Stellplätze mit Ver- und Entsorgungsmöglichkeit fehlen in Rosenheim

Keine Stadt für Camper

Parken können bis zu drei Wohnmobile am "Happinger Hof" vor der Stadt. Allerdings fehlen dort die für Camper-Stellplätze üblichen Ver- und Entsorgungssäulen sowie die Entleerungsmöglichkeiten für die Chemie-Toiletten. Foto  re
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Parken können bis zu drei Wohnmobile am "Happinger Hof" vor der Stadt. Allerdings fehlen dort die für Camper-Stellplätze üblichen Ver- und Entsorgungssäulen sowie die Entleerungsmöglichkeiten für die Chemie-Toiletten. Foto re

Rosenheim - Wer als Wohnmobilist Urlaub in Rosenheim machen und die Stadt anschauen will, wundert sich: Zehn Kilometer beträgt die Entfernung zu den nächstgelegenen Stellplätzen mit Ver- und Entsorgungsstationen (VE) für Camper - in Bad Aibling an der Therme gibt es 34 Plätze, davon zwei Drittel mit VE-Anschlüssen. Wie Werkleiter Fritz Walter Keilhauer von den Stadtwerken Bad Aibling, selbst Camper, berichtet, seien die Plätze von März bis November zu 80 bis 100 Prozent belegt, um Weihnachten zu rund 50 Prozent.

Zwar bietet in Rosenheim der Landgasthof "Happinger Hof" in Happing zwei Plätze auf seinem Hotelparkplatz und einen weiteren in unmittelbarer Nähe, sie sind jedoch nicht mit VE-Stationen ausgerüstet. Ein Stromanschluss ist vorhanden, dazu besteht Wasch- und Duschmöglichkeit im Gasthof. Meist nutzten Durchreisende die Parkpätze nur zum Übernachten, so die Auskunft.

Außerdem dürfen Camper auch am Seehotel "Hubertus" parken - das ist die zweite Möglichkeit, die Camping-Reiseführer wie etwa der ADAC-Wohnmobil-Führer für Rosenheim auflisten. Solange die jetzige Kioskpächterin Annette Rygol ihren Betrieb geöffnet hat - von etwa 10 bis 22 Uhr - kann die Toilette der ehemaligen Gaststätte benutzt werden. Die Plätze würden aber selten genutzt: "Letztes Jahr kamen etwa fünfmal Camper zum Übernachten", erinnert sich Rygol.

Früher gab es in Rosenheim am Gelände der Freien Turnerschaft in der Klepperstraße einen offiziellen Campingplatz. Er wurde Mitte der 80er-Jahre ersatzlos geschlossen. Seitdem finden die Camper keine innenstadtnahe Bleibe mit Versorgung mehr. Es sind meistens zahlungskräftige Leute, die sich im fortgeschrittenen Alter ein solches Hobby leisten können.

Der Wohnmobil-Markt boomt. Allein in Deutschland sind laut Branche derzeit rund 450000 Reisemobile in Gebrauch. Im zweiten Halbjahr 2012 wurden 24062 Fahrzeuge neu zugelassen, das entspricht einer Steigerung zum Vorjahreszeitraum von 10,4 Prozent. Dabei betrug der Anteil der Fahrzeuge bis 2,8 Tonnen Gewicht nur 0,4 Prozent, 80 Prozent liegen in der Klasse bis 3,5 Tonnen, 19,3 Prozent darüber. Für April 2013 meldete das Kraftfahrzeug-Bundesamt einen neuen Rekord: 4315 neu zugelassene Reisemobile, was einem Plus von 20,6 Prozent entspricht.

Der internationale Wohnmobilist hat es - besonders als Städtetourist - gern komfortabel. Er hat viel Geld für sein Fahrzeug ausgegeben und erwartet am Stellplatz optimale Versorgung. Da Wohnmobil-Urlauber nicht nur im Sommerhalbjahr unterwegs sind, muss ein Stellplatz, der auch international vermarktet werden kann, ganzjährig verfügbar sein.

Das weiß auch Helmut Cybulska, Dezernent für Stadtplanung, Bauordnung und Bauwesen: "Mit der Suche nach geeigneten Wohnmobil-Standorten beschäftigen wir uns seit Jahren, zuletzt intensiv im Rahmen der Vorbereitungen zur Landesgartenschau 2010."

Die Anforderungen aus Sicht der "Wohnmobilisten" lauten, so Cybulska: möglichst fußläufig oder mit attraktiven Radwegen an die Innenstadt angebunden, ruhige, erholsame Lage, gut auffindbar. Als gut geeignet sei immer wieder der Mangfallpark Süd genannt worden. "Der jedoch scheidet aus nachvollziehbaren Gründen aus unserer Sicht aus - Flächen vergleichbarer Qualität fehlen uns in Innenstadtnähe", sagt der Dezernent.

Citymanager Günter Boncelet kennt die Problematik aus eigener Anschauung, da er seit einiger Zeit ein Wohnmobil hat. "In Rothenburg ob der Tauber sind 40 Stellplätze direkt an der Stadtmauer - die sind fast immer belegt", sagt er. Je attraktiver Standort und Stellplatzkomfort, umso besser die Belegung. "In unserer Region gibt es Plätze mit 20000 bis 30000 Übernachtungen pro Jahr", weiß er.

Diese Gäste seien aber auch sehr mobil. Bei schlechtem Wetter führen sie gleich weiter. "Bei guten Platzverhältnissen in der Stadt würden sie bei kurzfristigen Schlechtwettereinbrüche aber Einkaufen gehen oder Ausstellungen besuchen", glaubt Boncelet. Gut geeignet wären seiner Meinung nach die Parkplatzflächen hinter dem Hallenbad beim Luitpoldpark.

"Hier ergeben sich jedoch organisatorische Konflikte, für die bisher keine Lösung gefunden wurde", erklärt Dezernent Cybulska dazu: Die Parkplätze sind im Sommer frei, weil das Hallenbad geschlossen ist - und damit stehen dessen Sanitäreinrichtungen nicht zur Verfügung.

Boncelet erklärt dazu: "Als Camper braucht man einen direkten Abwasseranschluss. Und je mehr Personen im Wagen sind, um so schneller ist das Frischwasser an Bord verbraucht." Die Kassetten der Chemie-Toiletten - fast alle modernen Wohnmobile sind damit ausgerüstet - müssen auch häufig entleert werden, aber nicht ins Kanalnetz wie Brauchwasser, sondern in Extra-Fäkalienbehälter, wie sie auch VE-Säulen beinhalten.

Da der Gasthof Hubertus im Landschaftsschutzgebiet liegt, genießt laut Cybulska die Nutzung als Wohnmobilparkplatz Bestandsschutz, auch mit einer angemessenen Erweiterung, wie die Stadt, der jetzt Gasthof samt Gelände gehört, bereits der Voreigentümerin genehmigt hatte. Auf dieser Rechtsgrundlage plant die Verwaltung noch in diesem Sommer eine Ausschreibung. Entsprechende Beschlüsse sollen vor den Ferien herbeigeführt werden, sagte Cybulska. hh

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