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Portrait der Woche

Katrin Meindl ist die Frau mit dem Sinn für Kunst in Wasserburg

Mit dem Styroporrahmen vor der Kamera: Katrin Meindl hat sich der Kunst verschrieben
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Mit dem Styroporrahmen vor der Kamera: Katrin Meindl hat sich der Kunst verschrieben
  • Winfried Weithofer
    VonWinfried Weithofer
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Sie ist kreativ, auf Zack, hat Humor und weiß Menschen für die Kunst zu begeistern: Katrin Meindl, zweite Vorsitzende des Ak 68 in Wassserburg. Ein Portrait über eine vielseitige Frau.

Wasserburg – Zu jedem Text gehört die passende Bebilderung – eine Grundregel des Journalismus. Katrin Meindl muss nur kurz nachdenken, um eine pfiffige Idee zu bieten: Sie eilt in den Keller und kommt mit einem riesigen Rahmen aus Styropor zurück, den sie lächelnd vor sich hält. Schon ist das Motiv perfekt. Kein Wunder, Katrin Meindl ist ein Frau mit dem Sinn für Kunst. Dröge Passbilder von sich wären ihr ein Gräuel.

Die Menschen kennen sie in und um Wasserburg durch ihr Engagement in der Kulturszene. Im vergangenen Jahr hat sie sich vor allem um die vielen künstlerischen Veranstaltungen in der ehemaligen Essigfabrik verdient gemacht. „Das war ein Geschenk der Stadt Wasserburg, dass wir das machen durften“, sagt sie rückblickend.

Warum Wasserburg die Künstler anzieht

Meindl ist zweite Vorsitzende des Arbeitskreises (AK) 68, jener Künstlervereinigung, die im Ganserhaus beheimatet ist. Neuerdings sind dort Werke des Wasserburger Malers und Architekten Walter Voss ausgestellt, eines AK-68-Mitglieds, der im vergangenen Jahr verstarb. Natürlich hat Meindl ihn gut gekannt und kann daher auch authentisch über ihn berichten.

„Das erste Mal fiel er mir bei einer Mitgliederversammlung auf, da hatte er ein T-Shirt an mit der Aufschrift ‚Schrei mich nicht an‘. Doch bei privaten Treffen fand ich ihn sympathisch, er war sehr kantig, hatte eine feste Meinung.“ Je länger Meindl von ihm erzählt, um so mehr Wertschätzung lässt sie für ihn erkennen.

Ganserhaus muss renoviert werden

Kenntnisreich berichtet Meindl auch von den Anfängen des AK 68 im Ganserhaus: „Wenn es nicht so mutige Künstler gegeben hätte wie C.A. Wasserburger oder Willy Reichert, dann hätten wir das nicht.“ Sie kennt sich aus in der Historie des Vereins, weiß auch um die bauliche Beschaffenheit des Ganserhauses Bescheid, das der Renovierung bedarf. „Wir nutzen ja nur etwa ein Drittel davon.“ Sie meint den unteren Bereich – in den Obergeschossen sei ja niemand.

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Woran liegt es, dass Wasserburg so viele renommierte Künstler angezogen hat? Eine Frage, auf die Meindl eine plausible Antwort geben kann: Weil sich in München viele Künstler in den späten 60er Jahren zusammengedrängt hätten, seien manche „rausgegangen“. C. A. Wasserburger habe es mit seiner Überredungskunst geschafft („Der war nicht leise, sondern laut“), einige berühmte Leute an die Stadt am Inn zu holen – und denen seien weitere gefolgt. Dank C. A. Wasserburger, der eigentlich Alexander Hatzl hieß und Vereinsvorsitzender bis 1978 war, sei der AK 68 eine angesehene Institution geworden.

Lesen Sie auch: Wasserburg fragt sich: Ist das Kunst – oder muss das weg?

Ein Typ, der Meindl in Erzähllaune versetzt. Schmunzelnd lässt sie Revue passieren, wie der Gründervater des AK 68 einmal ein Kreissägenkonzert auf dem Marienplatz organisierte, mit 20 nackten, weiß gekalkten Männern. Was für ein Spektakel! In einem Nachruf auf sein Leben von 2019 wird er als exzentrischer, eigensinniger Mann voller Energie beschrieben, der gerne durch Provokationen Aufmerksamkeit erregte. In Meindls Rückschau darf freilich auch der Name Ute Lechner nicht fehlen – eine Künstlerin, der sie viel zu verdanken habe.

Seit 1996 wohnt Meindl mit ihrer Familie in Penzing. Eigentlich stammt sie aus Erlangen, wo sie auch zur Schule ging – auf ein musisches Gymnasium. Ihr Elternhaus schildert sie als sehr tolerant: „Meine Eltern haben mein Selbstbewusstsein gefördert, sie haben mich einfach machen lassen.“

1988 legt Meindl an der Erlanger Physiotherapieschule ihr Examen ab, in den ersten Berufsjahren arbeitet sie zuerst in Gmund am Tegernsee, dann, Anfang der 90er Jahre, zieht es sie in die bayerische Landeshauptstadt.

Familienmensch und Physiotherapeutin

Die Stadt ihres Mannes ist aber Wasserburg, und so dauert es nicht lange, bis sie sich hier ihr gemeinsames Zuhause einrichten. Die Hochzeit ist 1995, unvergessen bleibt ihr, wie ihre Physiotherapieschüler damals Spalier vor dem Rathaus standen – mit Anschauungsmaterial aus dem Unterricht, Skelettarmen und -beinen.

Schon ein Jahr später kommt Tochter Maria zur Welt, Anne wurde 1998 geboren. „Ich bin ein Familienmensch“, sagt sie und strahlt. Für ihre Lieben habe sie „viele Zeitressourcen“, wie sie sich ausdrückt. „Wir schauen nie fern.“ Fit hält sie sich mit morgendlichen Joggingrunden.

„Ich mag Menschen“

Ihr Beruf als Physiotherapeutin macht ihr Spaß: „Ich finde es toll, etwas zu ertasten. Und ich mag Menschen.“ Sie fühlt, dass sie in der Pandemie besonders gefordert ist, die Leute seien allgemein körperlich und psychisch nicht so gut drauf. Mitunter entdeckt sie bei Hausbesuchen Möbelstücke, die sich für Übungen eignen. „Da merke ich, dass ich kreativ bin.“

Ein Glücksmoment für Katrin Meindl.

Steckbrief

Name : Katrin Meindll

Geburtsort: Erlangen

Geburtstag: 1. Januar 1966

Ausbildung: Physiotherapeutin

Wohnort : Penzing (Gemeinde Babensham)

Kurz & bündig

Worauf sind Sie stolz?

Katrin Meindl: Auf meine Fähigkeit, die Stärken von anderen anzuerkennen. Aber natürlich auch auf meine kurzweilige Ehe, unsere unterschiedlichen Töchter, unser gelebtes Mehrgenerationenmiteinander unter einem Dach, unser offenes Haus.

Was würden Sie gerne noch einmal tun?

Meindl: Alles Mögliche. Ich könnte tausend Sachen aufzählen.

Was lesen Sie gerade?

Meindl : Kunstbände.

Was sind Ihre liebsten Urlaubsziele?

Meindl : Großstädte. Nicht Strand und Meer und auch nicht die Berge.

Wann sind Sie an Ihre Grenzen gestoßen?

Meindl: Die ersten Nächte mit Welpen als Hundeanfängerin.

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