Ein Kleinod bei Wasserburg am Inn – Ehrenamtliche hegen und pflegen Waldkapelle

Die Hüter der Kapelle: Siegfried Härtl (80, links) und Josef Wimmer (78). Zusammen mit anderen Ehrenamtlichen halten sie die Waldkapelle am Inn in Schuss.
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Die Hüter der Kapelle: Siegfried Härtl (80, links) und Josef Wimmer (78). Zusammen mit anderen Ehrenamtlichen halten sie die Waldkapelle am Inn in Schuss.

Es geht auch ein paar Nummern kleiner: Wem Kirchen zu groß und mächtig erscheinen, der kann sich an Kapellen erfreuen. Die hat man mit einem Blick erfasst. Eine besonders Schöne steht am Weg am Inn zwischen Wasserburg und Rieden nahe der Brücke: die Waldkapelle.

Von Winfried Weithofer

Wasserburg – Wanderer und Radler machen hier gern halt, lassen sich auf den Holzbänken nieder, genießen andächtig die Stimmung inmitten der Bäume. Dass die Kapelle so prächtig dasteht, ist vor allem dem Engagement von ehrenamtlichen Helfern zu verdanken: Allen voran Siegfried Härtl (80) und Josef Wimmer (78), die sich seit 15 Jahren um das bauliche Kleinod kümmern. Sie freuen sich, wenn darüber erzählen dürfen.

Baujahr 1927

In der Tat gibt es viel von dem Heiligenhäuschen zu erzählen, das 2001 komplett renoviert wurde. Bald nach ihrem Bau 1927 hatte es jahrzehntelang in einem Dornröschenschlaf gelegen, die Balken verfaulten. Das wollte man vor knapp 20 Jahren nicht länger hinnehmen. Und so bildete sich eine Gruppe rund um den früheren Wasserburger Feuerwehrkommandanten Heinrich Kurz.

„Der Initiator für die Restaurierung war der Heini“, erzählt Härtl, „Mit ihm haben wir alles neu gemacht, nach den alten Vorlagen.“

Marienbildnis ist restauriert

Kurz habe Kontakt zu Firmen aufgenommen, zu all den Handwerkern vor Ort, die alle ehrenamtlich Hand anlegten. Die Namen stehen auf einem Holzbrett, das in der Kapelle aufbewahrt wird. Neben Kurz und Härtl werden genannt: Oberlinner Josef, Penzing; Lorenz Kurt, Gars; Bachinger Karl, Wasserburg; Kirmaier Martin, Zell. Härtl erinnert aber auch noch an die Malerbetriebe Bonath, Fellner und Stepfer, an die Metallbaubetrieb Hutterer und an die Holzbaufirma Aringer. Das einstmals verwitterte Marienbildnis an der Frontseite wurde von Kunstmaler Erich Baumgartner im vorigen Jahr gekonnt und behutsam restauriert.

Immer schöner Blumenschmuck

Wimmer kümmert sich mit weiblicher Unterstützung um einen schönen Anblick: Er kehrt regelmäßig altes Laub weg und sorgt für den passenden Blumenschmuck, das katholische Pfarramt spendiert hierfür 50 Euro im Jahr.

Auch sonst gibt es allerhand zu tun, zum Beispiel muss das Wasser, das aus dem Leib des gekreuzigten Jesu aus mehreren kleinen Rohren strömt, vor dem Winter abgestellt werden, und das Dach samt Regenrinne verlangt nach regelmäßiger Reinigung.

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Vor Jahren wurde ein Baum gleich neben der Kapelle vom Sturm umgerissen, doch Schaden entstand keiner – der Stamm stürzte genau zwischen dem außen stehenden Christuskreuz und der Wand. Ein Wunder? „Da muss man fast dran denken“, sagt Härtl. Und er macht noch auf das Nest eines Zaunkönigs in einem der beiden Lorbeerkränze aufmerksam und auf den Unterschlupf eines Siebenschläfers in einer Stellage an der rechten Außenseite. Die Kapelle, sie lebt.

Doch die beiden Kapellenpfleger haben auch schon böse Überraschungen erlebt: Auf einer Tafel wird an einen Akt des Vandalismus erinnert, bei dem großer Schaden entstand: „Sinnlos, feige und gemein“, heißt es. Doch jetzt steht die Kapelle wieder wunderbar da, liebevoll hält Maria ihr Kind in einer von einem grünen Metallgitter geschützten Nische im Arm.

Froh wären Härtl und Wimmer, beide im fortgeschrittenen Alter, wenn sie alsbald weitere Unterstützung bei ihrem Engagement für die Kapelle finden würden.

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