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„Zukunft ist bio“

Kirchdorfer Jungbauer Stefan Meier übernimmt Naturland-Hof der Eltern und züchtet Bio-Hendl

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Vater und Sohn in ihrem Element: Alois (links) und Stefan Meier aus Kirchdorf bewirtschaften nach Naturland-Richtlinien. Der Juniorbauer investiert jetzt in einen Maststall für Biohendl. Das Tierwohl steht im Fokus.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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Stefan Meier aus Kirchdorf bei Haag ist 24 Jahre alt und mit Leib und Seele Bio-Bauer. Er übernimmt den Hof seiner Eltern, der seit seit 30 Jahren nach Naturland-Richtlinien bewirtschaftet wird. Nun investiert der frisch gebackene Meister in einen Maststall für Biohähnchen. Das Tierwohl steht an erster Stelle.

Kirchdorf – Die Zukunft ist Bio – da ist sich die Familie einig. Alois Meier (62) aus Kirchdorf bewirtschaftet seinen Hof seit 30 Jahren nach Naturland-Richtlinien und baut Getreide für regionale Mühlen an. Stefan Meier (24) hat kürzlich die Meisterprüfung an der Fachschule für ökologischen Landbau abgelegt und wird Hofnachfolger. Zusammen planen die beiden Landwirte einen Bio-Hähnchen-Maststall – mit zum Teil eigener Futtermittelproduktion.

Gemeinderat: einstimmiges Ja

Der Gemeinderat hat sein Einvernehmen bereits einstimmig erteilt, die Baugenehmigung seitens des Landratsamtes Mühldorf ist nun auch da. Das Investitionsvolumen liegt nach Angaben des Jungbauers bei etwa 550.000 Euro.

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Baubeginn des Stalles, der für 9.600 Hendl gedacht ist, ist für Sommer geplant. Das 18 mal 72 Meter große Gebäude wird südwestlich vom Hof in Wella errichtet. Zum Vergleich: In der konventionellen Hähnchenmast wären auf der gleichen Fläche rund dreimal so viele Tiere erlaubt. „Das war für uns von vornherein nie ein Thema“, sagt Familie Meier. Angst vor Geruchsbelästigung müssen die Anwohner nicht haben – der Hof liege ab vom Schuss, die Stückzahl des Geflügels sei überschaubar.

Wintergarten mit Außenklima

Ende 2021/Anfang 2022 sollen die Bio-Hühnchen, die als Eintagesküken von der Brüterei Die Eiermacher aus dem österreichischen Kremsmünster (zwei Autostunden entfernt) bezogen werden, eingestallt werden.

Die Vögel haben dann auf den 35 Hektar Nutzfläche des landwirtschaftlichen Anwesens vier Hektar Auslauf, bekommen einen Wintergarten mit „Außenklima“, der von einem Netz geschützt ist. Sie setzen mit ,Isa-Ja-757‘ eine langsam wachsende Rasse ein. Die Gefiederfarbe ist braun. Wichtig sei, dass die im Bio-Bereich eingesetzte Rasse robuster, vitaler und agiler aber auch langsam wachsender sei. „Das müssen sie auch sein, da sie durch die Auslaufmöglichkeit in Kontakt mit Umwelteinflüssen geraten. So natürlich wie möglich eben“, sagt der Senior-Bauer.

Prophylaktischer Einsatz von Antibiotika bei Bio nicht erlaubt

Geflügelrassen, die so getrimmt sind, dass sie vor lauter Fleisch kaum noch laufen können, lehnt er ab. Prophylaktischer Einsatz von Antibiotika sei bei Bio-Landwirtschaft nicht erlaubt.

Der Auslauf für die Hendl soll artgerecht sein: Mit Hecken und Sträuchern zum Verstecken vor Greifvögeln. „Ein Hendl will scharren, picken, Würmer suchen, braucht Licht und Sonne. Dadurch gibt es weniger Federrupfen, das Tier ist robuster – das alles wirkt sich auf die Qualität des Fleisches aus“, ergänzt Meier junior. Aus eigenem Anbau wird Weizen verfüttert. Das Getreide wird gemahlen und pelletiert. „Hühner bevorzugen Körner oder pelletiertes Futter zum Picken“, sagt der Hofnachfolger.

Mastdauer: 60 Tage

Die Tiere in seinem künftigen Hähnchenstall werden bis zu 60 Tage (konventionelle Rassen haben eine Mastdauer von bis zu 35 Tagen) lang mit Bio-Futtermittel gemästet, um ein Gewicht von 2 bis 2,3 Kilo zu erreichen“, erklärt er weiter. Weizen aus eigenem Anbau soll verfüttert werden. Hinzu kommen etwa Mais, Sojakuchen, Sonnenblumenkuchen und Hafer.

„Natürlich alles Bio und so regional wie nur möglich. Naturland hat hier die Vorgabe, mindestens 50 Prozent des Futterbedarfs der Hähnchen auf dem Betrieb oder mithilfe eines Naturland-Kooperationsbetriebs aus der Region zu erzeugen“, erklärt Stefan Meier.

Ein Teil wird ab Hof vermarktet

Nach 60 Tagen wird das Geflügel abgeholt; kurze Transportzeiten schonen die Tiere. Die Schlachterei und der Vermarkter Hubers Landhendl befinde sich in der Nähe von Braunau, in Pfaffstätt.

Verkauft werden die Bio-Hendl der Kirchdorfer Familie dann auf dem deutschen Markt im Lebensmitteleinzelhandel – ein kleiner Teil wird auch direkt ab Hof vermarktet. „Derzeit ist der Biomarktanteil bei Geflügel erst bei drei Prozent, es ist also noch eine Nische. Aber die Nachfrage seitens der Verbraucher steigt“, so der 24-Jährige.

Leerstandszeit wichtig für Hygiene

Er erklärt das Rein-Raus-Verfahren: Die Hendl werden alle zeitgleich gemästet und dann abgeholt. Anschließend steht der Stall anderthalb Wochen leer. Die Leerstandszeit sei wichtig: Durch den fehlenden Wirt, sterben Erreger ab. Außerdem ist Zeit zum Reinigen mit biokonformen Mitteln, Dampfstrahler und mittels tagelangem Durchlüften. „Sauberkeit und Hygiene haben oberste Priorität“, so die Meiers.

Dann beginnt ein neuer Mast-Durchgang. Vier bis fünf Zyklen pro Jahr seien möglich.

Der Vogelmist sei wertvoller Dünger und werde auf den eigenen Flächen ausgebracht. Durch die viehlose Bewirtschaftung sei im Betrieb jahrzehntelang nicht gedüngt worden. Nachhaltige Flächenbewirtschaftung sei langfristig nur mit organischer Düngung möglich. Das Bodenleben werde profitieren. Kreisläufe werden wieder geschlossen.

Für 62-Jährigen ist Projekt Herausforderung

Für den 62-jährigen Alois Meier ist das neue Projekt eine Herausforderung. „Man muss die Jungen hinlassen. Der Stefan wird dann der Chef sein“, sagt er augenzwinkernd. Sein Sohn habe alles so geplant, dass die Arbeit hauptsächlich von ihm allein gestemmt werden könne und er nicht auf Angestellte angewiesen sei. Natürlich werden er und seine Frau Anna ihm unter die Arme greifen, wenn es vonnöten sei.

Mehr Bewusstsein beim Verbraucher durch Corona?

Die Landwirtsfamilie hat den Eindruck, durch die Corona-Krise wachse das Bewusstsein der Menschen für eine gesunde und generationengerechte Lebensweise. „Wir denken, der Kunde schaut besser drauf, wo sein Essen herkommt und, unter welchen Haltungsbedingungen es erzeugt wurde. Bio ist gefragt, denn man kann es mit gutem Gewissen essen“, sagen Vater und Sohn.

Kunden wollen regionale Produkte

Vermutlich werde man in Zukunft weniger Fleisch konsumieren, dafür aber hochwertigere Erzeugnisse. Auch sollten pestizidfreies Wirtschaften und regionale Futtermittel stärker in den Fokus rücken. Inzwischen setzen viele Supermärkte vermehrt auf regionale Produkte, was bei den Kunden gut angenommen werde.

Bauer - ein attraktiver Beruf?

Ist Bauer sein heute noch ein attraktiver Beruf – bei der schweren Arbeit, der Preisentwicklung und den bürokratischen Hürden? „Für mich einer der schönsten Berufe überhaupt“, sagt Stefan Meier. Er schwärmt von der Nähe zur Natur und den abwechslungsreichen Tätigkeiten in seinem Betrieb. „Als Bio-Landwirt will ich Gutes bewirken. Gibt man Gutes, so kommt auch Gutes zurück. Die nachhaltige Bewirtschaftung der Böden sowie die Erhaltung und Verbesserung der Artenvielfalt im Feld, Wiese und Wald liegt mir besonders am Herzen“ , so der 24-Jährige.

Ja, die Marktpreise passen vielfach nicht, so habe sich der Getreidepreis seit 40 Jahren nicht wirklich entwickelt. Die Geflügel-Preise dagegen stimmen für die Meiers, wie sie sagen.

Bio sei einfach ein enormer Aufwand, das Futter doppelt so teuer, das Wachstum langsamer und der Stall größer.

Biohendl laufen fidel herum

Die Festkosten seien von Anfang an höher. Von der Bürokratie bis zur Zertifizierung ganz zu schweigen, so Alois Meier. Der Mehraufwand für dieses hochwertige „Lebensmittel“ werde aber im Bio-Bereich eher honoriert.

„Am Ende siehst du, dass es gut ist. Du beobachtest, wie fidel die Biohendl rumlaufen. Denen geht‘s prima – und darum kannst du sie auch mit Appetit essen“, so der 62-Jährige.

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