Das kleine grüne Glück in Corona-Zeiten: Wasserburgs Gartenbauvereinsvorsitzender gibt Tipps

Stephan Hammermüller, der junge Vorstandsvorsitzende im Gartenbauverein Wasserburg, vor einer Kirsche im vom Verein angelegten Streuobstgarten, ein wenig außerhalb von Wasserburg

Sorgenvolle Mienen überall, doch die erwachende Natur beweist: Das Leben geht trotz Corona-Krise weiter. Jetzt ist Gartenarbeit angesagt, viele haben heuer dafür viel Zeit. Stephan Hammermüller, Vorsitzender des Gartenbauvereins Wasserburg, gibt Tipps, wie ein klimafreundlicher Garten, der auch die Seele streichelt, gelingt.

Von Andrea Tretner

Wasserburg – Bayern befindet sich in der Corona-Starre. Die Natur zeigt sich von den Ausgangsbeschränkungen unbeeindruckt. Überall sprießt, wächst und blüht es. Glücklich schätzt sich in diesen Tagen, wer einen Garten sein eigen nennen darf oder zumindest einen Balkon. Denn beim Garteln geraten die Sorgen um die Gesundheit der Liebsten und den Arbeitsplatz zeitweise in Vergessenheit. Das Aufbereiten der Erde, das Säen, das Pflanzen der ersten Setzlinge, das Hoffen auf ein gutes Wachstum, selbst das Beobachten der Frühlingsblüher, zeigt: Es geht trotz allem weiter.

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Stephan Hammermüller, Vorsitzender des Gartenbauvereines Wasserburg, gibt Tipps rund um das Garteln, das in diesen schweren Zeiten an Bedeutung gewinnt. Besonders liegt ihm hierbei der Klimaschutz am Herzen. Beim „Garten-Gespräch“ auf der Streuobstwiese des Vereins klärt Hammermüller auf, dass es in puncto Klimaschutz im eigenen Garten „grundsätzlich kein Patentrezept gibt“. „Selbst kleine Veränderungen können langfristig enorm viel bewirken“.

Seine wichtigsten Tipps:

Wilde Ecken zulassen: „Egal, ob kleine oder große Gärten, einen wilden Rückzugsbereich für Insekten oder Vögel kann man überall einrichten“, sagt Hammermüller. Laubhaufen mit Gestrüpp, Ästen oder mit den jetzt im Frühjahr abgeschnittenen Staudenresten bieten vielen Tieren einen Unterschlupf. Der kleinste heimische Vogel, der Zaunkönig, liebt es zum Beispiel, sein kugelförmiges Nest in Bodennähe zu bauen, berichtet er.

Einen Komposthaufen anlegen: Wer schon einmal einen Komposthaufen beobachtet hat, sieht, dass sich dort gerne Vögel tummeln und das ein oder andere Insekt verspeisen. „Trotz Biotonne, einen Kompost anlegen“, lautet deshalb der Appell des Vorsitzenden. Nicht nur die Vögel ziehen daraus ihren Nutzen, auch feine Erde kann hier entstehen – bei sachgemäßer Umsetzung und Schichtung des organischen Materials. Wie das geht, darüber kann sich jeder beim Gartenbauverein Wasserburg informieren. „Der große Vorteil eines gut geführten Komposthaufens ist, dass ich feinste Erde direkt vor Ort habe und mir keine aus dem Baumarkt holen muss, wo ich nicht immer weiß, wo das Material herkommt.“

Torffreie Erde verwenden: Der Abbau von Torf zerstört Moore, die wichtige Lebensräume für Flora und Fauna sind und klimatechnisch ganz wichtig: Moore können viel CO2 binden, erläutert der Experte. Auf die Frage, ob es denn einen spürbaren Unterschied gibt zwischen Blumenerde mit Torf oder ohne, merkt Hammermüller an: „Das Einzige ist wohl die Griffigkeit. Erde mit Torf fühlt sich anders an, aber von der Handhabung im Garten kann ich keinen Unterschied erkennen“.

Ein gut gemachter Kompost ist bester Ersatz für chemischen Dünger, erläutert Hammermüller weiter. Zwei bis drei Zentimeter im Frühjahr ausgebracht und eingearbeitet, braucht es keinen gekauften Dünger mehr. Außer Patentkali für die Stärkung der Pflanzen im Herbst, hier speziell für die Rosen, und Hornmehl, setzt Hammermüller ganz auf den natürlich entstandenen Bodenverbesserer. Wobei auch beim Hornmehl auf Qualität zu achten sei und „man vielleicht nicht die billigste Ware im Discounter kaufen sollte“. Im Verein selber kaufen sie die Zusatzdünger im Großen ein und verteilen das Material dann auf die Mitglieder.

Heimische Pflanzen auswählen: „Bitte beste Bioqualität statt billige Supermarktware“, sagt der Vorsitzende. Hoher Spritzmitteleinsatz suggeriere oft Schönheit und Gesundheit der Pflanzen, die zu Hause im Garten ohne diesen Einsatz, meist ein jähes, schnelles Ende fänden.

Die Geranie gehört auf den oberbayerischen Balkon, ein Klassiker, „aber völlig sinnlos für Insekten“. Wer nicht ganz auf diesen Star des Balkonkastens verzichten mag, der kann ihn zumindest zusammen mit bienenfreundlichen Pflanzen mischen, „dann ist die Geranie auch erlaubt“, sagt Hammermüller schmunzelend – wohlwissend, dass manches einfach mehr oder weniger zum Gartenbrauchtum gehört, Klimaschutz hin oder her.

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Mischkultur im Gemüsekarten: „Bitte, wie im Wald Monokulturen vermeiden“. Dass es durchaus Pflanzen gibt, die sich mögen und gut nebeneinander gedeihen und solche, die es nicht nebeneinander aushalten, dürfte spätestens seit den Büchern von Marie-Louise Kreuter bekannt sein. Vielerlei „alternative“ Methoden stellt sie in ihren Werken vor, die heute mittlerweile Klassiker sind.

Im Gemüsegarten würde solch ein Mischbeet zum Beispiel so aussehen: In der Mitte des Beetes werden mit reichlich Abstand zwei Reihen Frühkartoffeln gesetzt, dazwischen eine Reihe Spinat, rechts und links eine Reihe Radieschen. Außen darf als Begleitpflanze eine nichtrankende Kapuzinerkresse die Einfassung bilden. Blüten und Blätter dieser Pflanze sind hier vom Feld weg essbar und die Früchte lassen sich wie Kapern einlegen. Spinat und Radieschen sind längst geerntet, bis sich die Kartoffeln richtig ausbreiten. Der besondere Reiz für eine Mischkultur dürfte auch sein, dass sie weniger arbeitsintensiv ist. So müssen zum Beispiel hier die Kartoffeln nicht angehäufelt werden.

Nicht nur auf hohen Ertrag setzen: „Das Gemüse, welches angebaut wird, muss aber auch gegessen werden. „Es nützt ja nichts“, so erklärt Hammermüller, „wenn das Gemüse auf dem Kompost landet“. Oft sieht man dies vor allem bei dem Gartenliebling Gurke oder Zucchini. Ist Gurkenschwemme, so lautet der Tipp, doch mal die Nachbarn zu fragen, ob sie etwas abhaben mögen. Auch die Tafeln und Altenheime seien dankbare Abnehmer. „Es bringt wenig, im Garten auf hohen Ertrag zu setzen und dann doch lieber zum Discounter zu gehen und Hochglanzware zu kaufen.“

Mittlerweile gibt es Apps, über die sich Menschen melden können, die zum Beispiel im Herbst zu viel Obst im heimischen Garten haben und dies gerne mit anderen teilen würden. Der ein oder andere Städter kommt gern und holt sich Apfel & Co, aber nicht nur die, gibt es doch auf dem Land genügend Menschen, die keinen Garten haben und sich durchaus über ungespritzte Ware freuen, weiß Hammermüller aus Erfahrung.

Regenwasser sammeln:Die Wetterextreme nehmen zu, heuer gab es zum Beispiel keinen Schnee, man darf gespannt sein, wie sich das Frühjahr hinsichtlich Regen und Bodenfeuchte noch entwickelt. Abgesehen davon ist der dringende Rat, Regenwasser zu sammeln. So wird Trinkwasser gespart, zumal Regenwasser weicher und besser für die Pflanzen ist. Wasser aus dem Hahn ist zu kalt. „Gerade in Hitzeperioden führt dies regelrecht zu einem Schock.“

Düngen, Mulchen, Mähen: Von der Küche in den Garten, heißt es beim jungen Gartenbauvereinsvorsitzenden zu Hause. So bringt er seinen Kaffeefilter zu den Rosen und auch Bananenschalen, „natürlich nicht in Mengen und kleingeschnitten“, werden im Boden als Dünger untergemengt. Wie auch der Rasenschnitt gut als Mulchmaterial dienen kann. „Ein guter Gärtner ist ein fauler Gärtnter“, heißt es. Mulchen sorgt für entspanntes Garteln. Hacken und Jäten reduzieren sich dadurch auf ein „erträgliches“ Maß. „Hierfür ist es aber wichtig, eben keinen Mähroboter zu haben, die machen nämlich alles platt, vom Gänseblümchen bis zur Heuschrecke.“ Auf den Seiten der Tierschutzverbände erfährt man, dass selbst Igel schwerste Verletzungen von diesen kleinen Robotern erfahren können.

Einen Ostbaum pflanzen:

Am Schluss empfiehlt Hammermüller noch den Klassiker schlechthin: „Pflanzen Sie einen Obstbaum“. Ein Obstgehölz habe im kleinesten Garten Platz, selbst auf dem Balkon. Mittlerweile gebe es viele Varianten im Angebot und auch Wildfruchtgehölze könnten zum Beispiel statt einer klassischen Hecke im Garten gepflanzt werden.

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