Corona und Weihnachten

Feiern mit Vorsichtsmaßnahmen: Keiner bleibt an Heiligabend im Haager Seniorenheim allein

Der Weihnachtsbaum wird gemeinsam geschmückt: Heimbewohnerin Maria Pscherer geht Mitarbeiterin Sonja Geyer gerne zur Hand.
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Der Weihnachtsbaum wird gemeinsam geschmückt: Heimbewohnerin Maria Pscherer geht Mitarbeiterin Sonja Geyer gerne zur Hand.
  • vonLudwig Meindl
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Sieben Christbäume stehen im Haager Seniorenheim St. Kunigund zu Weihnachten und am Heiligen Abend. Die Feiern fallen unter großem Aufwand des Personals etwas anders aus als alle Jahre. Die Senioren selbst fühlen sich geborgen. Keiner bleibt allein.

Haag – Mit einem enormen Kraftakt der Angestellten gestaltete das Seniorenheim heuer bereits die Adventszeit. Täglich wurde in der Hauskapelle der Adventskalender geöffnet, um das Tagesmotto auszugeben.

Kurzweilige Adventszeit

Als besondere Aktionen reihten sich in der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest allerlei Aktivitäten aneinander: Sterne wurden verschenkt, verschiedene Stubenmusikgruppen traten auf, darunter auch die „Weinleitn Musi“. Die Heilige Nacht von Ludwig Thoma wurde von Schauspieler Hansi Anzenberger vorgetragen, begleitet durch Gitarre und Zither. Es wurden Plätzchen gebacken und zu guter Letzt die Christbäume in den Aufenthaltsräumen geschmückt.

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Strahlende Gesichter gab es, als der Nikolaus, dargestellt von Pflegedienstleiter Josef Kühnstetter, mit Heimleiterin Manuela Hausner als Krampus und Evelin Maier von der Sozialen Begleitung als Engerl die Zimmer betrat und den Geschenkerucksack öffnete. „Das regte Erinnerungen von früher an“, so Evelin Maier. Sie muss als Engel gut verkleidet gewesen sein: Viele der Heimbewohner hätten sie nicht erkannt, verrät sie.

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Einen Tag vor dem Heiligen Abend gingen die drei von der Heimleitung wieder zu allen Bewohnern persönlich, um unter anderem ein kleines Bäumchen mitzubringen, das die Haager Realschüler für die Senioren in St. Kunigund vorbereitet hatten.

Mitarbeiterin Kathrin Oberbauer bastelte für jeden der aktuell 114 Bewohner ein Adventsgesteck mit LED-Licht für das Nachtkästchen. Das sollte als Trost für den heuer ausgefallenen Christkindlmarkt gelten.

Den Vormittag des heutigen Heiligen Abends gestaltet Inge Weber von der Mittwochsgruppe mit Weihnachtsgeschichten. Nachmittags – nach der Übertragung des Gottesdienstes in der Hauskapelle auf alle Zimmer und Stationen – werden die Senioren ihre Geschenke öffnen. St. Kunigund-Chefin Manuela Hausner lobte ihre Mitarbeiter: „Ich bin total zufrieden, was die machen.“ Ein weitere Dank gelte im Rahmen der außergewöhnlichen krisengezeichneten Weihnachtstage heuer auch besonders den Angehörigen: „Die meisten zeigen Verständnis für die Maßnahmen.“

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Dazu gehören die Tests, die alle Besucher über sich ergehen lassen müssen. Das Personal von St. Kunigund testet mit Unterstützung des Roten Kreuzes selber. Die Tür des Haupteingangs bleibt in der Regel stets verschlossen und wird nur nach Klingeln und Blickkontakt geöffnet. Dann folgen Fiebermessen, Test, Desinfektion, Maskenkontrolle. So schaffte es St. Kunigund in Haag, das ganze Jahr frei von Infektionen zu bleiben.

Die Bewohner sind in der Regel nicht allein gelassen. Das Personal steht rund um die Uhr zur Verfügung. Eine ältere Dame, seit fünf Jahren im Haager Seniorenheim, betont: „Ich habe Weihnachten im Krieg mitgemacht und viel Schlimmeres erlebt.“ Heute freue sie sich, im Gegensatz zu dieser schweren Zeit darüber, ein „Dach über den Kopf“ zu haben, ein warmes Zimmer und Essen. Ein Senior versichert: „Ich fühle mich sehr wohl hier, alle bemühen sich.“

Enkelkinder dürfen heuer nicht kommen

Anneliese Kumpf, Sprecherin der Heimbewohner, versichert: „Das Heim macht unheimlich viel.“ Sie habe noch immer das „Supererlebnis“ vom Nikolausbesuch des Heimleitertrios in Erinnerung.

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Selber kann heuer Anneliese Kumpf nicht wie in den Vorjahren zur Weihnachtsfeier im großen Speisesaal eine Geschichte vortragen: „Ich hoffe, dass es nächstes Jahr wieder geht.“ Großes Mitgefühl hat sie heuer besonders mit den älteren Mitbewohnern, die zur Weihnachtszeit den Besuch ihrer Angehörigen mit den lieben Enkelkindern erwarten. Darauf dürfen sie sich heuer nicht freuen, da Kinder im Seniorenheim heuer selbst zu Weihnachten keinen Zutritt haben: „Das tut mir unendlich leid.“

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