Mitten im „Lockdown light“

Kein Christkindlmarkt: Deshalb eröffnet Gabriele Henseler in Wasserburg einfach ein Geschäft

Bisher hat Gabriele Henseler ihre selbstdesignten Strickwaren, ihre Christbaumkugeln und ihren jordanischen Schmuck auf dem Christkindlmarkt verkauft. Nun hat sie sich mit ihrem neuen Geschäft „Jordani“ einen Lebenstraum erfüllt.
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Bisher hat Gabriele Henseler ihre selbstdesignten Strickwaren, ihre Christbaumkugeln und ihren jordanischen Schmuck auf dem Christkindlmarkt verkauft. Nun hat sie sich mit ihrem neuen Geschäft „Jordani“ einen Lebenstraum erfüllt.
  • Sophia Huber
    vonSophia Huber
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Gabriele Henseler wagt einen Schritt, den viele in Corona-Zeiten wohl nicht gehen würden: Weil sie ihre Produkte heuer nicht auf Weihnachtsmärkten verkaufen kann, hat sie mitten im „Lockdown light“ in Wasserburg einen Laden eröffnet. Das Motto der Amerangerin: „Ich lasse mich nicht unterkriegen.“

Wasserburg/Amerang– Henseler hat die Pandemie besonders hart getroffen. „Dieses Jahr war schrecklich für mich.“ Ihre Haupteinnahmequelle seien normalerweise Christkindlmärkte. Seit etwa zwölf Jahren verkauft die gelernte Pharmazeutin auf dem Weihnachtsmarkt Thurn und Taxis in Regensburg Strickwaren, Schmuck und Christbaumkugeln. Nebenher arbeitet sie als freie Mitarbeiterin beim Opernfestival Immling. Beides war dieses Jahr nicht oder nur eingeschränkt möglich.

Mit Geschäft „Jordani“ erfüllt sich ihr Lebenstraum

Doch trotz allem oder vielleicht genau deswegen, erfüllt sich Henseler mit ihrem neuen Geschäft „Jordani“ nun einen Lebenstraum. „Immer auf dem Christkindlmarkt zu verkaufen, ist sehr anstrengend“, sagt die gelernte Pharmazeutin, „man muss alles einpacken und dann sitzt man da elf bis zwölf Stunden und am Ende muss man alles wieder abräumen.“ Letzteres habe ihr immer besonders wehgetan. Deshalb hatte sie schon seit einigen Jahren den Wunsch nach einer festen Bleibe. „Und dann habe ich den Laden hier in der Ledererzeile gesehen“, sagt sie. Vor ihrem Einzug sei er fast ein Vierteljahr leer gestanden. „Es war, als ob er mich gerufen hätte.“

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Das Geschäft ist der wohl kleinste Laden Wasserburgs, wie sie selbst sagt. Zurzeit werden dort Weihnachts- und Winterartikel verkauft. Im Sommer werden gestickte Waren aus Jordanien angeboten. „Das kommt von Beduinenfrauen.“

Sie hat eine besondere Verbindung zu Jordanien

Henseler hat eine besondere Verbindung zu Jordanien, was sich im Namen des Geschäfts „Jordani“ widerspiegelt. „Mein Ehemann ist dort aufgewachsen“, aber auch sie selbst findet das Land faszinierend. Der jordanische Silberschmuck, den es auch in ihrem Geschäft gibt, hat sie dazu inspiriert, sucg selbst im Schmuckdesign zu versuchen.

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Nach der Geburt ihrer Kinder gab sie dann den Beruf der Pharmazeutin ganz auf. „Das war nie meins. Ich wollte immer kreativ arbeiten“, sagt die 65-Jährige. Deshalb designte sie die meisten ihrer Stücke selbst. „Alle Strickwaren sind von mir. Auch ein paar von den Christbaumkugeln.“

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Geschäfte befriedigen das Bedürfnis nach Kontakt

Christoph Klobeck, Wirtschaftsreferent des Stadtrates und selbst Geschäftsinhaber, freut sich über den Neuzugang in der Wasserburger Innenstadt. „Das ist natürlich das, was Wasserburg ausmacht. Die Vielfalt und das Inhabergeführte“, erklärt er. Gerade in Corona-Zeiten hätten seinem Eindruck nach viele Menschen das Bedürfnis nach Kontakt, das sie unter Corona-Auflagen auch in den kleinen Geschäften befriedigen könnten. Besonders freut ihn, dass so viele Neugründungen nun in der Pandemie erfolgen. „Das ist bei uns schon extrem.“

Sie gibt Christkindlmärkte trotzdem nicht auf

Henseler selbst hatte gar nicht vor, ihr Geschäft jetzt zu eröffnen. „Bis Freitag hatte ich noch geplant, in Regensburg zu sein“, sagt sie. Die Eröffnung war bei ihrer Rückkehr angedacht. Dann kam die Absage des Weihnachtsmarktes in Regensburg und Henseler plante ganz spontan um.

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Die Christkindlmärkte möchte sie aber dennoch nicht ganz aufgeben. „Aber nach Regensburg fahre ich wahrscheinlich nicht mehr. Wahrscheinlich geht es nach Tüßling.“ Sobald es wieder möglich wird, bis dahin hat sie in ihrem Laden genug zu tun.

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