Kirchenfrau und Powerfrau – Isolde Brandl, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Wasserburg, im Porträt

Mit einem Engel an ihrer Seite: Isolde Brandl, Vorsitzende des Wasserburger Pfarrgemeinderats, ist begeisterte Liebhaberin der Volkskunst.
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Mit einem Engel an ihrer Seite: Isolde Brandl, Vorsitzende des Wasserburger Pfarrgemeinderats, ist begeisterte Liebhaberin der Volkskunst.

Sie führt seit 30 Jahren den Pfarrgemeinderat St. Jakob, daneben ist sie gewähltes Mitglied der Kirchenverwaltung: Isolde Brandl. Die Wasserburgerin ist noch viel mehr: Lektorin, Kommunionshelferin und 30 Jahre Teil des Familiengottesdienstteams. Bis vor zwei Jahren war sie auch noch Lehrerin. Für die Kirche war aber immr Platz im Leben der Powerfrau.

Von Winfried Weithofer

Wasserburg – Liebliche Engelsfiguren und feine Klosterarbeiten schmücken ihr Wohnzimmer, eine Weihnachtspyramide und ein Nussknacker aus dem Erzgebirge stehen auf dem Tisch, ein stimmungsvolles Ölgemälde des allseits bekannten Willy Reichert mit der Stadtansicht von Wasserburg hängt über dem Sofa. Bei Isolde Brandl, Vorsitzende des Wasserburger Pfarrgemeinderats, ist die Volkskunst zu Hause: Ein großartiges Ensemble, das der Religiosität huldigt.

Mit Gelassenheit die Situation annehmen

Der Einstieg in das Gespräch mit der Zeitung ergibt sich dadurch gewissermaßen von selbst: Hilft die Religion dabei, diese verrückten Zeiten besser zu überstehen? „Ich denke, sie hilft denen, die wie ich religiös sind, aber diejenigen, die mit Glauben abgeschlossen haben, werden sich vielleicht noch weiter distanzieren.“

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Auf jeden Fall hat die 64-Jährige Verständnis, wenn manche Gläubige in der aktuellen Situation nicht in die Kirche gehen, sondern zu Hause bleiben. Brandl selbst nimmt die aktuelle Situation mit einiger Gelassenheit hin. Dass sie in diesen Tagen Gott näher zugewandt ist als sonst, würde sie nicht sagen. Auch an eine Rettung durch die Religion glaubt sie nicht: „Der Herr ist nicht derjenige, der alles richtet, da müssen wir Menschen schon mitarbeiten. Man kann nicht alles auf den lieben Gott schieben.“

Bodenständig und pragmatisch

Bodenständigkeit und Pragmatismus zeichnen die Frau aus. Seit nunmehr 30 Jahren führt sie den Pfarrgemeinderat St. Jakob, daneben ist sie gewähltes Mitglied der Kirchenverwaltung – ein vom Pfarrer geführtes Gremium, das für Baumaßnahmen, Personal und Finanzen verantwortlich ist. Damit nicht genug: „Ich bin noch Lektorin, Kommunionshelferin und war die letzten 30 Jahre Mitglied im Familiengottesdienstteam“, sagt Brandl. Von anderen wird sie „Powerfrau“ genannt. Bis vor zwei Jahren war sie dazu noch voll berufstätig – heute wundert sie sich, wie sie neben all den Aufgaben für die Kirche noch ihren Beruf als Lehrerin hat ausüben können.

Zusammenlegung zweier Kirchenstiftungen

Eine der nächsten Aufgaben für sie als Pfarrgemeinderatsvorsitzende ist das Projekt Stadtkirche - die seit Jahren angestrebte kirchenrechtliche Zusammenlegung der beiden Kirchenstiftungen St. Jakob und St. Konrad. Wegen Corona geht es dabei aber nicht voran. Das mag momentan zu verschmerzen sein, aktuell drängender ist die Frage, wie die Kirche Weihnachten feiern kann. Die Ausgangssperre verbietet es, spät am Abend Gottesdienste zu feiern.

Bibinger bringt eigenen Stil ein

Ein Thema für Gespräche mit Bruno Bibinger, der Anfang September zum Pfarradministrator in Wasserburg berufen wurde. Mit dessen Vorgänger Dr. Paul Schinagl hatte Brandl 30 Jahre lang eng zusammengearbeitet. Sie bedauert sehr, dass die Kooperation mit dem neuen Pfarrer noch nicht richtig in Gang gekommen ist – coronabedingt: „Die gemeinsamen Sitzungen mussten ja alle abgesagt werden.“ Bei den ersten Begegnungen empfand sie Bibinger als „sehr nett und tatkräftig“. Und fügt hinzu: „Er hat vieles anders gemacht, hat einen eigenen Stil eingebracht.“

Sie war Lehrerin an der Berufsschule

Nach dem Abitur am Luitpold-Gymnasium Wasserburg ging Brandl 1976 zum Studium nach München. Ziel: höheres Lehramt für berufliche Schulen mit Schwerpunkt Ernährungswissenschaften und katholische Religionslehre. „Das war genau mein Berufswunsch.“ Zuerst war sie in Landshut, dann in Traunstein und schließlich, ab 1984, an der Berufsschule in Wasserburg tätig.

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Als Studiendirektorin hatte sie den Fachbereich Religion und Ethik inne, sie unterrichtete zudem nach Auflösung der Abteilung Hauswirtschaft Sozialkunde und Deutsch. Von dieser Zeit schwärmt sie noch heute: „Der Unterricht fand in den unterschiedlichsten Berufsgruppen statt. Hauswirtschafterinnen, Maschinenbauer, Maurer, Zimmerer, Schreiner, Mechatroniker, Landwirte, Bürokaufleute und Einzelhändler gehörten ebenso dazu wie Verfahrensmechaniker, technische Produktdesigner und technische Modellbauer. Das hat total Spaß gemacht.“

Glücklich in Wasserburg

Bei den Schülern war sie beliebt, sie erhielt Komplimente wie: „Frau Brandl, jetzt habe ich zum ersten Mal Politik und Gesetzgebung kapiert.“ Sie engagierte sich über den Lehrplan hinaus an der Schule, rief das Kriseninterventionsteam ins Leben. Damit kam eine Aufgabe auf sie zu, die höchste psychische Belastung mit sich brachte: „Wenn ein Schüler tödlich verunglückte, wurde ich als Krisenpädagogin gerufen.“ Besonders stolz ist sie darauf, dass sie an der Schule die Typisierungsaktion der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) gründete. „Vier Schüler konnten so als Lebensretter gefunden werden“, so Brandl.

Jetzt Zeit für die Kunst

Isolde Brandl ist glücklich in Wasserburg. „Ein Traum. Ich hatte das Glück, hier den Beruf und das Ehrenamt verbinden zu können. Und da, wo andere Urlaub machen, darf ich leben. Ich genieße diese Stadt.“ Diese Lebensfreude will sie sich jetzt nicht durch zusätzliche Aufgaben beeinträchtigen lassen: „Ich bin doch nicht in den Ruhestand gegangen, um noch dieses oder jenes zu übernehmen. Ich will für mich mehr Zeit haben.“ So will sie den Vorsitz beim Pfarrgemeinderat nach Ende der Amtszeit 2022 dann nach 32 Jahren auf jeden Fall abgeben und in jüngere Hände legen. Wichtig ist ihr jetzt, ihre Liebe zur Kunst auszukosten, zu dekorieren, alte Sachen zu sammeln und zu restaurieren. Das macht sie selig.

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