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Energiewende

Kommt ein Solarfeld nach Zainach?

Eine Photovoltaik-Freiflächenanlage: 8.000 Module sind hinter der Kläranlage in Rott geplant. re
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Eine Photovoltaik-Freiflächenanlage: 8.000 Module sind hinter der Kläranlage in Rott geplant. re
  • VonRichard Helm
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Albert Busch stellt dem Gemeinderat seine Pläne für eine Photovoltaik-Freiflächenanlage in Rott vor. Busch macht dem Gremium ein lukratives Angebot.

Rott – Erneuerbare Energien werden immer wichtiger, das ist nicht erst seit dem Ukraine-Krieg bekannt. Dennoch tun sich viele Gemeinden noch schwer, Solaranlagen auf freien Flächen zu akzeptieren. So auch der Rotter Gemeinderat. Bereits in den vergangenen Jahren wurden zwei allgemein gehaltene Anfragen zu einem Solarfeld in Ferchen und in Zainach vom Gremium abgelehnt, da die Mitglieder negative Auswirkungen auf das Landschaftsbild befürchteten.

Heuer im Februar stellte Albert Busch eine detailliert ausgearbeitete Bauvoranfrage für eine Photovoltaik- Freiflächenanlage (PV-FFA). Bürgermeister Daniel Wendrock (parteifrei) gab ihm in der Satzung die Gelegenheit, sein Projekt genauer vorzustellen. Busch und Projektplaner Andreas Engl stellten die Präsentation vor. Die Freiflächenanlage soll auf einem landwirtschaftlichen Grundstück mit 4,67 Hektar entstehen, das im Besitz von Albert Busch ist.

8.000 Module hinter der Kläranlage

Das betreffende Grundstück liege ein Stück hinter der Kläranlage und sei östlich von der Bahnlinie begrenzt. Darauf sollen bei einer Südausrichtung rund 8.000 Module aufgestellt werden. Dabei wären immer zwei Module übereinander. Der Abstand vom Boden betrage einen halben Meter. Insgesamt erreiche die Modulaufstellung eine Höhe von 3,50 Meter. Hier müsse der Boden nicht versiegelt werden, die Module werden auf Ständer aufgestellt. Der Reihenabstand betrage rund vier Meter. Bei einer Ausrichtung nach Ost-West könnten sogar rund 10 000 Module Strom liefern, wobei die Module wie ein Dach ausgerichtet würden, so Busch. Das Gelände werde mit einem Zaun und einer Eingrünung umgeben. Mit dieser Anlage könne zwischen 3,9 und 4,5 Megawattstunden in das Netz eingespeist werden. Damit könnten rund 3.000 Bürger mit regionalem und erneuerbarem Strom versorgt werden.

So könnte das geplante Solarfeld von Albert Busch aussehen.

Der Vorteil der Grundstückslage ist der nur 200 Meter entfernte Einspeisungspunkt der Bayernwerke. Engl habe das Evaluierungssystem für eine umweltfreundliche und landschaftsverträgliche Energiewende entwickelt, abgekürzt EULE. Dieses Evaluierungssystem sehe für das Solarfeld in Zainach ökonomische Maßnahmen vor. Das wären unter anderem das Anpflanzen von Hecken und Streuobstbäumen, das Aussäen einer artenreichen Wiese oder die Nutzung einer Anlage von Totholz und Steinhaufen als trockener warmer Platz für Amphibien. Die Pflege kann durch Schafhaltung erfolgen. Busch machte dem Gemeinderat außerdem noch ein lukratives Angebot: Zwei Cent pro Kilowattstunde würden in die Gemeindekasse fließen. Das wären im Jahr rund 9.000 Euro zuzüglich der Gewerbesteuer.

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Die Bedenken im Gemeinderat waren groß. Max Zangerl (BfR) sagte, die ihm bekannten Solarparks entlang der Autobahnen seien eher Industrieanlagen. Dem entgegnete Engl, dass diese Anlagen mithilfe von Investoren gebaut werden. Bei dem Solarfeld in Zainach soll darauf verzichtet werden.

Franz Ametsbichler (CSU) beklagte, dass wieder ein landwirtschaftlicher Grund entnommen werde und der Flächenverbrauch sowieso schon sehr hoch sei. Engl erinnerte daran, dass auf vielen Ackerflächen Mais für die Biogasanlagen angebaut werden würden. Die Freiflächenanlage sei eben eine andere Art der Energiegewinnung. Busch fügte an, dass die Lebensmittelversorgung durch die heimischen Bauern mehr als genug gesichert sei. Ametsbichler, Matthias Eggerl (CSU) und Hans Gilg (BfR) wandten ein, dass zuerst die Dächer in der Gemeinde für die Energieversorgung genutzt werden sollten. Da stimmten sowohl Antragsteller und Projektplaner zu, meinten aber auch, dass dies nicht in der Hand einer Gemeinde liege. Es liege im Interesse der Politik, hier Anreize zu schaffen, so Busch und Engl.

Nächster Schritt: Bauleitplanung

Busch sagte zu dem Vorwurf eines zusätzlichen Flächenverbrauchs, dass die Gemeinde notwendige Bau - und Gewerbegebiete ausweise, bei denen der Boden versiegelt werde. Das treffe für das Solarfeld in Zainach nicht zu, die Anlage könne auch wieder abgebaut werden und landwirtschaftlich genutzt werden.Eine Abstimmung zu dem Vorhaben von Busch war in der Sitzung nicht vorgesehen. Der Gemeinderat will in einer der kommenden Sitzungen darüber entscheiden.

Sollte der Beschluss positiv ausfallen, wird im nächsten Schritt die Bauleitplanung mit einem Flächen- und Bebauungsplan der Gemeinde nötig. Wenn diese Verfahren durch sind, rechnet der Antragsteller mit einer Bauzeit von neun Monaten. Doch bereits jetzt beklagen Elektrohandwerker Lieferschwierigkeiten und Verteuerung von Solarkomponenten. Bis also in Zainach erneuerbare Energien ins Stromnetz eingespeist werden können, wird es wohl noch ein wenig dauern.

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