Eindringlicher Appell

Ärztlicher Direktor des Klinikums Erding: Erkrankung wie Corona in 20 Jahren noch nicht erlebt

In vielen Klinik des Landes geraten die Intensivstationen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. So auch im Klinikum Erding.
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In vielen Klinik des Landes geraten die Intensivstationen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. So auch im Klinikum Erding.
  • Sophia Huber
    vonSophia Huber
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Dr. Lorenz Bott-Flügel rechnet vor: „An einem akuten Herzinfarkt sterben bundesweit täglich circa 120 Menschen. An Covid-19 und seinen Folgen starben allein in Bayern in den letzten beiden Wochen täglich circa 100 Menschen.“

Isen/Sankt Wolfgang – Der Landkreis Erding gilt derzeit als einer der Corona-Hotspot Bayerns. Auch im Klinikum Erding ist die Lage angespannt.

Nun schlägt sogar der Ärztliche Direktor des Klinikums Landkreis Erding, Dr. Lorenz Bott-Flügel Alarm. „Mir ist in 20 Jahren Berufserfahrung noch keine Erkrankung untergekommen, die in einer internistischen Abteilung für einen solchen Andrang gesorgt hätte“, so Bott-Flügel.

Appelliert an die Bevölkerung: Klinik-Direktor Dr. Lorenz Bott-Flüger aus Erding ruft dazu auf Covid-19 ernst zu nehmen.

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„In Anbetracht der hohen Zahlen sendet der Ärztliche Direktor des Klinikums Landkreis Erding Dr. Bott-Flügel einen dringenden Appell an die Bevölkerung, Covid-19 ernst zu nehmen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratamtes Erding. Er ruft alle dazu auf, sich an die Maßnahmen zu halten und dadurch insbesondere die Teile der Bevölkerung zu schützen, deren Risiko eines schweren Verlaufs groß ist: „Aktuell sind von den internistischen Patienten fast die Hälfte mit SARS-CoV-2 infiziert“, so Bott-Flügel. „Dieses krasse Übergewicht einer einzigen Erkrankung ist äußerst erstaunlich.“

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Das Gleiche treffe auf die Intensivstation zu. „Auch hier gilt: Eine solche Dominanz einer einzigen Erkrankung auf Intensivstation ist mir noch nie außerhalb eines spezialisierten Zentrums begegnet“, sagt Bott-Flügel.

Das oft gehörte Argument, man sterbe ja nicht an Covid, sondern mit der Erkrankung, sei medizinisch nicht haltbar, erklärt der Direktor des Klinikums. „Covid ist eine Multisystemerkrankung, die neben der Lunge auch das Herz, das Gefäßsystem und Nervenzellen angreift“, so Bott-Flügel. „SARS-CoV-2 ist besonders gut darin, einen sogenannten Zytokinsturm bei dafür empfindlichen Personen hervorzurufen.“ Bei dieser Immunreaktion würden die weißen Blutkörperchen so stark aktiviert, dass sich das Immunsystem nicht automatisch wieder beruhige. Dies wiederum schädige so gut wie alle Organe und Organsysteme, so Bott-Flügel. „Und ein Zytokinstrum ist sehr schwer beherrschbar.“

Die Immunreaktion erklärt laut Bott-Flügel die hohe Mortalitätsrate bei Intensivpatienten, die in manchen Registern und Studien bis zu 40 Prozent reicht.

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„Aber auch schwere neurologische Ausfallerscheinungen bis hin zu Krampfanfällen, die kaum noch medikamentös zu durchbrechen sind oder finales Kreislaufversagen haben wir beobachtet“, so der Kardiologe weiter.

„Das klinische Bild, das wir bei sterbenden Covid-Patienten aber am häufigsten sehen, ist das des sehr schnellen respiratorischen Verfalls, also des Lungenversagens“, so der Arzt weiter. „Dieses führt ohne künstliche Beatmung in einer Vielzahl der Fälle auch in Erding binnen weniger Tage zum Tode.“

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