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Große Professoren hervorgebracht

Vor 50 Jahren schließen Redemptoristen in Gars ihre philosophisch-theologische Hochschule

Ein Bild aus der „Studentatschronik“ von 1968 zeigt die Diakonatsweihe am 28. Juli. Die Weihekandiaten waren alle Studenten der philosophisch-theologischen Hochschule der Redemptoristen, Kloster Gars. Der Mann, der alle überragt, ist Pater Alois Stautner, heute noch Seelsorger in Gars. Zu sehen sind außerdem Karl Graf, Josef Schrott, Josef Mühlberger, Paul Brigger, Josef Riedener, Paul Hansen, Ron Huber, Frank Vandersteen, Riccardo Morais, José Pedrosa.
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Ein Bild aus der „Studentatschronik“ von 1968 zeigt die Diakonatsweihe am 28. Juli. Die Weihekandiaten waren alle Studenten der philosophisch-theologischen Hochschule der Redemptoristen, Kloster Gars. Der Mann, der alle überragt, ist Pater Alois Stautner, heute noch Seelsorger in Gars. Zu sehen sind außerdem Karl Graf, Josef Schrott, Josef Mühlberger, Paul Brigger, Josef Riedener, Paul Hansen, Ron Huber, Frank Vandersteen, Riccardo Morais, José Pedrosa.
  • VonBruno Münch
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Zum 50. Mal jährt sich heuer der denkwürdige Tag, an dem die philosophisch-theologische Hochschule der Redemptoristen im Kloster Gars ihren Vorlesungsbetrieb einstellte. Hier studierte auch der berühmte Moraltheologe Bernhard Häring, der später auch in Yale unterrichtete.

Gars – Nach dem Sommersemester 1971 wechselten die letzten noch verbliebenen Professoren, allesamt Patres der Redemptoristen, und zwölf, „Fratres“ genannte Theologiestudenten zur Fortsetzung von Lehre und Studium an die Hochschule für Philosophie der Jesuiten bzw. an die Theologische Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität nach München.

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Damit waren 70 Jahre einer wechselvollen Geschichte der Garser Hochschule zu Ende gegangen. In dieser Zeit hatten über 300 Studenten der süddeutschen Redemptoristen, aber auch Kleriker aus anderen Provinzen und Klöstern aus dem In- und Ausland die Hörsäle bevölkert.

Durchschnittlich waren es 25 pro 30 Hörer pro Jahr, die nach sechs bis sieben Jahren ihre Studien dann jeweils mit ihrer feierlichen Priesterweihe abschließen konnten. Von Kriegsende bis zur Schließung wurden etwa 90 junge Redemptoristen-Patres an der Ordenshochschule ausgebildet.

Nach der Zeit des Kulturkampfes

Im Jahr 1902 hatten die Garser Redemptoristen die Hochschule gegründet, im 19. Jahrhundert gab es nur Vorläufer in Form von theologischen Hauslehranstalten in Altötting und Vilsbiburg. Vorausgegangen war die Zeit des Kulturkampfs, in der der Orden nach dem Jesuitengesetz verboten war und die Studenten deswegen in Österreich, in Dürrnberg und in Mautern, Steiermark, ausgebildet wurden.

54 Studenten waren Höchststand

Die Ordenshochschule wuchs aus bescheidenen Anfängen: Den zwölf Klerikerstudenten des Jahres 1902 stand zunächst nur ein Lektor für Philosophie gegenüber, Bücher waren nicht vorhanden oder veraltet. Deswegen wurden auch manche der angehenden Patres an staatliche Universitäten abgeordnet. Um 1933 waren die räumlichen Verhältnisse in Gars schon so beengt, dass Hochschule und Bibliothek in neu erworbene Gebäude in Rothenfeld bei Andechs umziehen mussten. Im Jahr 1936 wurde dort ein Höchststand von 54 Studenten erreicht, doch schon 1937 musste Rothenfeld wieder aufgegeben werden, da der Orden die finanziellen Forderungen der Machthaber des Dritten Reichs, die in Folge der „Ordensdevisenprozesse“ erhoben wurden, nicht erfüllen konnte. Die Hochschule wurde daher nach Gars zurückverlegt. 1941 wurde sie ganz geschlossen, da die Studenten zur Wehrmacht einberufen waren und die Räumlichkeiten der Hochschule als Lazarett dienen mussten.

Die hier den Türmen der Pfarr- und Klosterkirche vorgelagerten Gebäude beherbergten früher die Hochschule.

Internationale Kommilitonen

Nach dem Krieg setzte sich Kardinal Faulhaber persönlich bei der Militärregierung ein, damit der Studienbetrieb wieder aufgenommen werden konnte. Bald wuchs die Hochschule auf die ursprüngliche Größe, und der Vorlesungsbetrieb florierte: Von 1958 an gab es etwa einen Studentenaustausch mit der Hochschule der norddeutschen Redemptoristen in Hennef-Geistingen. Angesichts der stabilen Entwicklung wurden 1965 bis 1968 ein neues Bibliotheksgebäude, ein Speisesaaltrakt und eine neue Hauskapelle errichtet. „Im Jahr 1968, drei Jahre vor der Schließung hatten wir noch 48 Studenten!“ teilt P. Augustin Schmied mit, der bis 1971 einen Lehrstuhl für Dogmatik und Fundamentaltheologie innehatte.

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Dogmatiker, Fundamentaltheologe und Mitherausgeber der Zeitschrift „Theologie der Gegenwart“: Prof. P. Augustin Schmied.

Heute noch ist ihm das Bedauern anzumerken, wenn er über das damalige Ende des Vorlesungsbetriebs spricht. „Wir waren international, neben den deutschen Hörern hatten wir auch Studenten aus Kanada, Japan, der Schweiz und Portugal“, stellt er fest und nicht ohne Stolz fügt er hinzu, dass die damals angewandten Methoden der Lehre – so habe es etwa schon eine Kooperation bei den theologischen Seminaren gegeben – zukunftsweisend gewesen seien.

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Umfangreich war auch das Lehrangebot. Im Vorlesungsverzeichnis des Studienjahrs 1964/65 werden beispielsweise vierzehn ‚Ordentliche Professoren‘ und ein Lehrbeauftragter aufgeführt. Praktisch alle philosophischen und theologischen Disziplinen waren vertreten: Philosophie und Philosophiegeschichte, Alt- und Neutestamentliche Exegese, Rhetorik und Homiletik, Kirchenrecht, Fundamental- und Moraltheologie, Dogmatik und Dogmengeschichte, Psychologie und Pädagogik, Kirchen- und Ordensgeschichte, Pastoraltheologie, Liturgie, Katechetik, Patrologie, Kirchengeschichte und sogar Soziologie.

Weltweit bekannter Moraltheologe

Einige der Professoren wurden über die Hochschule hinaus bekannt, wie etwa der Keilschriftforscher J.B. Schaumberger, der Philosoph und Teilhard de Chardin-Spezialist A. Guggenberger, V. Schurr, als Dogmatiker-Vertreter Prof. J. Ratzingers in Freising, H. Stenger, Psychologe und Psychotherapeut.

Prof. Dr. Dr. Alois Guggenberger – Philosoph, Teilhard de Chardin-Spezialist – während einer Philosophie-Vorlesung.

Besonders profiliert war aber der weltweit bekannte Moraltheologe Bernhard Häring (1912 bis 1998), der auch in Rom lehrte und die Standardwerke „Das Gesetz Christi“ und „Frei in Christus“ verfasste, die in alle Weltsprachen übersetzt wurden.

1975 bis 1979 wurde er genötigt, sich in Rom einem Verfahren vor dem Heiligen Offizium, der späteren Glaubenskongregation zu unterziehen und sich für seine Lehre zu rechtfertigen. Über dieses Erlebnis, das für ihn auch schwerwiegende gesundheitliche Folgen hatte, berichtete er in seinem mit Herzblut geschriebenen Buch „Meine Erfahrung mit der Kirche“.

Bibliothek war einst Herzstück

Die anhaltende kulturelle Ausstrahlung der Hochschule betont heute Franz Wenhardt, ausgebildeter Bibliothekar und profunder Kenner der Geschichte des Klosters in Gars. Er hebt hervor, dass die Bibliothek, einst Herzstück der Hochschule, trotz deren Schließung bis 2021 weitergeführt und aktualisiert wurde. Bis heute erscheine auch die 1958 in Gars gegründete wissenschaftliche Zeitschrift „Theologie der Gegenwart“ weiter – inzwischen an der Theologischen Fakultät der Universität Erfurt.

Ein Blick in die Bibliothek in Kloster Gars, die bis 1966 so aussah. Ab 1967 wurde ein eigener Bibliothekstrakt eingerichtet.

Der heutige Rektor des Klosters, Pater Josef Schwemmer, erinnert sich noch gut an die Zeit des Wechsels von Gars nach München, denn es war die Zeit seines Noviziats und seiner ersten Studiensemester. „Wir Theologiestudenten, zehn waren wir, haben erst mal in unserem Kloster in der Kaulbachstraße in Ferienarbeit die Räume saniert und hergerichtet, damit wir dann im Herbst studieren konnten.“

Die traditionsreiche Hochschule konnte mit fast allen ihren Professoren ihre verdienstvolle Arbeit für die Ausbildung ganzer Generationen von Klerikern noch insofern fortsetzen, als in den Jahren 1975 bis 2014 sogenannte „Hochschulwochen“ veranstaltet wurden.

Sie gaben Redemptoristen der süddeutschen, der Kölner und Wiener Provinz sowie den Garser Missionsschwestern Gelegenheit, an hochkarätigen Veranstaltungen zum jeweils aktuellen Stand der theologischen Forschung und verwandten Themen teilzunehmen.

Und schon anderthalb Jahre nach der Schließung nahm am 8. Januar 1973 auch das Institut für Lehrerfortbildung (ILF) in den Räumen der Hochschule seine Arbeit auf. Vorausgegangen waren Verhandlungen zwischen dem Orden und dem Bayerischen Kultusministerium.

Neben den staatlichen Lehrbeauftragten waren fast alle Professoren der Redemptoristen die ersten Referenten. Bis heute werden hier und in einem Institut in Dillingen ganzjährig Fortbildungen für Bayerns Lehrer abgehalten.

+++ Weitere Artikel und Nachrichten aus der Region Wasserburg finden Sie hier. +++

Hochschule in der NS-Zeit:

  • 1936: Höchststand der Studentenzahl: 54
  • 1937: Aufgrund der „Ordensdevisenprozesse“ in NS-Zeit geht Rothenfeld an den Staat (heute Teil der JVA Landsberg), „Studentat“ mit Hochschule kehrt nach Gars zurück, größere räumliche Enge als vor 1933
  • 1939: Bei Kriegsbeginn Einberufung der meisten Studenten zur Wehrmacht, 1941 Einstellung des Vorlesungsbetriebs
  • 1941: Ende Juli Schließung der Hochschule, Räume werden Lazarett
  • 1945: Wiederaufnahme des Vorlesungsbetriebs im September

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