Gespräch mit Hubert Mittermeier

Keine Feste, keine Plattler: Wasserburger Trachtler treffen coronabedingte Absagen ins Mark

Hubert Mittermeier, Vorsitzender der Trachtler.
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Hubert Mittermeier, Vorsitzender der Trachtler.
  • Winfried Weithofer
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Die Corona-Pandemie bremst das kulturelle Leben aus – und damit auch die Trachtenvereine. Schwer seufzt darüber Hubert Mittermeier von den Wasserburger Trachtlern, den die abgesagten Feste ins Herz treffen.

Wasserburg/Edling – Unter der Corona-Krise leiden auch die Trachtler: Am vergangenen Wochenende musste der Bayerische Trachtenverband „schweren Herzens“ die diesjährige Landesversammlung in Oberaudorf beim Trachtenverband Inngau absagen. Der Termin wäre der 10. und 11. Oktober gewesen.

Pandemie bremst urbayerische Kultur

Auch der Trachtenverein Wasserburg durchlebt gerade eine schwere Zeit. Die Feste, die sonst im Trachtler-Jahr gefeiert werden, sind Corona zum Opfer gefallen. „Das Preisplatteln in Prutting, die Trachtenwallfahrt in Maria Eck, der Zeltgottesdienst in Wasserburg, die Kirchdorfner Blasmusik, der Festsonntag des TSV Edling – all das fand nicht statt“, bedauert der Vorsitzende Hubert Mittermeier im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung und spricht beim Blick auf die Liste mit den abgesagten Veranstaltungen von einem „bitteren Jahr“. Ebenfalls verzichten müssen die Trachtler auf den beliebten Stefani-Tanz in Zellereit am zweiten Weihnachtsfeiertag.

Trachten bleiben beliebt

Mittermeier lässt sich aber nicht unterkriegen: Trachten, sagt der 50-Jährige, seien mehr denn je ein Renner und in allen Altersstufen beliebt, daran könne Corona nichts ändern. „Es werden heute Lederhosen getragen wie nie zuvor, fast jeder hat eine.“ In seiner Kindheit sei das noch nicht der Fall gewesen. Dabei ist ein solches Kleidungsstück gar nicht so billig: 300 bis 400 Euro müsse man dafür schon ausgeben.

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Seit 2017 ist Mittermeier der Vorsitzende des Vereins, dessen Ursprung auf das Jahr 1893 zurückgeht – damals war es ein Zusammenschluss von Plattlern. Gegründet wurde der Verein Almrausch Wasserburg schließlich 1911 –ein Gebirgstrachten-Erhaltungsverein, so die genaue Bezeichnung. Mittermeier ist in Edling-Unterhub zu Hause, er ist Trachtler aus Tradition und Leidenschaft. Seit 40 Jahren gehört er zum Verein, der 180 aktive und passive Mitglieder hat. Sie kommen nicht nur aus Wasserburg, sondern auch aus Pfaffing, Edling, Altbaching, Rechtmehring, Freimehring, Babensham und anderen Orten.

Eine Glut, die von Generation zu Generation weiter gegeben wird

Ob zu Fronleichnam oder beim Indamm-Fest, ob zur Eröffnung des Frühlingsfests oder beim Volkstrauertag: Es war bisher Mittermeiers ganzes Glück, der Öffentlichkeit mit seinen Lederhosen-Buam und Dirndl-Mädels bei den verschiedensten Gelegenheiten Tanzkunst zu bieten – von Ostern bis zum Kathrein-Tag im November. Eine urbayerische Kultur, die, sagt Mittermeier, unbedingt gepflegt gehört und der er sich verpflichtet fühlt. „Es ist eine Glut, die wir von Generation zu Generation weitergeben.“

Tracht und Tradition sind eng verwoben. Diese historische Ansicht von einem Wasserburger Festzug stammt vom 12. März 1891. Zwei Jahre später schlossen sich Plattler zu einer Gruppierung zusammen.

Das Werben um Nachwuchs liegt ihm besonders am Herzen. Wobei er auf die Mithilfe der Eltern angewiesen ist, die allerdings nicht immer leicht zu haben ist. Doch er hat überzeugende Argumente, Platteln sei ein hervorragendes Körpertraining: „Auf das Gleichgewicht, auf die Schlagfolge, auf das Gefühl für den Takt kommt es an. Wenn ich platteln kann, hab‘ ich keine Bewegungsprobleme mehr.“ Der Tanz, fügt er hinzu, sei zudem ein Ausdruck von Lebensfreude. Die sei auch in Zeiten einer Pandemie wichtig.

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Mittermeier macht Hoffnung auf bessere Zeiten: Immerhin dürfen in einzelnen Hallen wieder Übungsstunden mit Figurentänzen stattfinden. Und mit Hilfe einer Spende des Lions Clubs soll in einer Halle in Edling-Giglberg ein Tanzboden entstehen, auf dem die Mädchen üben können.

Und wenigstens ein Treffen aller Mitglieder des Trachtenvereins möchte Mittermeier in diesem Jahr möglich machen: Er will zu einer Nikolausfeier im Freien laden. „Wir müssen zusammenkommen, uns austauschen. Wir sind ein Verein, der auf soziale Kontakte baut.“

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