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Kinder sitzen auf dem Trockenen

Jörg Berchtenbreiterist Bademeister in Haag.

Wasserburg/Gars/Haag – Schwimmkurse für Kinder sind im Altlandkreis Wasserburg beliebt, entsprechend lang sind die Wartezeiten.

Bis zu einem Jahr gedulden sich Kinder und Eltern für einen Platz. Im kommenden Jahr steht die Generalsanierung des Haager Schwimmbads an. Und auch Gars plant eine Sanierung des Schulschwimmbades. Dies wird die Situation noch weiter verschärfen.

Geduldig warten zwölf Kinder bis sie an der Reihe sind. Sie harren an der Treppe zum Nichtschwimmer-Bereich des Haager Hallenbads aus. Schließlich darf jeder einmal quer zum Becken schwimmen und seinen Eltern zeigen, dass sie es endlich können – selbstständig schwimmen. Jeder erhält Applaus. Die Familien dürfen lediglich am letzten Tag des Schwimmkurses dabei sein. Die Kinder zwischen vier und acht Jahren haben in den vergangenen zwei Wochen und insgesamt zehn Treffen schwimmen, tauchen und ins Wasser springen gelernt. „Besonders wichtig ist, dass die Kinder keine Angst vor dem Wasser haben“, erklärt Bademeister und Schwimmlehrer Jörg Berchtenbreiter. „Das Schlimmste, was passieren kann, ist Panik zu bekommen und mit Armen sowie Beinen wild um sich zu schlagen.“ Entsprechend hat der Haager Schwimmmeister seine Schützlinge geschult. Doch bis ein Kind einen Platz im Kurs erhält, vergehen oftmals mehrere Monate.

„Wir haben fast ein Jahr gewartet“, bestätigt eine Mutter. „Wir haben schon an Privatstunden gedacht, weil wir nicht noch länger auf einen Kurs warten wollten.“ Ihr Sohn beginnt kommendes Jahr mit der Schule und bereits ab der ersten Klasse gehen viele Schulen ins Schwimmbad. „Wer dann nicht schwimmen kann, wird einfach vom Schulschwimmen ausgeschlossen“, erklärt Berchtenbreiter. Doch nicht nur aus Haag und Umgebung kommen die Kinder zum Kurs. Monika Münzenloher kommt aus Dorfen: „Unsere relativ große Gemeinde hat leider kein Hallenbad. Es hat diesen Sommer auch kein Schwimmkurs im Freibad stattgefunden“, berichtet die Mutter. „In Erding gibt es zwar auch Möglichkeiten einen Schwimmkurs zu machen, aber der Haager Schwimmlehrer hat einen sehr guten Ruf. Wir sind sehr froh, dass unser Sohn hier teilnehmen konnte.“

Lange müssen sich Kinder und Eltern auch für einen Schwimmkurs in der Garser Mittelschule gedulden: Das Schwimmbad hat erst seit den Herbstferien geöffnet, sodass die Herbstkurse rund einen Monat später starten als üblich. Aktuell werden nur noch Kinder aus der Garser Gemeinde aufgenommen. „Für das Jahr 2019 habe ich lediglich noch fünf Plätze frei“, berichtet die nebenberufliche Schwimmlehrerin Hildegard Brader. „Die vergebe ich jetzt nur noch an Garser Kinder.“ Acht Kurse mit jeweils zehn Kindern unterrichtet sie jährlich – drei Wochen dauert ein Kurs mit je drei Treffen wöchentlich. Weil Schwimmkurse und Schwimmbäder in der Umgebung rar sind, habe sie Anfragen aus Haag, Kirchdorf, Maitenbeth, Schwindegg, Dorfen, Albachting, Jettenbach und sogar aus Obing. Viele Eltern wünschten sich außerdem eine Schwimmlehrerin, vermutet Brader den extrem hohen Andrang in ihren Kursen.

Im Schulschwimmbad Reitmehring erteilt die Wasserwacht Wasserburg Kurse, sie laufen ein ganzes Schuljahr. So lernen maximal 20 Buben und Mädchen pro Jahr schwimmen. „Wir machen am Anfang immer viel Wassergewöhnung, denn immer weniger Kinder trauen sich noch ins Wasser. Und da dauert es schon, bis die Kinder wirklich schwimmen können“, erläutert Erster Vorstand Alexander von Loewenfeld. Entsprechend lang sind die Wartezeiten von teilweise über einem Jahr. Evi Winkler gibt seit vielen Jahren nebenberuflich Schwimmunterricht. Sie bietet ihre Kurse privat und über die Volkshochschule (VHS) an. Zwei bis drei Blöcke schaffe sie pro Semester, berichtet sie – je nachdem, wie die Ferien fallen. Ihre zehn Termine verteilt sie auf fünf Wochen mit je zwei Treffen pro Woche. Einen zweiwöchigen „Crash-Kurs“ gibt sie zusätzlich in den ersten beiden Sommerferien-Wochen. Winkler unterrichtet im Badria in Wasserburg sechs bis acht Kinder gleichzeitig. In ihren Privatstunden hat sie ein bis zwei Teilnehmer. Auch ein Bademeister, der im Badria arbeitet, gibt individuelle Schwimmstunden. In dem Wasserburger Erlebnisbad können Eltern einfach einmal nachfragen. Was offenbar auch getan wird, doch auch hier gibt es immer wieder Probleme. „Oft haben Eltern ihre Kinder überall angemeldet und sagen ab, kurz bevor ein Kurs beginnen soll.“ Zudem wünschten sich die Eltern, dass ihre Kinder im Herbst und Frühjahr Kurse machen, die Januarkurse seien hingegen häufig schwach belegt. Bis zu sieben Tage vor Kursbeginn ist es bei der VHS möglich, sich wieder abzumelden. Für Interessierte lohnt es sich daher, einen ausgebuchten Kurs immer wieder auf der Homepage der VHS Wasserburg zu beobachten. „Mit etwas Glück werden kurz vor Beginn noch Plätze frei“, sagt Winkler. Mit dem Kurs allein, sei es allerdings noch nicht getan. „Erst wenn die Kinder die Bewegungen der Beine und Arme sowie die Atmung verinnerlicht haben, dann können sie richtig schwimmen. Und das dauert länger als die Dauer des Schwimmkurses.“ Eltern müssten daher unbedingt nach dem Schwimmkurs weiter mit den Kindern schwimmen gehen. Auch während des Kurses, sofern dieser lediglich ein- oder zweimal die Woche stattfinde. „Eltern unterschätzen oft das Wasser als neues Element. Im Wasser liegt man, um sich fortzubewegen, auf der Erde steht und geht man.“ Bei der VHS können Kinder ab sechs Jahren Schwimmkurse belegen. Gelegentlich dürfen sie bereits mit fünf Jahren beginnen, dann jedoch nur über die Warteliste. Winkler gibt auch Kurse, die Eltern über Kindergärten und Schulen organisieren, aber: „Wir können unsere Schwimmkurse gerade so bewältigen.“

Anders sieht es bei der Schwimmschule Bölsterl aus. Inhaber Harry Bölsterl bietet hauptberuflich als staatlich geprüfter Sportlehrer Schwimmkurse an – die meisten im Badria. Seine Wartezeit ist mit rund zwei Monaten sehr kurz. Vier bis sechs Kinder lernen mit ihm an sieben Treffen, die wöchentlich stattfinden. Einzelstunden gibt die Schwimmschule für Erwachsene und auch Kinder.

Die Frage, ob nun ein Crash-Kurs oder ein wöchentlicher Kurs zum Schwimmen lernen, besser ist, beantwortet jeder Schwimmlehrer anders. Berufstätige Eltern fahren mit einem Kurs, der ein- oder zweimal die Woche stattfindet, eventuell besser als bei einem Kurs über wenige Wochen. Auch für diejenigen, die gerade in die erste Klasse gekommen sind, kann ein Crash-Kurs eher überfordern als nutzen. Verena Hochreiters Sohn hat einen Schwimmkurs gemacht: „Er hat mit viereinhalb Jahren einen wöchentlichen Schwimmkurs begonnen. Der hat in den Ferien nicht stattgefunden, sodass zwischen den Stunden immer wieder lange Pausen waren. Der Kurs war so lang gezogen, dass mein Sohn nach dem Kurs zunächst nicht schwimmen konnte“, berichtet die Mutter. Sie hatte überlegt, den Sohn einen weiteren Schwimmkurs machen zu lassen. „Über den Sommer waren wir oft am See und er kann inzwischen schwimmen – ohne weiteren Kurs.“

Generalsanierung des Haager Schwimmbades steht an

Das Fazit: Das Angebot an Kursen im Altlandkreis ist bei genauerer Betrachtung recht umfangreich und bietet für jede Familie ein passendes Model, wenn auch mit teilweise langen Wartezeiten verbunden. Das wird sich kurzfristig wohl auch nicht ändern. Die Generalsanierung des Haager Schwimmbades steht an und auch für das Bad in Gars ist eine Runderneuerung geplant. Haags Geschäftsleiter Manfred Mörwald geht davon aus, dass im Sommer 2019 mit dem Umbau begonnen wird. Dieser wird voraussichtlich zwei Jahre andauern. Auch die Turnhalle, die sich über dem Bad befindet, ist von der Generalsanierung betroffen. Die Sportlehrer der Grund- und Mittelschule haben eine Fortbildung zu „Sport ohne Halle“ absolviert. Doch einen Kurs „Schwimmen ohne Wasser“ gibt es nicht und Schwimmunterricht sowie -kurse wird die Gemeinde dann über zwei Jahre nicht anbieten können. Eltern werden dann sich nach Gars oder Wasserburg wenden – in der Hoffnung, dass ihre Kinder dort zum Zug kommen.

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