Das Klärwasser bleibt in Rott

Die Rotter Kläranlage wird modernisiert.
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Die Rotter Kläranlage wird modernisiert.

Die Rotter Schmutzwässer bleiben in Rott: Der Gemeinderat hat einstimmig beschlossen, die Kläranlage zu halten – und sogar zu modernisieren.

Von Richard Helm

Rott – Die Rotter Kläranlage wurde 1973 gebaut. 2010 errichtete die Gemeinde einen Schlammspeicher, 2015 verbesserte sie die Rechenanlage. Obwohl die Einrichtung in einem guten Zustand ist, sind durch den jahrelangen Betrieb die Anlageteile mittlerweile verbraucht. Die mechanisch-biologische Kläranlage ist für 4 260 Einwohner ausgelegt und stößt an ihre Grenzen.

Zum September 2019 hatte Rott 4 091 Einwohner. Dazu kommen die Gewerbebetriebe, die auch Abwasser erzeugen, sodass in Spitzenzeiten eine Abwassermenge auf die Kläranlage zufließen können wie von 5 500 Einwohnern. Sollte Rott weiterwachsen, so ist eine Spitzenauslegung von 7500 Einwohnerwerten erforderlich.

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Neben der Ertüchtigung der bestehenden Kläranlage bietet sich eine weitere Möglichkeit an. Die Gemeinde Schechen hat beschlossen, ihr Abwasser zur Kläranlage nach Rosenheim zu pumpen. Diese Möglichkeit nutzen bereits einige Gemeinden, wie zum Beispiel Kolbermoor oder Großkarolinenfeld. Die Chance besteht, an der Pumpstation in Schechen anzuschließen und so das Abwasser nach Rosenheim zu leiten. Doch auch dieses Verfahren ist nicht kostenfrei. Die Gemeinde Schechen berechnet eine Durchleitungsgebühr und die Kläranlage in Rosenheim Abwasserreinigung und Investitionsbeteiligung.

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Diplom-Ingenieur Anton Schmuck vom Ingenieursbüro Dieppold & Gerold GmbH in Prien hat beide Varianten untersucht und im Gemeinderat vorgestellt. Die Modernisierung der bestehenden Kläranlage ist günstiger und kann zudem auf mehrere Jahre gestreckt werden. Schmuck summierte die Ertüchtigung auf 4,2 Millionen Euro gegenüber der Ableitung der Abwässer nach Rosenheim mit 6,8 Millionen Euro. Um überhaupt anschließen zu können, muss nach seinen Angaben erst eine Pumpstation mit zwei Antriebspumpen gebaut und an die Pumpstationen in Schechen angeglichen werden. Außerdem würden ein Vorschacht und ein Notstauraum sowie 7,8 Kilometer Druckleitungen benötigt. Das erfordere Grundstücksankäufe.

Schmuck hat das mit Einbeziehung der jährlichen Kosten auf 30 Jahre hochgerechnet. Auch hier verliert die Ableitung nach Rosenheim mit 15,3 Millionen Euro gegenüber der Modernisierung der bestehenden Kläranlage mit 14,1 Millionen Euro. Fairerweise muss für die Ableitung gesagt werden, dass es eine 50-Prozentige Förderung auf den Bau von Pumpstationen und Druckleitungen gibt, die jedoch 2021 ausläuft, so der Gutachter.

Ziel: sich nicht abhängig machen

Anscheinend war jeder im Gemeinderat froh, das zu hören. Wie die Wortmeldungen zeigten, behagt es keinem fraktionsübergreifend, sich von Schechen und Rosenheim abhängig zu machen. Alle wollten „ihre“ Kläranlage erhalten. So fiel der Beschluss einstimmig, die Kläranlage auf mehrere Jahre zu modernisieren.

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