DORFLADEN VOR ZWEI MONATEN ERÖFFNET

„I kimm fei wieda“ – Schonstetter nehmen die Nahversorgung selbst in die Hand

Im Schonstetter Dorfladen füllen Geschäftsführerin Albertina Frank und Ladenleiterin Erika Singer (von links) das Sortiment auf und setzen dabei auf frische Auswahl ohne Plastikverpackung.
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Im Schonstetter Dorfladen füllen Geschäftsführerin Albertina Frank und Ladenleiterin Erika Singer (von links) das Sortiment auf und setzen dabei auf frische Auswahl ohne Plastikverpackung.
  • vonChrista Auer
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Seit zwei Monaten haben die Schonstetter wieder einen Dorfladen. Die Resonanz ist bisher positiv. Mittelfristig wird die schwarze Null angestrebt.

Schonstett –Was lange währt, wird endlich gut – auf den Schonstetter Dorfladen passt dieses Sprichwort ziemlich gut. Es gab nämlich viel Arbeit und nicht wenige Hürden in der rund zweieinhalbjährigen Entstehungsphase zu überwinden.

Zahlreiche Schonstetter und Schonstetterinnen waren ehrenamtlich in der Vorbereitung, Gründung, Planung und Umsetzung des Dorfladens mit viel Engagement und Zeitaufwand dabei, ehe am 12. Dezember Eröffnung gefeiert und das gemeinsame Ziel realisiert werden konnte.

Kundenansturm kam überraschend

Mit dem gleichen Elan haben die Macher anschließend auch die logistischen und corona-bedingten Herausforderungen der Startphase gemeistert. Mit Hygienekonzept, Personalplanung, Einschätzung der Bestellmengen und Lieferengpässen nicht immer ein leichtes Unterfangen, wie Geschäftsführer Josef Schmidhuber erzählt. „Auch das Verkaufs-Team ist noch in der Einarbeitung und der große Kundenansturm der ersten Wochen hat uns positiv überrascht. Dennoch haben wir es gut hingekriegt.“

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Alle seien hoch motiviert und trotz der arbeitsreichen Eröffnungsphase sei die Stimmung bestens. „Wir gehen mit Freude in die Arbeit“, ergänzt die Ladenleiterin Erika Singer.

Klar sei aber auch, dass das Personal mit derzeit sieben Teilzeitkräften noch aufgestockt werden müsse. Die Praxis habe gezeigt, dass die anfänglich geplante eine Verkaufskraft mit punktueller Verstärkung nicht reiche. Mit Kundenbedienung, Getränkemarkt, Bestellung, Warenbestand auffüllen und noch vielen weiteren Nebenarbeiten – beispielsweise auch der Zubereitung der hausgemachten Spezialitäten, hätten zwei Verkaufskräfte durchgehend alle Hände voll zu tun, stellte Geschäftsführerin Albertina Frank fest.

Backwaren sind am Sonntag der Renner im Dorfladen

Die Öffnungszeiten würden gut angenommen. Das Sonntagsangebot mit den frischen Backwaren sei „der Renner“. Nur die Warme Theke und die Brotzeitangebote hätten sich noch nicht so gut herumgesprochen und die Kaffeeecke sei corona-bedingt bisher noch genutzt worden, aber das komme sicher noch.

Zudem sei man ständig bemüht, das Warenangebot an die Kundenwünsche anzupassen, betont Frank. Schließlich lautet die Bitte an die Kunden: „Kimm fei wieder“. Die Voraussetzungen dafür sind gut.

Lebensmittel kommen aus der Region

Auf 70 m² bietet das Kramerladl in den ehemaligen Räumlichkeiten der Elektrizitäts-Genossenschaft Schonstett eG, kundenfreundliche Nahversorgung mit einem großen Trockensortiment sowie frischen und regionalen Lebensmitteln aus heimischen Betrieben und kontrolliertem Anbau. Ziel ist eine komplette Grundversorgung mit Nahrungsmitteln kombiniert einem gut gemischten Angebot an frischen Backwaren, Obst, Gemüse, Molkereiprodukten, Getränken und sonstigen Dienstleistungen zu angemessenen Preisen.

Der Umweltgedanke, handwerkliche Erzeugung und Regionalität spielen im Dorfladenkonzept eine große Rolle. So sind im Geschäft kaum Plastikverpackungen zu finden. Obst und Gemüse gibt es offen und weitgehend in regionaler oder Bio-Qualität. Lebensmittel wie Kaffee, Nudeln, Tee oder Süßigkeiten werden auch offen in Glasbehältern angeboten.

Für die Macher ist der Dorfladen eine mit großem ehrenamtlichen Einsatz verbundene Herzensangelegenheit und nah wie vor alle Mühen wert. Nur so konnte, vier Jahre nach der Aufgabe des einzigen Lebensmittelgeschäfts, die Versorgungslücke im Ort geschlossen werden. Mit der Gründung einer Unternehmergesellschaft und rund 150 stillen Gesellschaftern mit Anteilen im Wert von rund 63000 Euro haben die Schonstetter ihre Nahversorgung quasi selbst in die Hand genommen.

Gesamtinvestion beträgt 200.000 Euro

Das Amt für ländliche Entwicklung und die Gemeinde Schonstett haben mit 61 bzw. 10 Prozent kräftig an den Kosten für die festverbaute Ladenausstattung mitgefördert. Zudem sollen mit einen Kredit von etwa 70000 Euro die Gesamtinvestitionskosten von rund 200000 Euro finanziert werden. Man habe nicht wenig Geld in die Hand genommen. „Mittelfristig ist die schwarze Null angestrebt“, sagt Josef Schmidhuber.

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Die Schonstetter sind derweil froh, wieder einen Dorfladen und auch einem Treffpunkt zu haben. „Wir freuen uns, endlich wieder im Ort einkaufen zu können“ oder „bei euch kriegt man alles“, ist häufig von den Kunden zu hören, ebenso wie „da komm ich auch mit dem Rollator gut durch“ oder „I kimm fei wieder“. Und die jungen Schonstetter können hier im Dorfladen ihre ersten Einkaufserfahrungen sammeln - auch ohne ihre Eltern.

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