Katastrophe, Kunst und Kinder

Hurra, wir haben eine helle neue Mittelschule: Knapp 20 Millionen Euro kosteten Sanierung und Erweiterung.
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Hurra, wir haben eine helle neue Mittelschule: Knapp 20 Millionen Euro kosteten Sanierung und Erweiterung.

Herbstfeste, Einweihungen, Wasserburg leuchtet, Jahresfeste, Christkindlmärkte und Heiligabend – auch im letzten Drittel des Jahres wird oft gefeiert. Wasserburg.

Der Brand in Attel, die ankommenden Flüchtlinge und eine Gedenktafel für die Opfer der „Euthanasie“ im Dritten Reich erinnern gleichzeitig an die Tragödien und Schicksalsschläge des Lebens.

– In Attel und Haag ist man im Wiesnfieber, die Stadt diskutiert über Sperrzeit und Raser. Nach einer schrecklichen Tragödie im Oktober folgt schon bald die Vorfreude auf Weihnachten.

September

Die Politik beherrscht den Vorabend des Haager Herbstfestes: Wirtschaftsministerin Ilse Aigner stellt bei ihrem Besuch die Asylproblematik, die Finanzkrise in Griechenland und den Standort Bayern in den Vordergrund. In den kommenden Tagen geht es dann eher feucht-fröhlich weiter, selbst die Senioren von St. Kunigund sind im „Wiesnfieber“.

Im Altlandkreis treibt unterdessen der Borkenkäfer sein Unwesen und richtet so große Schäden an, wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr.

„O‘zapft is“ heißt es für das 43. Attler Herbstfest, Schirmherr Willy Reichert gibt den Startschuss. Ein paar Tage später ist den Festwirten klar: „Dieser Ansturm übertrifft unsere Erwartungen.“

Wie erwartet geht das Sommerrätsel zu Ende: Viele Feuerwehrhäuser, 23 Buchstaben – am Ende steht die Lösung: „Fuer uns durchs Feuer gehen“.

Pünktlich zum 300. Weihetag zeigt sich die Kirche St. Michael in Attel runderneuert von ihrer besten Seite.

In Attel geht das Herbstfest zu Ende, in Bayern beginnt die Schule. Die Wasserburger Mittelschule startet mit einer hohen, lichtdurchfluteten Aula und einem barrierefreien Gebäude ins neue Schuljahr.

Auch das Dach des Badrias hat eine umfangreiche Sanierung hinter sich: Das Tauchbecken bleibt, alles andere ist neu – inklusive eines angebauten Ruheraums.

Die Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen gegen das Kinderheim in Au, das von einem ehemaligen Mitarbeiter unter anderem der Freiheitsberaubung bezichtigt worden ist, weitgehend ein : mangels Tatnachweis.

Wasserburg leuchtet zum 13. Mal, Star des Abends ist die fünf Meter große Marionette „Dundu“.

Die Erweiterung des Probenheims der Stadtkapelle ist endlich fertig und bietet Platz für noch viel mehr Musik.

Zum Ende des Monats ein Wettbewerb: Ein Bahnhof ist der Altstadtbahnhof schon lange nicht mehr, ab dem Frühjahr 2016 soll dort eine Anlaufstelle für soziale Belange entstehen. Jetzt fehlt nur noch der passende Name für den „neuen alten Bahnhof“.

Oktober

Wasserburg hat jetzt eine Akademie – oder zumindest eine Umbenennung: Die „Verwaltungsschule der Sozialverwaltung“ wird wiederholungsfreier zur „Akademie der Sozialverwaltung“.

„Es sieht aus wie nach dem Krieg“, sagt Friedrich Seipel, Vorstand der Stiftung Attl, und meint damit den in der Nacht auf den 7. Oktober abgebrannten Rinderstall der Stiftung. Lichterloh stand der „Attler Hof“ in Flammen, so lichterloh, dass selbst erfahrene Feuerwehrmänner verblüfft darüber waren, wie schnell und gleichmäßig sich der Brand in dem riesigen Gebäude ausbreitete. Über 80 Tiere verendeten in den bis zu 1000 Grad heißen Flammen, Landwirtschaftsmeister Peter Steinmüller ist fassungslos. „Wir trauern um unsere Tiere“, erklärt er im Interview. Sein Wunsch für die Zukunft: „Dass es nicht mehr brennt.“ Bereits am Tag nach der Tragödie haben die Aufräumarbeiten begonnen, Profis kümmern sich jetzt um die traurigen Überreste des „Attler Hof“.

Für den Ernstfall bei einer Naturkatastrophe proben alle Wasserburger Rettungsorganisationen. Fünf Opfer galt es nach einem Erdrutsch zu bergen – glücklicherweise nur eine Übung.

Das Theater Wasserburg startet mit „Superman ist tot“ einen neue Sparte: das Kinder- und Jugendtheater.

Die Clearingstellen der Rummelsberger Diakonie feiern Jahresfest und erinnern in der aktuellen Flüchtlingssituation: „Wir sind alle nur Gäste“.

Knapp 30 000 Euro hat Stadtarchivar Matthias Haupt für die Konservierung der Foto-Bestände ausgegeben, jetzt ist alles alterungsbeständig aufbewahrt und zum Teil sogar schon digitalisiert.

Die Glocken St. Jakobs schweigen wieder. Der Grund: Die Restaurierung geht weiter, im Moment arbeiten die Handwerker auf Fensterhöhe – für sie wäre das Geläute kaum auszuhalten.

Ein weiterer Umbau steht in Reitmehring an, dort soll der Bahnübergang beseitigt werden. Seit Jahren - aber nun wird‘s konkret: Das Planfeststellungsverfahren beginnt laut Verkehrsministerium im Frühjahr 2016.

Einen Schritt in Richtung Zukunft macht die Realschule Wasserburg: Seit Kurzem gibt es dort eine I-Pad-Klasse.

November

„Ein Paradebeispiel für inklusives Handeln in unserer Gesellschaft“, so lobt Friedrich Seipel, Vorstand der Stiftung Attl, das neue Schopperstatthaus am Bahnhofsplatz, in dem bis Ende des Monats 24 Menschen mit einer geistigen Behinderung aus der Stiftung einziehen. Für die nächsten 25 Jahre hat man dort für 40 Menschen der Stiftung einen Wohnraum geschaffen.

In Haag will es währendessen bei den Restaurierungsarbeiten am Schlossturm nicht problemlos weitergehen – es fehlt ein Brandschutzkonzept.

Rekordbesuch bei der Bürgerversammlung in der Wasserburger Altstadt. Ein großes Anliegen: die Sperrzeit. Anwohner leiden unter Lärmbelästigung und Pöbeleien der Betrunkenen. Die Wirte hingegen befürchten ein Ende der bunten Wasserburger Kneipenkultur. Zudem herrscht Uneinigkeit, ob die Sperrzeit überhaupt eine Lösung für bestehende Probleme darstellt. Der Stadtrat beschließt: Ab März 2016 ist unter der Woche um 1.30 Uhr, Freitag und Samstag Nacht um 3 Uhr Schluss.

Ganz im Rahmen der Sperrzeit hat Michael Altinger ein paar Tage später seinen Spaß. Mit dem Programm „Bekannt verzogen“ unterhält er Schüler, Lehrer und Eltern im Wasserburger Gymnasium.

In der Realschule wird kurze Zeit später die Turnhalle belegt. 149 Frauen und Männer aus 14 verschiedenen Nationen hatte die Regierung in Oberbayern dem Landkreis angekündigt. Einen Helferkreis baut Monika Rieger, die bereits das Wasserburger Patenprojekt Asyl koordiniert, auf.

Die Stadt blitzt künftig selber: Es gibt keine Bürgerversammlung ohne Beschwerden über Raser, jetzt nimmt die Stadt die Geschwindigkeitskontrollen in die eigene Hand.

Dezember

Längst kein Geheimtipp mehr ist die Albachinger Waldweihnacht. Aber auch in Haag, Frabertsham, Maitenbeth, Reichertsheim, St. Wolfgang, Schonstett und natürlich in Wasserburg sorgen Chriskindl- und Weihnachtsmärkte für weihnachtliche Atmosphäre.

Eine gute Nachricht verkündet Anfang Dezember nicht ein Engel, sondern der Stadtrat: Nächstes Jahr wird der Müll billiger.

Startschuss für die „Essbare Stadt“. Die Paten des Projekts brauchen vor allem eins: ein wenig Geduld. Denn bis die „essbare Stadt“ so richtig rund läuft, kann es drei, vier Jahre dauern.

„Heller und weniger bunt“ – die Fassade des Kernhauses kann endlich enthüllt werden.

2800 blaue Papiertonnen werden im Wasserburger Stadtgebiet verteilt. Anhand der Jahresmüllabrechnung im Januar kann jeder überprüfen, ob er auch wirklich seine Tonne hat.

Rund 200 Engel sind in den Schaufenstern der Wasserburger Geschäfte und Gastronomen ausgestellt, damit ist der Wasserburger Engelweg der längste in Bayern.

Kürzer wird der Weg nach München nicht, dafür aber billiger. Seit dem 13. Dezember ist nun auch der Filzen express bis zum Bahnhof in Reitmehring Teil des Münchner Verkehrs- und Tarifverbund MVV.

Vor 40 Jahren gab das Wasserburger Kammerorchester sein erstes Konzert in der Vorweihnachtszeit im Rathaussaal. Inzwischen sind die Auftritte der Musiker fester Bestandteil des Wasserburger Kulturlebens – ab diesem Jahr unter der Führung von Stefan Unterhuber.

Zehnjähriges Jubiläum feiert die Werkstatt für Menschen mit Autismus (WMA) der Stiftung Attl, die Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen einen strukturierten und individualisierten Arbeitstalltag ermöglicht.

Wenige Tage vor dem Fest der Liebe gedenkt Wasserburg mit einer Bronzetafel in Schloss Hartheim bei Linz den 969 im Zuge des Nationalsozialismus ermordeten Betreuten aus Gabersee und Attl. „Wir wollen erinnern und mahnen, damit solches Unrecht nie wieder geschieht“, lautet die Inschrift.

Nach 24 langen Tagen hat das Warten nun ein Ende: Weihnachten steht vor der Tür, dieses Jahr folgen dem Heiligabend gleich drei freie Tage. Ganz so ideal ist es Silvester nicht, aber zumindest kann morgen ausgeschlafen werden.

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