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Kirchenvorstand Markus Pöhmerer aus Wasserburg: „Dieses Amt ist kein Egotrip“

Markus Pöhmerer scheidet zum Jahresende aus dem Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde in Wasserburg aus.
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Markus Pöhmerer scheidet zum Jahresende aus dem Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde in Wasserburg aus.
  • vonKarheinz Rieger
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Ein halbes Jahrhundert war Markus Pöhmerer im Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde Wasserburg tätig. Seit 1996 als Kirchenpfleger. In dieser Zeit hatte er es mit fünf Pfarrern und einer Pfarrerin zu tun. Zum Jahresende legt er seine Ämter nieder und erinnert sich zuvor noch einmal an sein langes Wirken.

Wasserburg – Eine Ära geht zu Ende: Markus Pöhmerer gibt nach 50-jähriger ehrenamtlicher Tätigkeit im Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde am Jahresende das Amt des Kirchenpflegers ab, das er nun schon seit 1996 mit viel Engagement und Elan ohne Unterbrechungen ausfüllt.. Diverse Bauvorhaben, zuletzt der Neubau des Pfarrhauses mitsamt Büros, stehen auf seinem Erfolgskonto, ebenso die Gründung der Fördervereine für die Christuskirche und den Pfaffinger Kindergarten. Ende des Jahres winkt jetzt der ehrenamtliche „Kirchenruhestand“, denn Pöhmerer scheidet auch aus dem Kirchenvorstand aus.

Wie war das damals ganz am Anfang Ihres Wirkens? Warum wollten Sie in den Kirchenvorstand?

Markus Pöhmerer:Von Wollen kann eigentlich keine Rede sein. Beim Taufgespräch für meinen erstgeborenen Sohn fragte mich Pfarrer Hermann Meyer, ob ich mir eine Kandidatur als Kirchenvorstand vorstellen könne. Mein Argument, ich sei dafür zu jung, müsse außerdem zuerst mein Geschäft aufbauen, ließ er nicht gelten und schließlich war ich auf der Kandidatenliste. Wie erwartet war ich nicht erfolgreich. Damals waren nur 6 bewährte Personen für dieses Amt vorgesehen, aber zu meiner Überraschung berief man mich.

„Ich konnte die Frage mit „Ja“ beantworten und wurde daraufhin dem Finanzausschuss zugeteilt.“

Markus Pöhmerer auf die Frage, ob er Schafkopf spiele.

Wie hat sich die Arbeit im Kirchenvorstand im Laufe der vergangenen 50 Jahre verändert?

Pöhmerer: Ziemlich drastisch. In der ersten Sitzung wurde ich gefragt, ob ich Schafkopfen könne. Ich konnte die Frage mit „Ja“ beantworten und wurde daraufhin dem Finanzausschuss zugeteilt. Bald wusste ich warum: Nach jeder Zusammenkunft „kartelten“ wir und die Gewinne wurden grundsätzlich für eine neue Orgel gespendet. So lernte ich zusätzlich zum Spaß die Grundsätze der Kameralistik und den Gebrauch eines Haushaltsplanes kennen.

Heute dauern die Sitzungen wesentlich länger, die Protokolle werden gleich während der Sitzung geschrieben.

Wer so lange ehrenamtlich tätig ist braucht besondere Eigenschaften. Welche haben Ihnen die letzten 50 Jahre am meisten geholfen?

Pöhmerer: Man braucht schon eine gewisse Standfestigkeit, muss Rückgrat zeigen und klar seinen Weg gehen, nicht ohne aufgeschlossen für bessere Vorschläge zu sein. Am wichtigsten ist es jedoch, das Vertrauen der Gemeindeglieder zu gewinnen und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Auch wenn es meist nicht publikumswirksam ist und Ruhm und Ehre Fremdwörter bleiben, wenn man unliebsame Ziele vertritt.

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Welches war die größte Herausforderung? Welches Lieblingsprojekt bleibt in besonderer Erinnerung?

Pöhmerer: Als ich im September 1996 das Amt des Kirchenpflegers übernahm, war mein Hauptgrundsatz: Wir können alles kaufen und bauen, wenn wir genügend Mittel haben. Schulden wird es mit mir nicht geben. Ich setzte immer auf die Unterstützung durch unsere Kirchenmitglieder und wurde nicht enttäuscht. Der Bau des neuen Pfarrhauses für immerhin 836 000 Euro war für mich das absolute Highlight: Die Planung und die Organisation der finanziellen Mittel und schließlich die bauliche Ausführung, das alles erforderte viele Stunden ehrenamtlicher, aber interessanter Tätigkeit.

Ohne das Vertrauen und die Unterstützung unserer Kirchenmitglieder wäre mir nichts gelungen.

Markus Pöhmerer

Gibt es Menschen oder Ereignisse, an die Sie sich besonders gerne erinnern und warum?

Pöhmerer: Da fällt mir sofort der Name Alex Amthor ein. Er war mein Mentor und stärkte mir den Rücken. Es gab schon auch Situationen, die mich ans Aufgeben denken ließen. Aber er erinnerte mich an meinen Wahl-Auftrag und unterstützte mich nach Kräften dabei, ebenso wie viele Gemeindeglieder und Pfarrer Richard Kolb, Pfarrer in Wasserburg von 1951 bis 1959. Das damalige Jugendheim und die Christuskirche mit Pfarrhaus entstanden unter ihm.

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Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie auf Ihr langes Wirken zurückblicken?

Pöhmerer: Eigentlich nichts, denn ich schaue lieber nach vorne. Die Zukunft ist veränderbar, die Vergangenheit gelaufen.

Wie fühlt sich das an, so nach einem halben Jahrhundert an vorderster Front auszuscheiden?

Pöhmerer: Ich gebe ja nur ein Ehrenamt auf und bleibe in Wasserburg. Andrerseits macht es mich schon traurig, nicht mehr „mitmischen“ zu können. Aber ich bin jetzt 75 Jahre alt und der Jugend gehört die Zukunft. Die jungen Leute sind gefordert, sie nach ihrer Vorstellung zum Wohle der Gemeinschaft mit zu gestalten. Ich hatte auch die Chance. Außerdem wollte ich von jeher selber die Türe hinter mir zumachen.

Welchen Tipp geben Sie Ihrer Nachfolgerin im Amt des Kirchenpflegers mit auf den Weg?

Pöhmerer: Eigentlich keinen, sie wird es nach ihrer Vorstellung gestalten. Aber ohne das Vertrauen und die Unterstützung unserer Kirchenmitglieder wäre mir nichts gelungen. Dieses Amt ist kein Egotrip.

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