Im Corona-Lockdown

„Keine Zeit, in der Kinder nichts lernen“: Wasserburger Land geht in den Distanzunterricht

Die Schularbeiten werden bis auf Weiteres zuhause am Laptop erledigt. Die Wasserburger Schulleiter und -leiterinnen sehen dem Distanzunterricht zuversichtlich entgegen, auch wenn nicht alles so klappt, wie es soll.
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Die Schularbeiten werden bis auf Weiteres zuhause am Laptop erledigt. Die Wasserburger Schulleiter und -leiterinnen sehen dem Distanzunterricht zuversichtlich entgegen, auch wenn nicht alles so klappt, wie es soll.
  • Sophia Huber
    vonSophia Huber
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Zuversicht ist besser als Frustration, darin sind sich die Schulleiter im Wasserburger Land angesichts der Fortsetzung des Distanzunterichts im Corona-Lockdown einig. „Es muss klappen“, sagt Maria Albert, Leiterin der Mittelschule Wasserburg – irgendwie.

Wasserburg/Gars – Der Distanzunterricht verlangt viel von den Schulen ab, aber die Schulleiterinnen und Schulleiter fühlen sich gut vorbereitet.

Zum Teil werden Unterlagen postalisch zugestellt

„Es gibt ja eine Vielfalt von Möglichkeiten“, sagt Albert, den Großteil werde die Mittelschule über das Schülerportal bewältigen, einigen Schülern würden die Lernunterlagen aber auch postalisch zugestellt werden. „Wir haben auch Schüler, die keinen Zugang zu stabilem Internet oder zu den entsprechenden Geräten haben, das ist leider so.“ Die Anzahl der Betroffenen sei jedoch sehr gering.

Digitales Lernen: Auch die Eltern helfen tatkräftig mit

Auch die Grundschule Reitmehring plant zur Not, die Unterlagen zu den Kindern nach Hause zu bringen. Aber auch in Sachen Digitalisierung sieht sich Schulleiterin Helga Block gut ausgestattet. „Wir bemühen uns sehr.“ Die Schüler können unter anderem über Videokonferenzen und Erklärvideos, über Videounterricht und Emails auf die Unterlagen zugreifen. In den vergangenen Monaten habe sich die Schule, auch dank der tatkräftigen Unterstützung der Stadt, digital weiterentwickelt.

Das Schulhaus sei mit Wlan ausgestattet worden, die Lehrer hätten dienstliche Email-Adressen erhalten und es seien bereits im Juli Leihgeräte bestellt worden. „Die sind aber vom Hersteller leider noch nicht geliefert worden“, bedauert Block. Trotzdem sieht sie dem Lernen auf Distanz zuversichtlich entgegen. Natürlich sei der Präsenzunterricht an Schulen besser, aber sie betont: „Die Zeit im Distanzunterricht ist keine Zeit, in der die Kinder nichts lernen.“

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Das habe sie auch während ihrer eigenen Quarantäne erfahren. „Die Schüler haben in diesen zwei Wochen gut mitgemacht“, so Block. Die Rektorin würdigt auch das Engagement der Eltern. „Auch sie machen gut mit.“ Das sei sehr wichtig, denn nur durch ein solches Miteinander könne der Distanzunterricht funktionieren.

Nicht verwundert über Überlastung des Systems

Auch Gunter Fuchs, Schulleiter des Gymnasiums Gars, ist positiv gestimmt. „Ich bin immer zuversichtlich“, sagt er, obwohl er sich gerade selbst nicht in das Lehrerportal einloggen kann. „Aber über solche Dinge aufzuregen, bringt nichts“, so Fuchs. Alle seien bemüht darum, dass der Distanzunterricht so reibungslos wie möglich ablaufen könne, doch es sei einfach eine neue Situation. „Es sind auch tausende Menschen im Homeoffice“, so Fuchs. So etwas habe es noch nie gegeben, eine Überlastung des Systems sei da nur logisch.

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Das Gymnasium Gars habe außerdem die Zeit vor den Weihnachtsferien genutzt, um die Möglichkeiten und Grenzen der Lernplattformen auszuprobieren. „Wir haben festgestellt, dass das Schülerportal oft überlastet ist.“ Mit Big Blue Button, welches von den Landratsämtern zur Verfügung gestellt wird, klappe es besser. „Da stehen wir, einfach gesagt, nicht in Konkurrenz mit dem Rest der Welt.“

Distanzunterricht besser als Wechselunterricht

Verena Grillhösl, Leiterin des Luitpold-Gymnasiums Wasserburg, zieht sogar den Distanz- dem Wechselunterricht vor. „Natürlich ist es das Allerbeste, wenn die Schüler da sind“, so Grillhösl, aber wenn dies nicht möglich sei, dann sei der komplette Online-Unterricht noch dem Hin und Her vorzuziehen. Das liege auch an der Ausstattung des Gymnasiums. „Wir haben hier eine 16-Bit-Leitung“, erklärt Grillhösl, „das ist ein Witz.“ Dadurch konnte der Unterricht nicht gestreamt werden, wie ursprünglich während der Wechselphase geplant war. „Die Lehrer mussten also den Unterricht halten und dann noch einmal aufbereiten für die Schüler, die zuhause waren.“ Einige Kollegen hätten dadurch mehr als doppelt so viel Arbeit geleistet. Nun – im Distanzunterricht – könnten die Lehrer von zu Hause aus arbeiten. „Die meisten haben dort eine bessere Leitung.“

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Auch im Distanzunterricht werden die Lehrkräfte zwar Mehrarbeit leisten müssen, befürchtet Grillhösl, jedoch bei Weitem nicht so viel, wie während des Wechselunterrichts. Eine Aufbesserung der Internetleitung wurde der Schule für März 2021 in Aussicht gestellt.

Lehrer nutzen Fortbildungsmöglichkeiten

Zuversichtlich ist Grillhösl auch aufgrund des Lehrerkollegiums, das hätte sich gut auf die neue Phase vorbereitet. Viele Lehrkräfte hätten die Fortbildungsmöglichkeiten zum Distanzunterricht wahrgenommen. „Ich denke, wir sind in dem Bereich gut aufgestellt“, so Grillhösl. Das Gymnasium werde eine Kombination aus dem Schülerportal, der Lernplattform Mebis und vereinzelt auch YouTube für die Stoffvermittlung nutzen. Als Ausweichmöglichkeit stehe der Schule „Big Blue Button“ zur Verfügung.

Streichung der Faschingsferien wird begrüßt

Die Streichung der Faschingsferien sieht Verena Grillhösl, Rektorin des Wasserburger Gymnasiums, durchaus als sinnvoll an. „Wenn wir Anfang Februar wieder in den Präsenzunterricht starten, dann hätten wir nach zwei Wochen Schule schon wieder Ferien“, so Grillhösl, „das wäre nicht gut.“ Mittelschulleiterin Maria Albert sieht es ähnlich. „Wir würden schon nach zwei Wochen wieder aus dem Schulalltag herausgerissen.“

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Außerdem, so Grillhösl, könnten dadurch auch mögliche Urlaubsfahrten, die zum Infektionsgeschehen beitragen würden, verhindert werden. Zudem sei mehr Präsenzunterricht vor allem in der Oberstufe notwendig. Dennoch hofft Grillhösl auf eine Kompensation der Mehrarbeit für Lehrer. „Ich hoffe, man lässt sich etwas einfallen, um das auszugleichen.“

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