlage. Zusätzlich soll noch das Dach begrünt werden.

Sollten Photovoltaikanlagen auf öffentliche Neubauten verpflichtend sein. Ist das sinnvoll?

Heimerl: Ich denke nicht, dass es nötig ist. Sehr viele Neubauten werden inzwischen mit Photovoltaikanlagen versehen, wenn es geht. Wichtig ist uns auch die Nachrüstung bei bestehenden Gebäuden. Auf der Homepage des Landratsamts unter dem digitalen System „Solarpotenzialkataster“ ist jeder Bestandsbau und jedes Dach im Landkreis Mühldorf aufgeführt. Dort können sich die Bürger informieren, ob sich eine Photovoltaikanlage auf dem eigenen Haus rentieren würde, was sie voraussichtlich kostet und was die Anlage an Kilowattstunden produzieren könnte.

Die entscheidende Frage ist: Wie speichert man die Energie? Wir produzieren in unserem Land zu bestimmten Zeiten schon mehr als wir verbrauchen. Zu anderen Zeiten fehlt erneuerbare Energie. Es gibt da verschiedene Ansätze: Wasserstoff oder in anderen Regionen auch Pumpspeicherwerke. Die Netze müssen ebenfalls ertüchtigt werden. Das beeinflusst und steuert die Bundesnetzagentur.

Wie gefällt es Ihnen als Landrat? Wollen Sie erneut kandidieren?

Heimerl: Es gefällt mir sehr. Es ist zwar nicht so wie erwartet, weil das Krisenmanagement nach wie vor im Vordergrund steht. Aber soweit läuft alles gut. Momentan spricht nichts gegen eine erneute Kandidatur (lacht).

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