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Als Kind rieten ihr Geigenlehrer aufzuhören, jetzt probiert Heimatzeitungs-Autorin das Cello

Jessica von Ahn versucht sich am Cello. Vorkenntnisse hat sie durch Unterricht an Flöte und Violine als Kind.
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Jessica von Ahn versucht sich am Cello. Vorkenntnisse hat sie durch Unterricht an Flöte und Violine als Kind.

Jessica von Ahn liebt Streichinstrumente. Auch wenn ihr Geigenunterricht als Kind bei ihr nicht nur positive Erinnerungen weckt. Für die OVB-Heimatzeitung versucht sie sich am Cello – in einer Probestunde an der Musikschule Wasserburg.

Wasserburg – Die Sonne scheint auf das alte Gebäude der Musikschule Wasserburg, durch eine schwere Holztür betrete ich das Gebäude. Hinter einer Schiebetür beginnt helles Parkett. Es knarzt bei jedem Schritt. Rasch übertönen Klänge von Instrumenten meine Schritte. Klavier höre ich, und Flöte. Ich muss in den zweiten Stock. Leise Stimmen höre ich hinter der Tür, ab und zu einen gezupften Ton. Dann das Dröhnen eines tiefen Tones. Vorfreude kribbelt in meinem Bauch.

Vier Geigenlehrer „gequält“

Ich setze mich vor dem Raum hin und habe Zeit, mich an meinen Musikunterricht zu erinnern. Flöte und später Violine habe ich gespielt. Vier Geigenlehrer habe ich gequält, zwei rieten mir, wieder aufzuhören, aufgrund von fehlender Musikalität. Trotz der Enttäuschungen liebe ich Streichinstrumente und bin gespannt darauf, die tiefen Klänge des Cellos gleich selbst erzeugen zu dürfen.

Mich begrüßt Oliver Büsel, er ist freundlich und freut sich auf die Stunde. Das Cello eines Schülers hat er für mich mitgebracht. Es sei etwas zu klein für mich, aber für eine Schnupperstunde sie es ausreichend. Ich setze mich auf einen Stuhl. Unten auf dem Boden liegt ein flaches Brett, das mit einer Querstange an den vorderen Stuhlbeinen festgehakt ist. In die Rillen kommt der Stachel. „Damit das Cello nicht verrutscht und der Fußboden nicht zerkratzt“, erläutert der Musiklehrer.

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+++Schnecke, Wirbel, Griffbett, Steg, Saiten, Bogen – mit diesen Begriffen kann ich bereits etwas anfangen. Und dann zupfe ich erst einmal jede Saite an: A, D, G und C. Die Eselsbrücke dazu darf ich nicht schreiben – Cellistengeheimnis: „Für die Kinder ist es lustig, dieses Geheimnis anvertraut zu bekommen“, berichtet Büsel.

Cellisten haben ein Geheimnis

„Bruder Jakob“ spielt er und ich soll jede Zeile mit einem Zupfen beginnen – das erfordert schon einmal hohe Konzentration. Dann darf ich endlich den Bogen halten und die Saiten streichen. Der Bogen ist schwer zu halten: Ich greife ihn mit der rechten Hand, er soll ganz locker in der Hand liegen und gleichzeitig soll ich dafür sorgen, ihn gleichmäßig über das Instrument zu ziehen. Und diesen Tipps folgend – so gut es eben geht – rattert mein Bogen über die vier Saiten. „Am Anfang ist es leichter, das Cello zu zupfen“, erlöst mich der Cellist: „Aufrecht sitzen und das Instrument in die richtige Position bringen, ist erst einmal schwierig genug.“ Und dann greife ich die Töne auf dem Griffbrett und zupfe nun mit dem Musiklehrer zusammen „Bruder Jakob“. Dies gelingt mir zum Glück viel besser. „Notenlesen ist am Anfang gar nicht so wichtig“, so der Musiker. „Kinder wie Erwachsene lasse ich zunächst Kinderlieder spielen. Die kennt jeder auswendig und so kann sich jeder beim Üben daheim gut selber überprüfen. Und ein Lernerfolg ist rasch zu hören.“

Violoncello: Ein anspruchsvolles Instrument

Violoncello zu erlernen sei nicht einfach, erklärt Büsel. Geduld und Fleiß gilt es aufzubringen. Nach vier bis fünf Jahren sei das Spiel so, dass es für ein Orchester ausreicht. Ein Blasinstrument zu erlernen sei einfacher und ein erster größerer Erfolg bereits nach sechs Monaten zu erkennen. Kinder lernen dabei intuitiv, während Erwachsene mehr Erklärung wünschen. Daher brauchten Erwachsene oftmals länger. Über Youtube zu lernen, schließt Büsel vehement aus. Bereits nach 15 Minuten lasse sich eine falsche Haltung erlernen.

Ein Instrument können sich Schüler kaufen oder mieten. Ab 800 Euro gäbe es bereits Lerninstrumente von ausreichender Qualität, sagt der Cellist. Für rund 20 Euro pro Monat lässt sich ein Cello aber auch leihen. Das rät der Musiker besonders Kindern. Denn es gibt die Instrumente in verschiedenen Größen, abgestimmt auf die Größe des Kindes. Schäden sind meist versichert.

Wie Kinder am besten Lernen

Beim Lernen mit Kindern rät Büsel, sich nicht stark einzumischen. „Interesse zeigen, zuhören, zum Üben anregen aber nicht überwachen“, lautet die Empfehlung des Musiklehrers an Eltern. Gleich nach der ersten Stunde könne man dann daheim zusammen ein bisschen musizieren.

15 Minuten tägliches Üben genüge, das werde langsam gesteigert. Büsel empfiehlt, mit dem Erlernen eines Instrumentes frühestens nach Schulbeginn anzufangen, wenn sich der Schulalltag eingespielt hat. Zudem seien musikalische Früherziehung oder Blockflöte für den Anfang sinnvoller. Ziel beim Cellospiel ist es, im Schulorchester oder Ensemble zu spielen. „Das Verbindende, das Musizieren in einer Gruppe, das beseelt“, sagt der Musiker. Zum Abschluss spielt er die Suite No.1 für Cello von Johann Sebastian Bach an. Wie schön! Beseelt verlasse ich den Musikraum und gehe über den knarzenden Holzfußboden wieder heim.

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