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Veteranenkameradschaft kämpft ums Überleben

Kommt nach 150 Jahren jetzt das Aus für den Rotter Krieger- und Soldatenverein?

Diese Runde von 70-Jährigen versucht, den Krieger- und Soldatenverein in Rott am Leben zu erhalten (von links): Schriftführer Hans Kolbeck, Vorsitzender Gerhard Stadler, Fähnrich Karl Elsässer, Fahnenbegleiter Peter Öttl, Kassier Richard Hiltner. Rechts im Bild ist der mit 50 Jahren Jüngste der Runde, Vereinswirt und Kassenprüfer Alois Wieser-Baumgartner.
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Diese Runde von 70-Jährigen versucht, den Krieger- und Soldatenverein in Rott am Leben zu erhalten (von links): Schriftführer Hans Kolbeck, Vorsitzender Gerhard Stadler, Fähnrich Karl Elsässer, Fahnenbegleiter Peter Öttl, Kassier Richard Hiltner. Rechts im Bild ist der mit 50 Jahren Jüngste der Runde, Vereinswirt und Kassenprüfer Alois Wieser-Baumgartner.
  • VonRichard Helm
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Was macht in Zeiten wie diesen eigentlich ein Krieger- und Soldatenverein? Er mahnt zum Frieden und gedenkt der vermissten und gefallenen Kameraden aller Kriege. Das tut die Rotter KSK seit 150 Jahren. Weil sich aber kein neuer Vorstand findet, ist der Fortbestand gefährdet.

Rott am Inn Der Rotter Krieger- und Soldatenverein blickt auf eine lange Geschichte zurück. Im Jahr 1871 bildeten die ersten bayerischen Heimkehrer aus dem deutsch-französischen Krieg eine Veteranenkameradschaft. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm der Verein eine wichtige soziale Funktion, kümmerte sich um traumatisierte Kriegsheimkehrer und die Hinterbliebenen. Über 300 Mitglieder zählte der Verein. Für manche von ihnen war der Verein lebensrettend. Er half ihnen, mit den schrecklichen Kriegserlebnissen fertig zu werden.

Doch mit der Zeit verblassen diese Erinnerungen. Die, die sie am eigenen Leib erfahren haben, werden immer älter. Viele sind im Lauf der Jahre verstorben. Neue Mitglieder bleiben aus, die Erinnerung an die Verstorbenen und die Vermissten in den Kriegen ist verblasst. Zum 150-jährigen Bestehen des Rotter Traditionsvereins findet sich aktuell kein neuer Vorstand.

Das Andenken an die Kriegsopfer wird in Rott hochgehalten. Unser Foto zeigt Steinmetz Georg Bürger beim Nachmalen der Buchstaben auf der Inschrift.

Unsere Heimatzeitung befragte zu diesem Thema den Vorsitzenden der Krieger- und Soldatenvereins, Gerhard Stadler.

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Gerhard Stadler: Der Zweck und die Aufgabe des Vereins ist es, die aus den Kriegen entstandene Kameradschaft gemeinsam mit den Reservisten der Bundeswehr zu pflegen und fortzuführen. Wir gedenken an die gefallenen und vermissten Kameraden und an alle Opfer dieser unsäglichen Kriege und mahnen zum Frieden. Wir kümmern uns um die Kriegerdenkmäler in Rott und Feldkirchen und beteiligen uns mit Fahnenabordnungen an allen Festen der Kirche, der Gemeinde und der Vereine. Und wir kümmern uns umeinander, besuchen ein erkranktes Mitglied und ehren ein verstorbenes Mitglied mit Fahnenabordnung und Musik. Heuer haben wir uns bemüht, dass das Rotter Kriegerdenkmal wieder hergerichtet wird. So hat Steinmetz Georg Bürger die Buchstaben nachgemalt, nächstes Jahr wollen wir das Dach und den Putz der Wand erneuern.

Was habe ich davon, wenn ich Mitglied im Rotter Krieger- und Soldatenverein werde?

Stadler: Bei uns ist jedes neue Mitglied herzlich willkommen. Der Vereinsbeitrag von nur zehn Euro im Jahr ist gering. Jeder, der zum Verein geht, wird Teil einer Vereinskameradschaft und nimmt Teil an der Pflege des Brauchtums. Wir kümmern uns um die Kriegerdenkmäler, beteiligen uns an Festen, gehen zum Bezirkstreffen und machen Ausflüge. Der letzte Ausflug führte uns in das Gerhard-Neumann-Museum und in die Byzantinische Kirche St. Nikolaus in der Abtei in Niederaltaich an der Donau.

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Händeringend sucht Ihr Verein aktuell nach nach neuen Mitgliedern. Stimmt das?

Stadler: Ja eindeutig, uns fehlt der Nachwuchs. Wir werden immer älter und den Jüngeren fehlt oft der Bezug zu dem, was wir versuchen hochzuhalten. Wir haben rund hundert Mitglieder, von denen die Hälfte über 60 Jahre alt ist. Bei uns sind die Reservisten der Bundeswehr auch dabei, bilden aber eine eigene Vereinigung, aber auch die werden immer weniger seitdem die Wehrpflicht abgeschafft wurde.

Die noch Aktiven werden immer gebrechlicher. Unsere Fahnenabordnung hat immer mehr Schwierigkeiten, während eines Gottesdienstes so lange zu stehen und sie haben Mühe, lange Prozessionen mit der Fahne mitzugehen. Wir im Vorstand sind alle rund um die 70 Jahre alt, da kann man nicht mehr ewig weitermachen. Unser Hans Kolbeck ist zum Beispiel bereits seit 43 Jahren Schriftführer.

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Der Krieger- und Soldatenverein ist ein reiner Männerverein. Gibt es keine Frauen?

Stadler: Das kommt aus der Geschichte des Vereins. Aber natürlich, auch Frauen können bei uns Mitglieder werden.

Sie brauchen also Freiwillige, die bereit sind, den Vorstand zu übernehmen?

Stadler: Wir brauchen mindestens sechs Freiwillige, die die Ämter des Vorstandes, Schriftführer, Kassiers und die Fahnenabordnung ausfüllen. Die Fahnenabordnung besteht aus dem Fähnrich und den zwei Begleitern. Mit in der Vorstandschaft ist auch der Vorstand der Reservisten. Die Wahl findet in der nächsten Generalversammlung am 7. November nach der Gelöbnisfeier im Gasthaus in Feldkirchen statt.

Was ist, wenn sich keiner findet?

Stadler: Sollte sich keiner finden, dann bleibt uns noch ein Jahr, um weiter zu suchen. Wenn wir dann endlich einen neuen Vorstand bilden können, dann kann der Verein weiter bestehen. Falls nicht, müssen wir uns auflösen. Einige Krieger- und Soldatenvereine in der Umgebung gibt es bereits nicht mehr. Oder aber wir gliedern uns an die benachbarten Krieger- und Soldatenvereine an.

Der Verein wird heuer 150 Jahre. Das wäre doch ein Grund zum Feiern?

Stadler: Wir konnten immer die Jubiläen groß feiern. Dazu haben wir Festschriften herausgegeben und auch eine Fahnenprozession mit großem Fest und viel Musik gemacht. Doch leider findet sich aktuell nicht einmal mehr ein Festausschuss oder Festkomitee, die so etwas in die Hand nehmen und organisieren könnten.

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